InterviewGastronomie „Seit dem Kinderverbot läuft es viel besser“

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Wenn Gastronomiebetriebe Kindern keinen Zutritt gewähren, sorgt das für Diskussionen. Vergangene Woche wurde ein Farbanschlag auf ein Hamburger Café verübt, weil es keine Kinder als Gäste haben möchte. Rudolf Markl, Restaurantbesitzer auf Rügen, hat die ganzen Diskussionen schon hinter sich.

Das Restaurant „Oma’s Küche und Quartier“ in Binz auf Rügen sorgte vergangenen Sommer für Aufsehen, weil ein Verbot für Kinder ab 17 Uhr eingeführt wurde. Foto: dpa 2 Bilder
Das Restaurant „Oma’s Küche und Quartier“ in Binz auf Rügen sorgte vergangenen Sommer für Aufsehen, weil ein Verbot für Kinder ab 17 Uhr eingeführt wurde. Foto: dpa

Binz - Im vergangenen August erregte der Besitzer des Restaurants Oma’s Küche & Quartier auf Rügen, Rudolf Markl (66), Aufsehen mit der Entscheidung, Kinder unter 14 Jahren nach 17 Uhr keinen Eintritt zu gestatten. Zu viele Gäste hätten sich über Kinder beschwert, die sich nicht benehmen könnten. Es sei keine Entscheidung gegen die Kinder gewesen, sondern gegen Eltern, die ihren Nachwuchs nicht im Griff hätten, sagt Rudolf Markl.

Herr Markl, 2007 wurde Ihr Restaurant Oma’s Küche & Quartier zum ersten Nichtraucherlokal auf Rügen, 2018 wurde es das erste kinderfreie Lokal am Abend. Sind Sie glücklich mit Ihren Entscheidungen?

Absolut. Das Einzige, worüber ich mich ärgere, ist, dass ich es nicht schon viel früher eingeführt habe – zumindest das Kinderverbot am Abend. Wir haben einige Jahre damit gerungen, schließlich war uns klar, dass wir damit auch einige liebe Kinder bestrafen. Innerhalb der Belegschaft haben wir das intensiv diskutiert. Die Sorgfaltspflicht der Eltern hat merklich nachgelassen, und die Beschwerden der anderen Gäste waren teilweise massiv.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Es läuft viel besser, wir können viel entspannter arbeiten und die Gäste viel entspannter genießen. Viele, die zu uns kommen, beglückwünschen uns zu dem Schritt. Die Entscheidung geht ja nicht gegen die Kinder, sondern gegen die Eltern, die nicht Herr der Lage werden können oder wollen, denen es egal ist, ob ihre Kinder Bedienungen mit Tabletts in der Hand fast umrennen, Tischdecken herunterzerren oder antike Einrichtungsgegenstände anfassen und schlimmstenfalls runterfallen lassen.

Was sagen Sie Familien, die um 16.30 Uhr bei Ihnen etwas essen wollen?

Wir erklären ihnen unser Konzept und bieten ihnen an, für den nächsten oder übernächsten Tag einen Tisch um die Mittagszeit zu reservieren. Wir haben bis 17 Uhr ein Kindermenü mit eigener Speisekarte zum Ausmalen. Zu 90 Prozent wird das gut angenommen. Interessanterweise benehmen sich die Kinder, die inzwischen zu uns kommen, viel besser als vor unserer Konzeptänderung. Vermutlich werden einige Eltern davon etwas mitbekommen und ihre Kinder entsprechend vorbereitet haben.

Gibt es auch Reaktionen von Kindern?

Nein, ich kann mich nicht erinnern.

Was sagen Sie zu dem Fall des Cafés in Hamburg, das Kindern unter sechs Jahren keinen Zutritt gestattet, was zunächst einen Shitstorm ausgelöst und vergangene Woche mit einem Farbanschlag eskaliert ist?

Das ist unmöglich, was da passiert ist. Das zeugt von Dummheit, Respektlosigkeit und Langeweile.

Hätte die Wirtin vorsichtiger sein und sich nicht in die Diskussion einmischen sollen?

Nein, sie hat nichts falsch gemacht. Das ist ihr Café, es sind ihre Regeln, sie darf das entscheiden.

Über Ihre Entscheidung wurde vergangenen Sommer ebenfalls kontrovers diskutiert.

Ja, wir haben vorwiegend positive Reaktionen bekommen, entweder persönlich, per Postkarten oder Briefen. In den asozialen Medien, wie ich sie nenne, gab es hingegen sehr üble Reaktionen, bis hin zu Drohungen. In der Anonymität des Netzes erlauben sich Menschen ganz andere Dinge, die sie sich im persönlichen Kontakt nie trauen würden. Das sind Menschen, die offensichtlich keine Erziehung genossen haben.

Was sagen Sie zu dem Einwand, dass Kinder nur am Ort des Geschehens, also im Lokal selbst, lernen, wie man sich benimmt?

Das sehe ich nicht so. Es gibt ja keine Erziehung mehr, so wie ich sie noch erlebt habe als Kind. Ich habe am Tisch zu Hause speisen gelernt, ich durfte auch nicht reden während des Essens und musste fragen, ob ich aufstehen darf, nachdem ich fertig war.

Wünschen Sie sich eine generelle Regelung zu kinderfreien Gaststätten?

Nein, das sollte jeder Betrieb für sich selbst entscheiden. Es gibt sowieso zu viele Regeln, und die Vielfalt macht das Ganze interessant.

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