Flavio Meli gibt das Capriccio in der Stuttgarter Innenstadt auf und eröffnet ein neues Restaurant auf der Waldau. Seine Gründe – und welches Lokal in Degerloch stattdessen schließt.

Lokales: Matthias Ring (mri)

Über unseren Restauranttest hatten wir im Frühjahr 2022 geschrieben: „Dieser Eckitaliener hat das Zeug zum Lieblingsitaliener“ – und so ist es dann auch gekommen. In seinen knapp vier Jahren mit dem Capriccio an der Ecke Dobelstraße/Hohenheimer Straße hat Flavio Meli viele Stammgäste für sich gewinnen können, darunter einige prominente aus Politik, Kultur und Sport, wie er erzählt: die Landesministerinnen Theresa Schopper und Petra Olschowski, Schriftsteller Wolfang Schorlau, Schauspieler Walter Sittler, Entertainer Giovanni Zarrella. Und auch der ehemalige VfBler Antonio Rüdiger schaue regelmäßig vorbei, wenn er in der Stadt zu tun habe.

 

Im Dezember aber ist Schluss unten in der City, am 5. Februar 2026 geht es oben auf der Waldau weiter, wie auch Thomas Bürkle bestätigt, der Geschäftsführer des Tennis Clubs Waldau (TEC). Dort ist seit 2007 Anna Schmid „die gute Seele des Club-Restaurants“, seit 2013 als Pächterin. Nun aber nehme sie sich eine Auszeit, was für Thomas Bürkle schon etwas Wehmut bedeute, „aber ich freue mich auch auf eine neue Zeit“.

Auf der Waldau gibt es anders als in Stuttgart-Mitte mehr Parkplätze und das Restaurant hat einen Außenbereich

Das Capriccio ist auch bei Prominenten beliebt: Flavio Meli mit dem Schauspieler Walter Sittler und dem Schriftsteller Wolfgang Schorlau (von links). (Archivbild) Foto: privat

Da unter den Capriccio-Stammgästen einige TEC-Mitglieder seien, habe Flavio Meli den anstehenden Rückzug mitbekommen, an der Ausschreibung teilgenommen und den Zuschlag als neuer Pächter erhalten. Auf der Waldau gibt es zwar durch einige gastronomische Betriebe eine größere Konkurrenz, dafür aber auch mehr Möglichkeiten als in der City, mehr Platz zum Beispiel.

Flavio Meli hatte in den zwei kleinen Räumen des Capriccio die Sitzplätze zwar von anfangs 30 auf 50 erhöht – aber beim TEC sind noch einmal 20 Plätze mehr drin. „Freitags, samstags musste ich hier viele Leute wegschicken“, sagt einer, der sich mit der ersten Neueröffnung des Jahres 2022 deutlich länger als die Vorgänger vom Botti an dieser schwierigen Ecke halten konnte.

Weitere Vorteile der Waldau gegenüber der City: An der Hohenheimer Straße rauschen zwar in unmittelbarer Nähe die Stadtbahnen vorbei und halten auch an der Dobelstraße, aber Parkplätze gibt es so gut wie keine. Noch entscheidender ist für die Gastronomie ein Außenbereich, von dem man vor dem Capriccio nicht wirklich sprechen kann. „Da die Open-Air-Saison mit den Jahren immer länger wird, ist es schwer, wenn man keine Außenplätze bieten kann“, sagt Meli. Dennoch ist es ihm gelungen, einen Treffpunkt zu etablieren: mit Partys, Kochkursen und Weintastings – und natürlich mit einer guten Küche.

Im neuen Restaurant von Flavio Meli in Stuttgart kommt auch wieder Fisch auf den Tisch

Auch Ex-VfB-Star Antonio Rüdiger war zu Gast bei Flavio Meli im Capriccio. (Archivbild) Foto: privat

Eine feste Karte gab es im Capriccio nie. Der 39-jährige Betriebswirt, der schon in Catania und Bologna sowie auch in Stuttgart Restaurants bespielte, unter anderem für den TC Ameisenberg, schreibt das Menü alle zwei Wochen selbst und setzt dabei vor allem auf Fischgerichte. Die wird es auch auf der Waldau geben, aber Flavio Meli ist sich im Klaren, dass er eine Küche bieten muss, „die zu Sportlern passt“. Mit einfachen Gerichten nach traditionellen Rezepten ließe sich schon viel machen. „Auch Pasta Pomodoro können richtig gut sein, wenn die Nudeln hausgemacht und die Tomaten gut sind.“ Pizza und eine Kinderkarte wird es im Club-Restaurant ebenso geben.

Insgesamt sind das ganz schön viele Veränderungen im Vergleich zum Capriccio, das er mit seiner gemütlichen Wohnzimmeratmosphäre als „mein bisher schönstes Restaurant“ bezeichnet. Aber wie es scheint, bereitet sich Flavio Meli gut auf den Wechsel vor, hat schon neue Küchengeräte sowie Tische und Stühle bestellt. Für die persönliche Einrichtung – seine Partnerin ist Architektin – ist dann im Januar Zeit, wenn beide Locations geschlossen sind.

In Anna’s Waldau ist noch bis zum 19. Dezember Betrieb, im Capriccio bis zum 20. Dezember. Am 29. November gibt es dort eine Abschiedsparty. Möglicherweise wird dabei auch die eine oder andere besondere Flasche geöffnet, denn auch dafür ist Flavio Meli bekannt. Er hofft, dass ihm viele Stammgäste folgen werden, „egal, wo ich bin“. Wie es danach an der Dobelstraße weitergeht, ist noch nicht bekannt.