Gastronomie in Stuttgart Bühne frei fürs neue Restaurant Collina im Theaterhaus

Albino Basile, früher im Riva, serviert jetzt unter anderem Focaccia im Restaurant vom Theaterhaus. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Italienische Küche wird mittlerweile im Theaterhaus serviert. Auch das Cuisin’le im Theater La Lune hat einen neuen Betreiber – trotzdem werden noch alte Traditionen gepflegt.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Das Theaterhaus hat Albino Basile beeindruckt. Vom internationalen Publikum schwärmt er, von Künstlern, die aus vielen Ländern auf den Pragsattel kommen. „So etwas kann man nicht in einer kleinen Trattoria im Stuttgarter Westen erleben“, sagt der Gastronom. Seit 11. Oktober betreibt der frühere Servicechef vom Riva am Feuersee nun mit seinem neuen Kompagnon Matthias Mettmann das Restaurant im Stuttgarter Theaterhaus. Collina haben sie es genannt nach dem Hügel, auf dem die Kultureinrichtung sitzt. Neben dem Renitenztheater, wo im La Commedia italienische Klassiker serviert werden, verfügt in Stuttgart noch eine weitere Bühne über ein Restaurant: Und auch im Gablenberger Cuisin’le vom Theater La Lune ging für einen neuen Wirt der Vorhang auf.

 
Julianna Herzberg und ihr Nachfolger im Cuisin’le, Alexander Schubert Foto: LICHTGUT

Rot ist der geschwungene Namenszug, der die weißen Teller ziert, rot sind die Tische und rot ist ein Teil der Stühle. „Das Theaterhaus bereichert Stuttgart, es ist ein Unikat“, sagt Albino Basile, seine Farbe spiegelt sich im neu gestalteten Restaurant wider. Als die Gastronomie neu ausgeschrieben wurde, stand für die Geschäftspartner die Bewerbung außer Frage. Sie kennen sich aus der Stuttgarter Gastroszene, Matthias Mettmann ist unter anderem geschäftsführender Gesellschafter der Veranstaltungslocation Im Wizemann und hat von 2003 an im Theaterhaus seine Ausbildung absolviert, danach im Bereich Programmplanung und Disposition gearbeitet. „Eine begehbare Hommage an die italienische Küche unserer Zeit“ soll ihr Collina sein, heißt es auf der Homepage, und nicht „die Trattoria deiner Großmutter“.

Theater La Lune mit Mittagstisch finanziert

Während auf dem Pragsattel nach dem Abgang der PS Gastronomie ein neuer Akt beginnen soll, bleiben in Gablenberg die Traditionen bestehen. Julianna Herzberg kocht immer noch Suppen und Currys, wie sie es seit 2013 tut. Damals gründete die Schauspielerin ihr Theater La Lune am Ostendplatz und subventionierte es mit einem Mittagstisch. Stets ausgebucht waren ihre acht Tische. „Ich will ein Theater und kein Restaurant“, dachte sie sich und verpachtete das Lokal, das seit 2017 Cuisin’le heißt. Vor sieben Jahren erfolgte der Umzug ins Gablenberger Muse-o , zuletzt betrieb sie die Gastronomie im Zuschauerraum vor der Bühne wieder selbst. Diesen April fand sie mit Alexander Schubert den passenden Nachfolger: „Es macht viel Spaß“, sagt der 34-Jährige, „es ist aber auch eine große Herausforderung.“

Das Cuisin’le hat nur offen, wenn nicht geprobt wird

Nur von Donnerstag bis Sonntag kann in Stuttgarts kleinstem Theater gespeist werden, weil an den anderen Tagen in dem Raum getanzt oder geprobt wird. Er ist liebevoll mit kleinen Bistrotischen und Stühlen eingerichtet sowie einem großen alten Tisch und einer Bar. Alexander Schubert bietet vor den Vorstellungen Kässpätzle, Panini oder einen Salat an. Donnerstags und freitags gibt es einen Mittagstisch und am Wochenende ein Marktfrühstück. Seine Zutaten kauft er in Gablenberg ein, Regionalität und Qualität sind ihm wichtig. Er nennt es „einen glücklichen Zufall“, dass er in der Theater-Gastronomie landete. Als Barkeeper und Servicekraft im Pub Alte Schule arbeitete der Elektriker davor, und sprang im Cuisin’le ein, als Personalnot herrschte.

Das Lokal fand Alexander Schubert „einfach toll“, und Julianna Herzberg war von seinem Einsatz ebenfalls begeistert. In Teamarbeit versorgen sie ihre Gäste. Die Theaterchefin liefert zum Programm passende Suppen, zum französischem Swing und Pop am 13. Dezember etwa eine Erbsencrèmesuppe mit Croûtons. Maria Lange backt weiterhin wie seit fünf Jahren für das Café ihre beliebte Giotto-Torte, Käsekuchen oder Pflaumen-Streusel-Kuchen. „Ich bin ein großer Fan vom Theater“, sagt Alexander Schubert. Kultur und Gastronomie unter einem Dach hält er für eine ideale Kombination, weil die beiden Sparten unterschiedliche Gäste ins Haus bringen. Außerdem kann er bei der Arbeit auf die Bühne schauen, wo ihm „immer etwas Neues geboten wird“.

Im Restaurant des Theaterhauses haben die neuen Pächter eine neue, lange Tafel aufgestellt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Albino Basile startete im Theaterhaus mit einer kleineren Speisekarte. Mit Pasta wollen er und Matthias Mettmann punkten, drei verschiedene stehen zur Auswahl. Burrata, Vitello tonnato und Salat bieten sie an sowie Focaccia. Risotto, gegrillte Polenta und Maishähnchenbrust ist der aktuelle Mittagstisch für die Mitarbeiter und die Büros in der Umgebung. Auch für den erfahrenen Gastronomen ist die neue Aufgabe „eine Herausforderung“. Neben dem durchgehend geöffneten Restaurant, das sich zu den Stoßzeiten vor und nach den Aufführungen schnell füllt, muss es an den Bars im Foyer laufen. Die Getränke gibt es nun aus Flaschen, damit es in den Pausen schneller geht.

„Wir sammeln Erfahrung und passen das Angebot an“, sagt Albino Basile. Für die lange Tafel im Restaurant ist beispielsweise ein Sharing-Konzept in Arbeit, für die Pausen soll es möglich werden, Tischchen mit Snacks wie im Staatstheater zu reservieren. „Ein Theaterbesuch ist etwas Besonderes“; sagt Albino Basile. Und diese Stimmung spürt er auch im Collina, wo das Publikum „den Abend eröffnet oder weiter zelebriert“, wenn der Vorhang gefallen ist.

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