Gastronomie kritisiert Vereine und Kommunen Wirte ärgern sich beim Blick in fremde Töpfe

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Die vielen Hocks in den Sommermonaten haben die Gastronomen im Kreis Göppingen verärgert. Sie fordern weniger Vereinsfeste und eine regionale Quote.

Ausflugslokale wie die Obere Roggenmühle  zwischen Schnittlingen und Eybach haben  im Kreis zwar noch ihr Auskommen, doch an anderen Standorten im Kreis Göppingen sehen sich immer mehr Gastronomen von Vereinsfesten bedrängt. Foto: Horst Rudel
Ausflugslokale wie die Obere Roggenmühle zwischen Schnittlingen und Eybach haben im Kreis zwar noch ihr Auskommen, doch an anderen Standorten im Kreis Göppingen sehen sich immer mehr Gastronomen von Vereinsfesten bedrängt. Foto: Horst Rudel

Kreis Göppingen - Ulrike Weißkopf kann ihrer 16-jährigen Tochter angesichts sinkender Erträge nicht ruhigen Gewissens empfehlen, das familieneigene Hotelrestaurant später zu übernehmen, wie die Gastronomin aus Uhingen bei einer Diskussionsrunde des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in der Oberen Roggenmühle bei Eybach erklärt hat. Ähnliche Probleme, die vor allem durch die wachsende Konkurrenz durch die örtlichen Vereine entstünden, haben jetzt die Gastronomiebetriebe im Kreis Göppingen im Rahmen der Dehoga-Veranstaltungsreihe Rathaus trifft Wirtshaus kritisiert. Der Dehoga-Kreisstellenvorsitzende Hans-Ulrich Kauderer forderte dort eine bessere Lebens- und Geschäftsgrundlage für die 280 Dehoga-Mitgliedbetriebe im Kreis Göppingen.

„Vereine müssen keine Lohnkosten einkalkulieren“

Zu schaffen macht den Gastrobetrieben im Kreis demnach die wachsende Zahl an bewirteten Vereinsfesten. „An den Sommerwochenenden brauche ich eigentlich gar nicht mehr öffnen“, beklagte sich Weißkopf, die auch die Preispolitik der Vereine scharf kritisierte. Dort würden Getränke und Speisen in der Regel so günstig verkauft, dass Gastronomen damit nicht konkurrieren könnten. „Das geht dann aber auch oft am Fiskus vorbei“, setzte Kauderer nach, denn Vereine zahlten nicht in jedem Fall Umsatzsteuer für die verkauften Gerichte und müssten keine Lohnkosten und sozialen Abgaben einkalkulieren.

Subventionen der Kommunen können Markt verzerren

Der Gastronom Karl-Heinz Kottmann aus Eislingen sprach in diesem Zusammenhang von Marktverzerrung. Diese trete ein, wenn die öffentliche Hand mit Subventionen in den Markt eingreife. In Eislingen sei dies der Fall bei der von der Stadt finanzierten Sanierung des Gastronomiebetriebs Marstall, einem kommunalen Gebäude.

„Feste sind Sache der örtlichen Metzger, Bäcker und Wirte“

Zum Thema Vereinsfeste forderte Kottmann an die versammelten Bürgermeister gewandt: „Haben Sie ein Rückgrat, dann bekommen Sie auch wieder mehr Steuern. Feste sind Sache der örtlichen Metzger, Bäcker und Wirte.“ Inzwischen gebe es Vereine, deren Küchen seien besser ausgestattet als mancher Gastronomiebetrieb bestätigte Kauderer. Er könne den eigentlichen Vereinszweck nicht darin erkennen, wenn Feuerwehr oder Rotes Kreuz als Gastronomen auftreten und sogar von Unternehmen als Caterer beauftragt würden.

„Ich spende gerne, wenn es darum geht, Bedürftige zu unterstützen“, sagte der Bad Boller Gastronom, aber es sei zum Beispiel fragwürdig, wenn sich im Winter in den Vesperkirchen Menschen an den Tisch setzten, die genug Geld in der Tasche hätten, um in einem Lokal ihr Essen zu den üblichen Preisen zu bestellen.

Eine regionale Quote bei der Bewirtung gefordert

Kauderer forderte die Kommunen auf, vor allem im Sommer nicht mehr jedes Vereinsfest zu genehmigen. „Anstelle vieler kleiner Hocks kann man das auch mal bündeln und zu einem oder zwei großen Festen mit großer Strahlkraft, wo es richtig kracht, zusammenführen“, schlägt der Betreiber des Badhotels Stauferland vor.

Bei der Vermietung kommunaler und kirchlicher Räume forderte Kauderer außerdem eine regionale Quote für die Bewirtung, wie es beispielsweise in der Stadt Esslingen üblich sei. Zweierlei Maß warf Kauderer staatlichen Stellen bei der Lebensmittelkontrolle vor. So müssten beispielsweise Imbissbetriebe, die keinen Alkohol ausschenkten, keine Kontrollen der Landratsämter fürchten. Eine dreistündige Hygieneunterweisung berechtige die Betreiber bereits, sich gastronomisch zu betätigen, was zu einem desolaten Verbraucherschutz führe. „Das ist ein Skandal“, sagte Kauderer und forderte deshalb flächendeckend den fachlichen Nachweis für Gastronomen wie sie etwa durch eine entsprechende Ausbildung gewährleistet sei.