Gastronomie in Esslingen Gäste haben weniger Zeit fürs Mittagessen

Andreas M. Langheck (links) vom Restaurant und Brauhaus zum Schwanen und sein Braumeister Alexander Lebeus. Foto: Roberto Bulgrin

In manchen Esslinger Lokalen gehört der klassische Mittagstisch zum Geschäftsmodell – andere verzichten darauf. Gut und gleichzeitig günstig kochen ist nicht die einzige Herausforderung für die Gastronomen.

Region: Corinna Meinke (com)

Mittags schnell etwas essen gehen, ist für viele Menschen ein Höhepunkt des Tages. Oft ersetzt aber auch der Weg zum Imbiss oder zum Bäcker ein richtiges Essen. Für die Gastronomen bedeutet der Mittagstisch eine große Herausforderung. Nicht alle Restaurants tischen deshalb mittags auf. Die Gründe dafür sind vielfältig. Wir haben uns in Esslingen dazu umgehört.

 

Eine feste Institution ist der Mittagstisch bei Petra Hasselwander im gleichnamigen Panoramarestaurant. „Bei der Leber haben sie mich überrannt“, berichtet die Chefin vom Zulauf ihrer treuen Stammgäste, die wegen der Hausmannskost wie Gaisburger Marsch und anderer schwäbischer Gerichte nach Kimmichsweiler kommen.

Konzentration auf den Mittag

Laufkundschaft verirrt sich weniger in den Oberhofweg, sondern eher altbekannte Gäste aus den Schurwaldgemeinden und aus Esslingen, die ganz gezielt in der Zeitung die Angebote der hiesigen Lokale vergleichen, berichtet die Gastronomin. Und weil sie mittags viel besser besucht sei als abends, habe sie das Abendgeschäft inzwischen ganz aufgegeben. Das sei eine gute Entscheidung gewesen, zumal sie nun 30 bis 40 Wochenstunden weniger arbeite.

„Beim Mittagsgeschäft erwarten die Gäste immer etwas Günstiges, aber das funktioniert ökonomisch nicht“, erklärt Heiko Wineberger vom Posthörnle seinen Verzicht auf den Mittagstisch. Er habe das lange gemacht, übergangsweise auch nur an den Wochenenden. Die Schmerzgrenze, die bei vielen Gästen mittags bei zehn Euro liege, könne er mit hochwertigen Produkten aus regionalem und biologischem Anbau nicht einhalten. Kompliziert werde es bei schwankender Nachfrage, denn die Überhänge vom Mittag könne er abends nicht mehr verkaufen. Das passe nicht zu seiner anspruchsvollen Abendkarte. Und die Personallage sei auch weiterhin schwierig.

Das sieht auch Ifigenia Circacopoulos so. „Wir finden nicht genug kompetente Leute, die Verantwortung übernehmen können, denn mittags muss es schnell gehen, aber die Qualität muss hochwertig sein“, sagt die Gastronomin, die zusammen mit ihrem Bruder die beiden Lokale Galleria Zeus in der Bahnhofstraße und den Paulaner Biergarten in der Römerstraße führt. Während das Lokal auf der Esslinger Höhe mittags einen guten Zulauf vor allem von Gästen im Rentenalter erlebt, habe das Mittagsgeschäft im Zentrum nicht funktioniert. Dabei könne sie auf den Umsatz mittags eigentlich nicht verzichten, erklärt die Gastronomin.

„Ich brauche keinen Koch, der Molekularküche kann“, ergänzt Circacopoulus. Sie suche einfach eine griechische Frau, die griechische Hausmannskost wie gefülltes Gemüse und Pasticcio morgens zubereitet. Das müsse man dann mittags nur noch warm machen und gehe entsprechend schnell raus an die Gäste, die meist nur 30 bis 45 Minuten lang Mittagspause haben.

Früher gab es Gutscheine vom Arbeitgeber

„Die Zeiten, in denen die Menschen mittags schon zwei Bier getrunken haben, sind sehr lange her“, schon deshalb passe der Mittagstisch nicht zwingend zu seinem gastronomischen Konzept, erläutert Andreas M. Langheck vom Restaurant und Brauhaus zum Schwanen. Es habe sich in den zurückliegenden Jahren vieles geändert.

Heute nehme man sich nicht mehr so viel Zeit fürs Mittagessen, häufig würde nur gesnackt und keine komplette Mahlzeit mehr verzehrt. Es herrsche heute eben eine andere Kultur des Mittagessens. Andreas M. Langheck erlebt auch, dass deutlich weniger Geschäftskunden unterwegs essen, was er auch auf die kürzeren Arbeitszeiten zurückführt. Und es sei schon lange nicht mehr üblich, dass man mit einem Gutschein zum Essen komme. Früher habe es regelrechte Gutscheinsysteme gegeben, mit denen Arbeitgeber das Mittagessen ihrer Mitarbeitenden bezuschussten.

Ein paar Straßen weiter verzichtet auch das Theatercafé von Blerim Buqaj auf den Mittagstisch. Die Preissteigerungen und Personalprobleme haben ihn gezwungen, sich seit Mitte Dezember auf das Abendgeschäft zu konzentrieren, erklärt er.

Axel Schenke vom Embargo bereitet seinen Betrieb dagegen gerade auf das Mittagsgeschäft vor, das in wenigen Wochen starten soll. „Wir werden immer danach gefragt“, erklärt der Gastronom. Die Personalfrage sei zwar noch nicht ganz gelöst, aber er wolle auf jeden Fall mittags öffnen und dann zusätzliche Kräfte suchen.

Der Optimismus wächst wieder

Wirtschaft
 Laut dem Gastronomieverband Dehoga verbessert sich die wirtschaftliche Lage der Unternehmen. Der Umsatz lag im Gastgewerbe bundesweit im Februar zwar noch 3,1 Prozent und im Januar 6,6 Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Doch auf die kommenden drei Monate blicken die Gastronomen zusehends positiver. „Der Anteil der Pessimisten nimmt ab“, sagt Dehoga-Präsident Guido Zöllick. Nach dem Aufwärtstrend in der Ferienhotellerie 2022 ziehe jetzt auch der Geschäftsreise- und Städtetourismus an.

Information
 Jede Woche veröffentlich die Eßlinger Zeitung im Anzeigenteil unter der Überschrift „Mittagstisch, Abhol-und Lieferservice“ eine Übersicht, welche Tagesgerichte die Lokale von Dulkhäusle bis Weinkeller Einhorn auf der Karte stehen haben.

Adresse im Netz
: https://www.esslinger-zeitung.de/staticcontent/esslinger_zeitung/dokumente/mittagstisch.pdf

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