Für viele Stammgäste ist es ein Schock: Das Gasthaus zum Adler in Grötzingen macht zu. Die Wirtin nennt gesundheitliche Gründe, lässt aber eine Tür offen.

Es ist eine Nachricht, die plötzlich und ohne Vorwarnung kam und daher viele Gastrofans in Aichtal, auf der Filderebene und drumherum überrascht hat: Das Gasthaus zum Adler im Stadtteil Grötzingen schließt, und dies nach schier unglaublichen 225 Jahren. Seit 1800 ist das Lokal in dem imposanten Eckhaus mit den prägnanten roten Fensterläden in Familienhand, nun bekommt diese Geschichte eine Zäsur. Am Abend des 27. Juli schließt der Adler.

 

Die Wirtin Katrin Eßlinger, die den Traditionsbetrieb 2018 von ihrer Mutter übernommen hatte, spricht von gesundheitlichen Gründen. Ihr Kleid gibt den Blick auf eine Knieschiene frei – bei der 49-Jährigen steht eine Operation an. Deswegen werde sie lange ausfallen, und „mein Problem ist, dass ich es nicht eingrenzen kann“. Deswegen habe sie sich entschieden, das Lokal auf unbestimmte Zeit zu schließen. Der Entschluss sei kurzfristig gefallen. Hinzu kommt: Die vergangenen Jahre seien kräftezehrend gewesen. Corona habe vieles auf den Kopf gestellt. „Das Gästeverhalten hat sich ganz arg verändert“, sagt sie, große Gesellschaften blieben immer häufiger aus. Gleichzeitig sei Personal verloren gegangen. „Es war eine Wahnsinnsbelastung über die Jahre“, resümiert Katrin Eßlinger. Durch die Operation nehme sie sich jetzt auch die Zeit runterzufahren. Katrin Eßlinger verabschiedet sich auf Facebook mit einem emotionalen Video von ihren Stammgästen.

Darin reihen sich etliche historische Fotos und Dokumente aneinander. „Es gibt Orte, die sind mehr als nur vier Wände und ein Tisch. Sie sind Herzstücke eines Ortes voller Geschichten, Lachen und Erinnerungen“, heißt es dort. Etliche Menschen bringen in den Kommentarspalten ihr Bedauern zum Ausdruck, darunter auch der Bürgermeister Sebastian Kurz. „Der Adler war mehr als ein Gasthaus. Er war Treffpunkt, Zuhause auf Zeit, ein Ort, an dem man sich willkommen fühlte. Dass all das nun zu Ende geht, ist für viele schwer – und für Sie sicher am schwersten“, schreibt er.

Abschiedsfest am 25. Juli

Katrin Eßlinger ist anzumerken, dass das stimmt. Schon als Kind sei sie in der Gaststätte ein- und ausgegangen. „Es gibt Stammkunden, die mir erzählen, mein Urgroßvater sei abends immer mit dem Glöckle durchgegangen und habe gesagt: Polizeistunde, Buaba, trinket aus!“

Am 25. Juli soll im Adler bei einem Sommerfest Abschied gefeiert werden. Anmelden kann man sich über die Homepage. Ab dem 28. Juli bleiben die Türen zu und die Küche kalt. Die Auszeit sei „nach hinten offen“, sagt Katrin Eßlinger. Ihre Gäste werde sie über die Homepage, über Facebook und Instagram auf dem Laufenden halten. Eines aber bekräftigt sie: Sie will in den Adler zurückkehren. „Das ist das Ziel.“