Gastronomie in Esslingen Restaurants ziehen die Notbremse
Beide Kielmeyer-Lokale und das Gambrinus sind vorübergehend geschlossen. Die Restaurant-Betreiber reagieren unterschiedlich auf die Corona-Krise. Wer selbst am Herd steht, hält besser durch.
Beide Kielmeyer-Lokale und das Gambrinus sind vorübergehend geschlossen. Die Restaurant-Betreiber reagieren unterschiedlich auf die Corona-Krise. Wer selbst am Herd steht, hält besser durch.
Esslingen - Es ist bereits der zweite Coronawinter, der die Gastronomiebetriebe in Esslingen herausfordert. Je nach Betriebsart und der Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden die Unternehmer unterschiedlich stark gebeutelt.
„Wir warten auf schönes Wetter“, bringt es Jochen Rörich von der Traditionsgaststätte Jägerhaus auf den Punkt. Die weitläufige Terrasse mit dem Panoramablick auf Esslingen und die Schwäbische Alb ist bereits neu gepflastert, wenn jetzt noch die neuen Tische und Stühle aufgestellt werden, kann es eigentlich losgehen, meint der Gastronom. Aber wegen der Pandemie sei nichts mehr normal, das Geschäft habe sich zu einem Saisonbetrieb gewandelt mit guter Auslastung im Sommer und weniger Betrieb in den kalten Monaten. Und das Hotelgeschäft sei nahezu zum Erliegen gekommen.
Zur Mittagszeit ist der Gastraum gut besetzt, an fast jedem Tisch sitzen Paare und kleine Gruppen im Rentenalter. „Ein Besuch bei uns ist barrierefrei möglich. Die Gäste steigen in der Stadt in den Bus und landen bei uns vor der Tür“, erklärt Rörich. Inzwischen sei das Mittagsgeschäft wichtiger als das am Abend, denn es werde deutlich weniger gefeiert.
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Unter diesen Umständen könne sein Betrieb keine schwarzen Zahlen schreiben. Betriebsferien in den schwachen Wintermonaten und Kurzarbeit kommen für Rörich nicht in Frage. Von den 60 Prozent Kurzarbeitergeld könnten die Menschen nicht leben, erklärt er, zumal ihnen das wichtige Trinkgeld fehle. Bei Kurzarbeit laufe er Gefahr, Personal zu verlieren, das sei keine Option, denn er brauche seine guten Kräfte in dem 35 Köpfe zählenden Team für den Sieben-Tage-Betrieb.
Thomas Kielmeyer berichtet, dass sich seine Familie anders entschieden hat. Beide Lokale, der Besen und das Kielmeyers 1582, direkt am Esslinger Marktplatz angesiedelt, sind momentan geschlossen. „Am Ende des Monats müssen wir die Löhne bezahlen“, das könne sich der Betrieb momentan für die 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht leisten. Der Besen sei aufgrund des kleinen Gastraums unter Coronabedingungen nicht wirtschaftlich zu betreiben, und das Registrieren der Coronazertifikate der Gäste bringe viel Arbeit mit sich. „Wir haben nicht gewusst, wie viel wir einkaufen und wie wir die Mitarbeiter beschäftigen sollen“, fasst Kielmeyer, der selbst als Architekt arbeitet, die Lage zusammen. Also habe man vor Weihnachten noch die letzten Geburtstage und Hochzeiten absolviert, die Kühlhäuser geleert, die Belegschaft in Kurzarbeit geschickt und dann die beiden Betriebe geschlossen. So soll es vermutlich bis Ende Februar bleiben, je nachdem, wie sich das Wetter mit Blick auf das Freiluftgeschäft entwickelt.
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Gute Erfahrungen auch über Weihnachten hat dagegen Bruno Eiwen gemacht, der seit November die traditionsreiche Weinstube Eißele führt. Zuvor war er viele Jahre Geschäftsführer im Jägerhaus, hat im Hirsch und Greif mit angepackt und als Eventmanager bei Daniele Corona im sterngekrönten Restaurant Schloss Filseck in Uhingen im Kreis Göppingen gearbeitet. In der Weinstube Eißele fehle momentan zwar die Masse an Leuten, doch die gute Stammkundschaft sei ihm treu geblieben. Vor allem bei älteren Gästen komme die typisch schwäbische Speisekarte, auf der auch Innereien und Ochsenschwanzragout auftauchen, gut an, berichtet Eiwen, der gelernter Koch und Metzger ist und im Eißele selbst am Herd steht. „Wir können uns über Wasser halten, denn wir sind ein kleines Team“, sagt der Chef der dreiköpfigen Belegschaft, die von mehreren Aushilfen verstärkt wird. Neben Maultaschen, Fleischküchle und Rostbraten steht jetzt im Februar Schäufele auf der Karte, badisch aus gepökeltem und gerauchtem Fleisch sowie fränkisch, das ähnlich wie Krustenbraten zubereitet wird.
Auch beim Gambrinus, einem weiteren Esslinger Traditionsrestaurant, sind die Türen zugesperrt. Maja Rügner berichtet, dass sie und ihr Mann das Gambrinus in der Strohstraße aus Mangel an Personal vorübergehend geschlossen haben. Das habe die Pandemie samt ausgefallenem Weihnachtsmarkt mit sich gebracht. Weiter laufe dafür das Geschäft in ihrem Restaurant Dulkhäusle in der Römerstraße ganz in der Nähe des Esslinger Segelflugvereins. Veränderungen hat es auch im Carpe Diem in der Küferstraße gegeben. Ulrike und Riccardo Capogna konzentrieren sich seit Anfang Januar mit Ausnahme von Gesellschaften aufs Mittagsgeschäft. Bereits im Dezember sei abends weniger los gewesen, deshalb haben sie jetzt nur noch über Mittag geöffnet. Das Durcheinander häufig geänderter Coronaregeln habe das Geschäft mühsamer gemacht. Finanziell sei ihre Lage zwar nicht der Hit, doch „wir kommen durch, bei uns ist es egal, ob wir fünf oder zehn Stunden lang arbeiten, wir kosten nichts“, erklärt der Chef, der die Gelegenheit ergriffen hat, es mit Anfang 60 nun etwas langsamer angehen zu lassen.
Wer darf ins Restaurant?
Zugang
Für zweifach Geimpfte ist in Alarmstufe I der Zugang zeitlich nicht mehr auf drei Monate nach der letzten Impfung begrenzt. Die neue Corona-Verordnung Baden-Württemberg besagt, dass dies auch für Genesene, die eine zusätzliche Impfung nachweisen können, gilt. Für Genesene ohne zusätzliche Impfung ist der Zugang nur drei Monate nach Erkrankung gestattet. Für den Zugang zu gastronomischen Betrieben, dazu zählen Restaurants, Gaststätten, Bars, Imbisse und Kneipen gilt in der Alarmstufe I die 2G-Regel.
Pflichten
Im Betrieb gelten das Abstandsgebot von 1,5 Metern, die Maskenpflicht ab sechs Jahren (außer bei Verzehr) und in Innenräumen FFP2-Masken oder vergleichbare Masken für Personen ab 18 Jahren. Es besteht die Pflicht zur Kontaktdatenerfassung.
Mitnahme
Der Außer-Haus-Verkauf und die Abholung von Speisen sind ohne Einschränkungen möglich.