Stadtwerke-Geschäftsführer Gerhard Ammon erläutert, weshalb die Räume des griechischen Restaurants künftig für Büros genutzt werden sollen. Es gebe keine Alternative – aber ein Entgegenkommen für die Pächter des Lokals.

Rems-Murr: Eva Schäfer (esc)

Dass das griechische Restaurant Irodion am Fellbacher Bahnhof nach mehr als 25 Jahren Büros weichen soll, das bewegt viele Gäste. In zahlreichen Zuschriften an unsere Zeitung drücken sie ihr Unverständnis aus, weshalb ein lebendiger, gut gehender Gastrobetrieb Platz machen soll.

 

Die Fellbacher Stadtwerke als Eigentümer und Vermieter haben Eigenbedarf angemeldet und wollen die Gastroräume für Büros nutzen. Unser Leser Thomas Fein moniert ausführlich: „Jetzt hat man mal in Fellbach eine gut gehende, serviceorientierte Gastronomie, die als Familienbetrieb über Jahrzehnte ein gern besuchter Treffpunkt von vielen Bürgern der Stadt ist.

Verkehrsgünstig gelegen, angenehme Atmosphäre, gutes Essen und stets freundliche Betreuung. Darüber hinaus wurde viel von den Pächtern investiert, damit die Gäste sich wohlfühlen. Und das soll wegen ein paar Büros weichen? Und das in Zeiten von Homeoffice? Das ist nicht bürgerfreundlich und nicht in Ordnung gegenüber den Pächtern. Hier sollten die Stadt und die Stadtwerke noch mal genau überlegen, was sie tun“, so die Meinung von Thomas Fein.

Vom Start-up zum großen Unternehmen

Man könne sich nicht auf der einen Seite beklagen, dass man zu wenig Gastronomie und Treffpunkte habe, und andererseits eine Gaststätte und deren Gäste mit einer „nicht nachvollziehbaren Kündigung“ vor den Kopf stoßen. „Büroräume kann man in Fellbach wirtschaftlich akzeptabel bestimmt woanders bekommen, einen über Jahrzehnte traditionell gewachsenen Gaststättenbetrieb kann man und sollte man nicht versetzen“, meint Fein.

Fellbachs Stadtwerke-Geschäftsführer Gerhard Ammon hat auf Nachfrage unserer Zeitung die Gründe dargelegt, weshalb der Mietvertrag mit den Pächtern nicht verlängert wurde. Die Stadtwerke haben wie Ammon berichtet, 2018 die neu geschaffene Wohnungs- und Dienstleistungsgesellschaft (WDF) in ihren Räumen aufgenommen. Die WDF habe sich von einem Start-up inzwischen aber zu einem gestandenen Unternehmen weiterentwickelt. Man sehe das an der Zahl der Neubauten, die die WDF in den wenigen Jahren ihrer Existenz gebaut habe oder an der Zahl der Flüchtlinge, deren Unterbringung sie inzwischen manage.

Dazu kämen die umfangreichen Herausforderungen, die in der Sanierung des übergebenen Wohnungsbestands liegen. Mit diesen gewachsenen Aufgaben habe sich die Zahl der Mitarbeitenden deutlich erhöht. Auch bei den Stadtwerken seien die Aufgaben gewachsen. Die Anforderungen der Dekarbonisierung der Gas- und Wärmeversorgung, der Ausbau der erneuerbaren Energien und die zunehmende Elektrifizierung in der Mobilität und der Wärmeversorgung hätten zu einem erheblichen Personalzuwachs geführt. „Die vorhandenen Räumlichkeiten bei den Stadtwerken reichen für SWF und WDF schon lange nicht mehr aus“, sagt Ammon. „Deswegen haben wir uns nach reiflicher Überlegung entschlossen, im Erdgeschoss der Ringstraße 3 Büros für die WDF zu bauen“, teilt er mit.

In zwölf Büros würden dort, je nach Belegung, 26 bis 34 Arbeitsplätze entstehen. Auf die Frage, ob es nicht andere Möglichkeiten gebe und warum nicht die leer stehenden Räume des früheren Gleisdreiecks genutzt werden könnten, sagt Ammon: „SWF und WDF arbeiten sehr eng zusammen und nutzen vielfältige Synergien. Um diese weiter nutzen zu können ist es wichtig, dass beide Firmen sehr eng beieinander bleiben. Im Gebäude der Stadtwerke in der Ringstraße 5 gibt es für zusätzliche Büroräume keine Erweiterungsmöglichkeiten. Die Räume des Gleisdreiecks sind zu klein, dort könnten maximal ein bis zwei Büros gebaut werden.“ Erstmalig wäre wie der Stadtwerke-Geschäftsführer erläutert, der Mietvertrag Ende 2018 ausgelaufen. „Daraufhin haben die Pächter ihre einmalige Option zur Verlängerung um fünf Jahre angezeigt“, so Ammon. „Den Pächtern haben wir Anfang April 2022 in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt, dass wir eine weitere Vertragsverlängerung leider nicht anbieten können. Damals haben wir schon signalisiert, dass wir bei der Suche nach einem neuen Standort tatkräftig unterstützen werden, um die Härten des Umzugs zu mildern.“

Die Raumhöhen reichen nicht aus

Auf die Frage, warum Büros ausgerechnet im Erdgeschoss mit Schaufenstern und nicht in anderen Stockwerken des Hauses eingerichtet werden könnten, etwa auch in Räumen die derzeit von Geflüchteten genutzt werden, nennt Ammon folgende Gründe: „Die Apartments können nicht zu Büroräumen umgebaut werden. Die Raumhöhen sind nicht ausreichend, um die Technik, die in der Decke moderner Büros untergebracht ist, unterzubringen. Außerdem hat die WDF sehr viel Kundschaft, die auf einen persönlichen Besuch bei der WDF angewiesen ist. Diesen Menschen müssen wir einen barrierefreien, leicht zu erreichenden Zugang anbieten.“ Der Mietvertrag ende zum Jahresende. „Wir werden dem Irodion-Team aber auf jeden Fall ermöglichen, das Restaurant über die Feiertage des Jahreswechsels noch weiterzubetreiben“, sagt Ammon.