Für Evgeniya Katranis ist es „eine schwere Entscheidung“, aber es gibt keine Alternative: Sie wird die Waldschenke Sieben Linden im Stuttgarter Stadtteil Uhlbach nicht wieder öffnen. Ihr Mann Babis starb am 20. November an einem Herzinfarkt, er war der Koch und der Wirt und auch die Seele des Gasthauses. „Für ihn finde ich niemals einen Ersatz“, sagt seine Witwe. Nach 15 Jahren verabschiedet sie sich von dem Ausflugslokal – und möchte sich bei allen Gästen und Lieferanten bedanken. Die Resonanz auf den Tod ihres Mannes beschreibt sie als überwältigend, bei der Trauerfeier war die Kirche überfüllt. Viele Gäste sind gekommen, haben sich bei ihr für das gute Essen bedankt. „Ich kann es nicht machen“, sagt sie über den Betrieb des Lokals.
15 Jahre in der Waldschenke Sieben Linden
Voll ausgebucht in der Ganszeit war die Waldschenke, als Babis Katranis plötzlich aus dem Leben gerissen wurde. Allein zwei Tage verbrachte seine Frau damit, sämtliche Reservierungen telefonisch abzusagen. Sieben Linden hatten sie 15 Jahre lang gemeinsam betrieben, mit seinen Gerichten lockte Babis Katranis die Gäste bei gutem und bei schlechtem Wetter an, obwohl sie zu Fuß zu ihm kommen mussten. „Er hat das Kochen mehr geliebt als mich“, vermutet seine Frau. Nachts träumte er jedenfalls davon, wachte morgens mit einem neuen Rezept auf. Viel Leidenschaft und Zeit habe er in seine Arbeit gesteckt, alles selbst produziert. Aber damit habe er die Leute glücklich gemacht, und das sei viel wert, ist sie überzeugt.
Hunderte von Briefen und Nachrichten erreichten Evgeniya Katranis seit dem Tod ihres Mannes. Dass es „die weltbesten Kässpätzle leider nicht mehr geben wird“, schrieb einer, dass sie ihren Babis Katranis erlebt hätten und nie vergessen würden, ein anderer. Bei der Beerdigung traf sie einen Gast, der in 15 Jahren vielleicht fünf Mal in der Waldschenke war. „Du auch hier, du hast ihn doch fast nicht gekannt?“, fragte sie und er antwortete: „Aber ich habe sein Essen gekannt.“ Sieben Linden ohne ihren Mann weiter zu betreiben, ist für die 47-Jährige deshalb ausgeschlossen. Ihre beiden 19 und 21 Jahre alten Kinder studieren, verfolgen andere Pläne. Ob Evgeniya Katranis überhaupt in der Branche bleibt, ist noch offen. Durch seinen Tod sei „alles weg“ – nach 24 gemeinsamen Jahren, in denen sie keinen einzigen Tag getrennt waren, weil sie immer auch in der Gastronomie zusammengearbeitet haben. „Es fällt mir sehr schwer“, sagt sie über den Abschied von Sieben Linden, „aber es muss sein.“