Beachfeeling für den Stuttgarter Westen: Das Mauritius zieht im Restaurant vom Hotel Sautter ein. Foto: Kathrin Haasis
Die Stuttgarter Kette setzt ihren Expansionskurs fort: Im Westen der Stadt eröffnet Mauritius Ende März ein neues Restaurant. Das Lokal und der große Biergarten standen jahrelang leer.
Im Moment dient der Biergarten noch den Handwerkern als Arbeitsplatz. Aber bald soll er zu „einer Oase mitten im urbanen Umfeld“ werden. Die Restaurantkette Mauritius breitet sich in den Stuttgarter Westen aus und eröffnet am 30. März an der Johannesstraße ihren mittlerweile 24. Standort. Damit endet für das Hotel Sautter eine gastronomische Durststrecke: Ende 2018 musste Birgit Grupp das traditionsreiche schwäbische Lokal „schweren Herzens“ schließen, weil ihr das Personal für die Küche fehlte. Ihr Vater Werner Brunner hatte das Hotel 30 Jahre lang gepachtet. Die Nachfolger nahmen die Gastronomie nach der Corona-Pandemie jedoch nicht mehr in Betrieb – zum Bedauern von Alexander Sautter. „Ich bin heilfroh“, sagt er über den Neustart in seiner Immobilie, „der Westen kann noch einen Biergarten vertragen.“
In Stuttgart hat der Expansionskurs von Mauritius in jüngster Zeit kräftig an Fahrt aufgenommen. In der Marienstraße eröffneten die Brüder Bari, Mate und Tomas Eres zwar bereits im Jahr 1994 ihr erstes „Beach Restaurant“, wie sie ihre Lokale nennen. „Wir möchten unseren Gästen an 365 Tagen im Jahr das Gefühl von Sommer, Sonne und Strand bieten“, erklären sie ihr Erfolgsrezept auf der Webseite der Marke. Damit ist ihnen eine Ausnahmeerscheinung gelungen – ein Franchise aus Stuttgart. In jüngster Zeit hat sich vor allem Berlin mit innovativen Konzepten für Kettenrestaurants hervorgetan, aus München stammt der Spitzenreiter L’Osteria, der gerade im Turbotempo neue Lokale eröffnet. Stuttgart verfügt mit Pop’s Burger immerhin noch über ein weiteres Eigengewächs: Die Kette entstammt aus dem Udo Snack im Osten der Stadt und verfügt aktuell über elf Filialen. Mit zwölf Restaurants bundesweit und zwei in Österreich hat das in Ludwigsburg ansässige Abacco’s Steakhouse ebenfalls weit über die Region hinaus seine Wettbewerbsfähigkeit bewiesen.
In vier Jahren fünf neue Lokale in Stuttgart
„Wir sind organisch gewachsen“, sagt Daniel Mewes, der bei Mauritius fürs Marketing zuständig ist. Die erste Stuttgarter Filiale entstand in Feuerbach, im Februar 2022 folgte Zuffenhausen. Im Heslacher Schützenhaus, wo die Eres-Brüder im Jahr 2005 die Buddha Lounge Red Mandarin eröffnet hatten, setzten sie vor vier Jahren auch auf ihr Mauritius-Konzept. Zwar mussten sie in der Zeit ihren Gründungsort in der Marienstraße räumen, dafür kam 2023 ein Strandlokal am Börsenplatz dazu und im Jahr darauf das City-Bowling. Mit der Übernahme vom gescheiterten Rothaus-Brauhaus im Einkaufszentrum Gerber Ende 2024 verfügt die Kette wieder über ein neues Flagship-Lokal. Und das Mauritius am Südheimer Platz wurde erst kürzlich zum Game Room umgestaltet.
Neben mehr als einem halben Dutzend Lokalen in der Region Stuttgart reicht das Mauritius-Netzwerk über Pforzheim, Karlsruhe und Heilbronn bis nach Ulm, Villingen-Schwenningen und sogar Münster, wo wie in Pforzheim gebowlt werden kann. Nur ein Mauritius musste bislang aufgegeben werden: Die Augsburger Filiale kam laut Daniel Mewes nicht durch die Corona-Phase. „Es hat sich einfach ergeben“, sagt der Marketing-Beauftragte über diese Erfolgsgeschichte. Einige Mitarbeiter hätten unter dem Dach der Marke eigene Betriebe eröffnet, die Stuttgarter Standorte gehörten dagegen größtenteils den Eres-Brüdern. Laut Daniel Mewes ist die Marke mit den Jahren „einen Tick erwachsener geworden“ – vom bunten Ambiente wurde auf warme Pastelltöne gewechselt. Ein Urlaubsfeeling soll bei den Gästen nach wie vor entstehen, zur Entspannung trägt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis bei. Den Mittagstisch gibt es für neun Euro, Lieblingsgerichte wie Pizza, Pasta, verschiedene Salate, Burger und gegrilltes Hühnchen kosten allesamt unter 20 Euro, nur das Steak vom heißen Stein schlägt je nach Gewicht mit bis zu 34,90 Euro zu Buche.
Die Eres-Brüder bei der Eröffnung ihres Restaurants in Zuffenhausen mit dem Bezirksvorsteher Saliou Gueye. Foto: Bernd Zeyer
Neben der „kreativen Küche“, dem „stylischen Ambiente“, das sich für die Gäste wie das eigene Wohnzimmer anfühlen soll, führt Daniel Mewes „das supersympathische Team“ als Erfolgsfaktor an. Im jüngsten Lokal übernimmt Vincenzo Cimino die Geschäftsführung: „Der Stuttgarter Westen ist lebendig, vielfältig und voller Charakter – genau hier passt das Mauritius perfekt hin“, wird er in einer Mitteilung zur Neueröffnung zitiert. Er will „einen Treffpunkt für gute Gespräche, gutes Essen und gute Zeiten“, wo die Nachbarschaft, Hotelgäste und „Szene-Publikum gleichermaßen“ zusammenkommen, schaffen.
Alexander Sautter blickt nun optimistisch in die Zukunft. Nach dem Ausstieg der Brunners hatte er das Hotel an die Centro-Kette verpachtet. Von den Ideen für das Restaurant und den Biergarten setzte das Unternehmen jedoch keine um, zumal die Corona-Pandemie es in wirtschaftliche Schwierigkeiten brachte. Auch die HRG Group, die anschließend folgte, zeigte kein Interesse an der Gastronomie. Erst mit Sayit Erkurt sei Bewegung in das Thema gekommen: Der Stuttgarter Hotelier übernahm das Sautter im vergangenen September und holte sich die Eres-Brüder als Pächter für die Gastronomie ins Haus. „Ich bin sehr glücklich, dass ein frischer Wind weht“, sagt Alexander Sautter über die Entwicklung.
An das Lokal mitten im Westen hat ihre Vorgängerin Birgit Grupp auch nur gute Erinnerungen – immerhin hielt ihre Familie es mehr als 30 Jahre lang. „Es ist sehr gut gelaufen, wir hatten total viele Stammgäste“, sagt sie. Im Westen gebe es nicht viele Biergärten und einen solchen, mitten drin in der Stadt, in der Schlucht zwischen zwei Häusern schon gar nicht.