Gastronomie und Handel in Leonberg Warum drei Cafés im Leo-Center plötzlich weg sind
Drei beliebte Treffpunkte sind über Nacht verschwunden. Das sind nicht die einzigen Leerstände in der Einkaufsmeile. Die Chefin nennt sie „taktischer Natur“.
Drei beliebte Treffpunkte sind über Nacht verschwunden. Das sind nicht die einzigen Leerstände in der Einkaufsmeile. Die Chefin nennt sie „taktischer Natur“.
Auf den ersten Blick ist es am Mittwochmittag im Leo-Center wie immer: Viele Menschen sind unterwegs, in der Pizzeria, im Café Stefanello oder beim Trölsch herrscht reger Betrieb. Doch in drei anderen Lokalen, die nicht nur zur Mittagszeit beliebte Anlaufstellen waren, sind die Tische leer.
Dabei war gerade die Espresso-Bar Leonardo ein Treffpunkt für viele, die sich den Feierabend mit einem Secco oder einem Glas Wein versüßen wollten. Jetzt ist an dieser Ecke ein merkwürdige Stimmung. Denn nicht nur in der Bar bleiben die Lichter aus. Auch McDonalds ist weg, Foto-Planet hat sang- und klanglos das Leo-Center verlassen, die Metzgerei Dietz hat schon länger zu: Große Plakate kündigen die Eröffnung einer Zweigstelle der Metzgerei Schneider aus der Schönbuch-Gemeinde Pliezhausen an, die in der Region mehrere Filialen hat.
Ein Stockwerk höher sieht es nicht viel besser aus: Auch die beiden dortigen Cafés, das Roma und das Eleni, sind buchstäblich über Nacht verschwunden. Gegessen werden kann im Obergeschoss nur noch im veganen Restaurant „King of Greens“. Hier weisen Zettel die Gäste darauf hin, dass wegen Personalmangels die Küche ab 16 Uhr geschlossen ist. Das Center ist bis 20 Uhr geöffnet.
Mit Personalmangel hat das plötzliche Aus der drei Cafés allerdings nichts zu tun. Das Leonberger Ordnungsamt hat sie zugemacht, weil der Betreiber aller drei Lokale keine Konzession mehr hatte. Er selbst, so teilt die Stadt auf Anfrage mit, habe am 29. Mai das Gewerbe abgemeldet, dann aber die Läden einfach weiterlaufen lassen. Dies sei bei einer Kontrolle im August aufgefallen. Dann habe das Ordnungsamt gehandelt.
Ganz freiwillig hingegen zieht sich Daniel Goldberg aus dem Leo-Center zurück. Sein Fachgeschäft für Uhren und Schmuck startet an diesem Freitag einen Räumungsverkauf. „Wir sind nicht insolvent, sondern haben unseren Vertag nicht verlängert“, sagt Goldberg im Gespräch mit unserer Zeitung. Dass die Mietkosten des Center-Betreibers ECE zu hoch sind, daran lässt er keinen Zweifel: „Der Vermieter ist in der Pflicht, die finanziellen Rahmenbedingungen so zu setzen, dass die Händler überleben können.“ Das sei momentan nicht der Fall.
Die Familie Goldberg, bisher ein Stammmieter im Leo-Center, konzentriert sich jetzt auf ihr Geschäft am Marktplatz. „Da können wir mit unserem hochwertigen Angebot das Heft selbst in die Hand nehmen und auch die Öffnungszeiten selbst bestimmen“, sagt er mit Blick auf die Vorgaben von ECE. „Das bedeutet weniger Stress, aber mehr Ertrag.“
Noch nicht ganz rund läuft offenbar das neue Bezahlsystem in den beiden Parkhäusern, in denen jetzt neben Bargeld auch mit Handy, Karte oder Uhr bezahlt werden kann. Ein Kunde berichtet, dass im Automaten eine EC-Karte festgesteckt hatte, Hilfe aber nicht in Sicht war. Auch andere hätten mit der Umstellung Probleme gehabt.
All das sind keine guten Nachrichten kurz vor der Festwoche zum 50. Center-Geburtstag vom 16. bis 21 Oktober. Doch die Center-Managerin Nadine Fensterer bleibt gelassen. Vom Verschwinden der drei Cafés sei sie selbst überrascht worden. Hier sei man schon mit Nachfolgern im Gespräch.
Die zahlreichen Leerstände seien oft „strategischer Natur“. Denn viele Firmen hätten einfach einen größeren Flächenbedarf. „Gerade um große Namen ins Leo-Center zu bekommen, brauchen wir mehr Platz“, sagt Fensterer. „Da lassen wir schon mal zwei Ladenlokale lieber eine Weile leer, um dann mit einem attraktiven Interessenten einen langfristigen Vertrag abzuschließen.“
Grundsätzlich wolle die ECE-Gruppe in ihren Centern einen Branchen- und Angebotsmix, der zum jeweiligen Standort und zu den Bedürfnissen der Kundschaft passe.