Der Küchenchef Mohammed Ez-Zaky bei den Vorbereitungen in der Orangerie. Foto: Caroline Holowiecki
Seit dem vergangenen Jahr gibt es im Edeka-Center in Bonlanden das französische Restaurant Orangerie. Hinter dem gehobenen Gastronomie-Angebot steckt ein ausgefuchstes Konzept.
Caroline Holowiecki
12.04.2026 - 10:00 Uhr
Es gibt Austern und Hummer, Ente à L’Orange, Quiche Lorraine, eine klassische französische Bouillabaisse oder einen Lachs Béarnaise, hinterher kann man sich noch eine Mousse au chocolat oder eine Portion Crêpe Suzette gönnen. Das klingt nach dem sprichwörtlichen Essen wie Gott in Frankreich, tatsächlich geht es aber ums Essen der Supermarktkundschaft in Bonlanden. Denn ja, in Gebauer’s Edeka-Center in Filderstadt gibt es seit dem vergangenen Jahr ein gehobenes französisches Restaurant.
Rechts geht es zum Lotto-Stand und zur Bäckerei, geradeaus sind die Supermarktkassen – und links betritt man den Gourmet-Tempel Orangerie. In der Mitte des Raumes steht im gedämpften Licht ein lebensgroßer Orangenbaum, an den Wänden hängen Fotos mit Frankreich-Motiven und Gemälde, im gläsernen Kühlschrank über der Bar lagert Dry Aged Beef.
Das Konzept stammt von Gourmet und Kunstliebhaber Jens Gebauer
Das Konzept der Orangerie hat sich Jens Gebauer persönlich ausgedacht. Der Chef von sieben Edeka-Märkten im Großraum Stuttgart – 850 Mitarbeitende, 155 Millionen Euro Umsatz im Jahr – ist nicht nur Kaufmann, Betriebswirt und hat in den USA noch einen Doktor in der Fachrichtung Künstliche Intelligenz draufgesetzt, er ist auch ein Gourmet und Kunstliebhaber, wie er sagt.
In seiner Orangerie vermischt er alles zu einem ausgefuchsten Konzept. „Gastronomie im Supermarkt ist der am schnellsten wachsende Bereich“, sagt er. In den USA oder in Asien seien die sogenannten Food Courts längst gang und gäbe. Die Idee dahinter: Satte Menschen nehmen sich mehr Zeit fürs Einkaufen. „Wenn Sie hungrig durchspurten, kaufen Sie weniger ein“, sagt Jens Gebauer.
Das zielgruppenorientierte Konzept zündet: Darüber freuen sich Edeka-Marktleiterin Derya Elci und Restaurant-Serviceleiter Philipp Krohwinkel. Foto: Caroline Holowiecki
Er macht keinen Hehl daraus, dass die Orangerie die Geschäfte im Supermarkt ankurbeln soll. Was im Restaurant serviert werde, stamme zu 100 Prozent aus dem Geschäft. Will heißen: Wenn den Gästen das Fleisch, der Fisch oder der Ziegenkäse munden, können sie nach dem Essen direkt alles nachkaufen. Noch unmittelbarer funktioniert das Ganze beim Wein. Die Kundschaft darf ihren Lieblingstropfen im Laden mit der laut Jens Gebauer größten Auswahl im Raum Stuttgart holen, auf direktem Weg damit ins Restaurant spazieren und dort die Flasche für fünf Euro Korkgeld mehr zum Ladenpreis trinken. „Das kriegen Sie nirgends“, betont Derya Elci, die Marktleiterin.
Zur Mittagszeit ist mitunter jeder Tisch belegt
Vor allem zur Mittagszeit sei mitunter jeder Tisch belegt. Luft nach oben gebe es noch bei der Auslastung in den Abendstunden. Das soll sich jedoch ab Mai ändern, denn da erweitert das Edeka-Center seine Öffnungszeiten um eine Stunde auf 22 Uhr, und somit verlängern sich auch die Öffnungszeiten des Lokals. Doch schon jetzt trifft das Supermarkt-Fine-Dining in Bonlanden einen Nerv. Der Einkaufsladen ist durchaus gehoben und höherpreisig, von den mehr als 60.000 Artikeln liegen laut Jens Gebauer etwa 30 Prozent im Bereich Feinkost und Spezialitäten. „Um diese Kunden abzuholen, habe ich mir gedacht, dass wir das Restaurant brauchen“, erklärt er, hierzulande gebe es sowieso kaum französische Restaurants, „das ist eine absolute Lücke“.
Das zielgruppenorientierte Konzept zündet offenbar. An der Fischtheke etwa werde mehr verkauft, „wo es sehr gut funktioniert, ist beim Wein“. Jens Gebauer spricht alles in allem von einem „sehr guten Erfolg“. Die Investition ins neue Restaurant habe sich gelohnt. „Dieses Jahr werden wir null auf null rauskommen, nächstes Jahr werden wir Gewinn machen.“ Und das nächste Gastroprojekt stehe auch schon fest. Jens Gebauers Markt in Eislingen soll ein American Steakhouse bekommen.