Gastronomie in Sindelfingen Aus dem Hirsch wird die Casa Vecchia

Im Hirsch soll die Küche Ende des Jahres wieder öffnen. Foto: /Stefanie Schlecht

Die Sindelfinger Traditionsgaststätte Hirsch steht seit sechs Jahren leer. Doch jetzt ist klar: Ende 2024 soll gehobene italienische Küche einziehen.

Von außen sieht das Gasthaus zum Hirsch schmuck und aufgeräumt aus, doch im Inneren herrscht Großbaustelle. Die Gasträume werden komplett neu gestaltet, ein Barbereich kommt extra hinzu. Die Küche zieht vom Erdgeschoss in den ersten Stock um. Aufzüge sollen den unfallfreien Transport garantieren. Zudem entstehen Mitarbeiterräume, die Wohnungen unter dem Dach werden renoviert. „Nachdem lange nichts passiert ist, bewegen wir nun in kurzer Zeit sehr viel“, sagt Georgios Tsomidis von den Sindelfinger Wohnstätten, die 2,8 Millionen Euro in das Haus stecken. „Wir sind froh, die passenden Pächter endlich gefunden zu haben.“

 

Symbolische Vertragsunterzeichnung am Hirsch (von links): OB Bernd Vöhringer, Gaetano Giglio, Georgios Tsomidis und Sascha Reuss. Foto: Krülle

Gaetano Giglio (55) und Sascha Reuss (33) übernehmen die Traditionsgaststätte, Ende des Jahres wollen sie eröffnen. Casa Vecchia (zu deutsch: Altes Haus) soll das Lokal dann heißen und gehobene italienische Küche bieten. Damit führt Giglio das Konzept seines Restaurants Milano im Sindelfinger Osten fort, das er dort seit acht Jahren betreibt, im September aber auszieht, um sich der neuen Herausforderung zu widmen.

Ärgerliche Hängepartie

Giglio und Reuss beenden damit eine Hängepartie, die die Sindelfinger Stadtgesellschaft zunehmend verärgert hat. Bis 2018 hatten Monika und Claus-Peter Giffhorn den Hirsch über 30 Jahre lang erfolgreich geführt, dann war altersbedingt Schluss. Die Stadt Sindelfingen, seit 1964 Eigentümerin der Immobilie in der Ziegelstraße, verpasste es, einen nahtlosen Übergang zu organisieren. Der Hirsch blieb lange geschlossen.

2020 übernahmen die Sindelfinger Wohnstätten das Gasthaus, obwohl die Gastronomie-Sparte sicher nicht zum Kerngeschäft der städtischen Wohnbautochter gehört. Ein Jahr darauf unterschrieb die Radeberger-Gruppe den Pachtvertrag und wollte einen örtlichen Betreiber suchen – ohne Erfolg. Doch nun sollen sich alle Probleme in Wohlgefallen auflösen.

„Über unsere Wirtschaftsförderung haben wir erfahren, dass Gaetano Giglio eine neue Lokalität sucht – für uns ideal“, betont Wohnstätten-Chef Georgios Tsomidis, „wir haben daraufhin einvernehmlich den Vertrag mit der Radeberger-Gruppe aufgelöst.“ Um an diesem Donnerstag den Pachtvertrag mit den beiden neuen Machern zu unterschreiben.

Von der IT zu Gastronomie

In Stuttgart war Gaetano Giglio sechs Jahre lang Restaurantleiter im San Pietro, dem Lokal des Fernsehkochs Sante di Santis. Dann übernahm er das Milano an den Häusern der Konfektion im Sindelfinger Osten. Nun will er etwas Neues anfangen.

Als Geschäftspartner hat er nun Sascha Reuss an der Seite. Der gebürtige Sindelfinger war nicht nur Stammgast im Milano, sondern als Chef einer IT-Firma auch viel unterwegs. „Dabei habe ich etliche Restaurants besucht und mir viel abgeschaut.“ Er habe schon lange ein Faible für die Gastronomie gehabt, und mit dem Einstieg im Casa Vecchia erfülle sich ein Traum. „Ich traue ihm das ohne Bedenken zu“, betont Giglio, „Sascha hat die Leidenschaft für die Gastronomie – das ist das Wichtigste.“

Spielplatz statt Parkplatz

Etwa 100 Plätze sollen im neuen Hirsch Platz finden. Dazu ist eine größere Außengastronomie geplant. Die Parkplätze zur Martinskirche hin sollen wegfallen, zudem dort ein kleiner Spielplatz entstehen. „Ich kenne den Hirsch schon aus Kindheitstagen“, sagt Sascha Reuss, „wir treten in große Fußstapfen – aber freuen uns sehr darauf.“

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