Gastro in Ludwigsburg Traum erfüllt – Vom Job bei Bosch zur eigenen Fantasy-Taverne
Met im Stiefelbecher und Barden mit Instrumenten: In Ludwigsburg hat eine spezielle Gaststätte eröffnet, die Nerds, Ritter und Brettspieler magisch anzieht.
Met im Stiefelbecher und Barden mit Instrumenten: In Ludwigsburg hat eine spezielle Gaststätte eröffnet, die Nerds, Ritter und Brettspieler magisch anzieht.
Begeistert lässt Fabian aus Ludwigsburg den Blick über die vielen liebevollen Einrichtungsdetails der „Taverne zum sorglosen Kobold“ schweifen. Fackeln hängen an schweren Holzbalken, ihre Flammen lodern elektrisch. In einer steinernen Feuerstelle züngelt ein Feuer über einen großen Flatscreen-TV. Mittelalterlich anmutende Wandteppiche schmücken die Wände, dazu Felle, Schilde und Helme.
„Ich bin ziemlich nerdig unterwegs“, sagt der 40-Jährige und nimmt einen Schluck Met aus einem Becher in Form eines kleinen Stiefels. „Warhammer“, „Dune“, „Star Wars“, Fantasy-Rollenspiele – fiktive Welten begeistern Fabian. Über Instagram habe er von der Taverne erfahren und es nun endlich geschafft, einmal vorbeizuschauen. Mit der Hoffnung, hier Menschen zu treffen, die seine Begeisterung teilen. Tatsächlich sitzt Fabian kurze Zeit später an einem Tisch mit einem ihm bisher Fremden und beugt sich über ein sogenanntes Pen-and-Paper-Rollenspiel.
Seit einigen Wochen hat die Taverne in der Heilbronner Straße in Ludwigsburg geöffnet – mit einem ganz eigenen Konzept. In der Gaststätte soll nicht nur gegessen und getrunken werden. Sie soll Treffpunkt für Fantasy-Fans sein, ein Ort für Rollenspiele und ein Rückzugsraum für ausgedehnte Brettspielabende. Dafür hat Betreiberin Lisa Hofmann ihren Job bei Bosch an den Nagel gehängt.
Lisa und ihr Mann Dennis Hofmann aus Pattonville haben sich mit der Taverne einen Traum erfüllt und wirken zugleich fast ein wenig überwältigt von den ersten Wochen als Gastronomen. „Es läuft viel zu gut“, sagt Dennis Hofmann augenzwinkernd. „In den letzten Wochen standen hier schon Barden mit mittelalterlichen Instrumenten im Laden, Personen in Gewändern und ein Typ in voller Rüstung.“ Für diese Gruppen gibt es spezielle Tische, an denen sie den ganzen Abend tief in ein Rollenspiel und eine fiktive Welt eintauchen können.
Aber auch einige Gastro-Influencer hätten über die Taverne berichtet und so ganz unterschiedliche Gästegruppen in das Themenrestaurant im urigen Gewölbekeller gelockt. „Es gab keinen Abend, an dem es leer war“, sagt Dennis Hofmann.
Er glaubt, dass vor allem das Ambiente, der besondere Gastraum, für diesen Erfolg verantwortlich ist. „Wir sehen immer wieder, dass die Gäste große Augen bekommen, wenn sie hereinkommen.“ Seine Frau ergänzt, dass auch der lockere Ansatz und der gut bestückte Spieleschrank sehr gut angenommen werden. „Ich bin überrascht, wie viele neben oder nach dem Essen ein Brettspiel spielen“, sagt Lisa.
Während Dennis in der Küche steht und unter anderem Rostbraten, Pulled Pork, Wurstsalat und Käsespätzle zubereitet, kümmert sich Lisa Hofmann um den Service, die Buchhaltung und handwerkliche Arbeiten. Anfangs hatten die beiden geplant, dass Dennis in Vollzeit und Lisa neben ihrem Job bei Bosch den Laden schmeißt. Doch nun hat sie ihre Stelle aufgegeben und ist ab Januar vollständig für die Taverne im Einsatz, berichtet Lisa Hofmann.
Eigentlich hätte sie gerne weiter bei Bosch als Analystin für Gesetzestexte gearbeitet. Doch wie mittlerweile bekannt ist, hat das Unternehmen Schwierigkeiten und baut Personal ab. Sie habe zwar keinen direkten Druck bekommen, zu kündigen. Doch so viel sei gesagt: Es sei eben nicht mehr wie früher bei Bosch. Dann kam noch der gute Start und die viele Arbeit in der Taverne hinzu – und die Entscheidung war gefallen.
„Diese Orte werden immer wichtiger. Gerade weil die reale Welt immer hektischer und durchgetakteter wird.“
Dennis Hofmann über den Reiz der fiktiven Welten
Die Taverne hat von Donnerstag bis Montag geöffnet, mittwochs ist Hobby- und Spieletag. An diesem Tag bleibt die Küche kalt, es gibt nur Getränke und Snacks. Dahinter steckt die Idee, einen Ort ohne Konsumdruck zu schaffen, an dem Menschen mit gleichen Interessen aufeinandertreffen, Karten spielen oder sich über neue Comics, Filme und Serien austauschen können. „Für uns ist das keine Arbeitszeit“, sagt Dennis Hofmann, der mittwochs selbst gerne seine „Warhammer“-Figuren bemalt und dabei mit Gästen ins Gespräch kommt.
Das Angebot wird mal besser, mal schlechter angenommen – das sei aber völlig in Ordnung. Es gehe darum, dass sich Menschen finden und eine Community entsteht, die hier immer wieder zusammenkommt. Er habe das Gefühl, dass das Zusammenkommen und der Austausch über fiktive Sagen immer wichtiger werde, sagt Dennis Hofmann. „Gerade weil die reale Welt immer hektischer und durchgetakteter wird.“
Die Taverne soll laut den Hofmanns ein Ort sein, an dem man aus dem Alltag ausbrechen kann, an dem entschleunigt wird und der Gast auch mal das Zeitgefühl verliert. Für die Zukunft haben die Hofmanns noch keine großen Pläne.
„Erst einmal das erste Jahr überstehen.“ Zudem würden sie gerne neue Formate im Bereich der Eventgastronomie entwickeln – wie beispielsweise ein Rittermahl. Außerdem würden sie gerne Personal einstellen, zumindest einen Koch. Damit die beiden mehr Zeit haben, auf die Gäste einzugehen und die Community zu pflegen. Und für Menschen wie Fabian da zu sein. Der neben Job und Alltag auf der Suche nach Gleichgesinnten ist, mit denen man über die neuesten Entwicklungen der Fantasy-Welten genüsslich abnerden kann.