Laut Stadt haben Brauerei, Wirtin und Verwaltung eine „sehr gute Lösung“ für die Bewirtung der Rathausterrasse gefunden. Die Idee vom Almdorf ist vom Tisch. Geplant ist „gehobenes Gastronomie-Ambiente“. Der Marktplatz erhält drei weitere Gastro-Flächen im Freien.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Was Touristen von den Marktplätzen in beliebten Urlaubsstädten kennen und was sie daran so sehr schätzen, soll bald auch in Stuttgart die Einheimischen wie die Auswärtigen erfreuen. An diesem zentralen Ort, dies ist der feste Wille der Verantwortlichen, wird die gastronomische Ödnis nach vielen Jahren enden. Sobald der Marktplatz komplett umgestaltet ist, sollen gleich drei Wirte mit vier Gastro-Flächen im Freien das städtische Leben vor dem Rathaus wachküssen: Am neuen Haus des Tourismus (im ehemaligen Breitling) wird es ebenso Gastronomie im Freien geben wie vor dem Breuninger mit dem Cotidiano. Obendrein bekommt der traditionelle Ratskeller (neudeutsch: the ratskeller) gleich zwei Außenflächen. Dolce Vita in einem lange vernachlässigten Quartier!

 

„Die Missverständnisse sind nun beseitigt“, freut sich die Wirtin

Noch bevor der Marktplatz mit hellem Granitstein in neuer Schönheit im nächsten Jahr fertig umgebaut ist, darf Wirtin Denise Schuler auf dem Rathaus-Vorplatz noch in diesem Frühling den Anfang mit der Außengastronomie machen. Laut Rathaus-Sprecherin Jana Steinbeck zeichnet sich „eine sehr gute Lösung“ ab, mit der nun endlich alle Seiten zufrieden seien. Wann genau es losgehen kann, stehe aber noch nicht fest. „Die Idee vom Almdorf ist vom Tisch“, sagt Steinbeck auf Anfrage unserer Zeitung. Demnach soll nicht in Dirndl und Lederhosen bedient werden. Die Verwaltung habe im Austausch mit der Brauerei Dinkelacker und der Ratskeller-Wirtin Schuler Einigung darüber erzielt, dass „gehobenes Gastronomie-Mobiliar“ an dieser Stelle richtig sei.

Laut Pächterin Denise Schuler hätten „Kommunikationsprobleme“ für Missverständnisse gesorgt. Der Abbau der Winterdorf-Hütten sei schon lange geplant gewesen und habe sich aufgrund einer Corona-Erkrankung verzögert. Der Umbau in ein Almdorf fällt nun weg. Die Missverständnisse seien beseitigt, freut sich die Wirtin.

„Man solle darauf achten, dass das Ambiente zum Stuttgarter Rathaus passt“

Zu den Kritikern eines alpenländischen Flairs, das der Ratskeller in seinem ersten Konzept angedacht hat, zählt Andreas Winter, der Fraktionsvorsitzende der Grünen. Deshalb hatte er in einem Antrag an den Gemeinderat die Verwaltung aufgefordert, die Pachtverträge künftig so zu gestalten, dass die Wirtin auf der von der Stadt überlassenen Außenfläche nicht mehr machen könne, was sie wolle. „Man sollte darauf achten, dass das Ambiente zum Stuttgarter Rathaus passt“, sagt er unserer Zeitung. Da nunmehr das Alpenländische nicht mehr vorgesehen sei, unterstützt Winter eine Zwischenlösung für den Rathaus-Vorplatz.

Eine Dauerlösung ist erst möglich, wenn für die Bedienung der Zugang über den früheren Stadtbesen frei ist, der zur Weinbar wird. Aufgrund des Umbaus des oberen Teils des Marktplatzes wird der Zugang zur Eichstraße gesperrt. In der Zwischenzeit soll ein Foodtruck der Bewirtung dienen.

Umbau des Marktplatzes kostet etwa 12,58 Millionen Euro

Die neuen Sitzbänke auf dem Marktplatz sind schon aufgebaut und werden sehr gut angenommen. Die etwa 12,58 Millionen Euro teure Umgestaltung des zentralen Orts aber verzögert sich, weshalb die Märkte Stuttgart GmbH die in dieser Woche geplante Rückkehr der Marktbeschicker auf den 4. Juni verschoben hat. Hinzu komme, dass die Stände während des Katholikentags vom 25. bis 29. Mai noch einmal auf die Königstraße umziehen müssten, erklärt Thomas Lehmann, der Geschäftsführer der Märkte GmbH. Deshalb habe man sich darauf verständigt, den Start des Wochenmarktes am alten, dann umgebauten Ort zwei Monate später anzugehen als zunächst geplant.

Viele Passanten sind sich einig: Das beige-gelbliche Granit auf tausend Quadratmetern des Marktplatzes sieht freundlicher und einladender aus. Doch jetzt fragt man sich, ob der helle Pflasterbelag empfindlich für Verschmutzungen ist, die bereits an etlichen Stellen zu sehen sind. Weil der Umbau auch Ende August noch nicht fertig sein dürfte, muss das Stuttgarter Weindorf bei seiner Rückkehr nach der Corona-Zwangspause auf sechs Stände verzichten, für die wegen der Baustelle kein Platz ist.