Remshalden - Was für eine Begegnung: Sandra Arbogast klingt immer noch überrascht, als sie erzählt, wie bei ihrem Arbeitseinsatz im Außenverkauf des Baden-Württemberg-Pavillons auf der Expo in Dubai ein Paar aus den Emiraten in landestypischer Kleidung vor ihr stand, „die Frau voll verschleiert“, um dann in bestem Deutsch mit leicht schwäbischer Färbung zu erklären, dass die beiden eigentlich in Zuffenhausen leben, bei Porsche arbeiten und gerade auf Heimaturlaub sind.
„Wir finden hier eine ziemlich offene Gesellschaft vor“, sagt die Gastronomin aus Grunbach, die mit dem Koch Waldemar Pazurek aus Crailsheim für zwei Wochen im Restaurant des Landespavillons den Service verstärkt. Und sie freut sich, dass die Anspannung aus der Zeit der Vorbereitung jetzt der Begeisterung über das Bunte und Lebendige auf der Weltausstellung am Persischen Golf Platz gemacht hat.
Ein freies Dekolleté ist kein Problem
Vieles, was sie zuvor über Regeln und Rituale gelernt haben, sei zumindest für den Bereich der Expo und auch für Dubai veraltet. Das gilt etwa für die Mode und geschlossene Kleidung: So ist Sandra Arbogast jetzt zwar in hochgeschlossener weißer Bluse und schlichter schwarzer Hose im Einsatz, bedauert aber ein bisschen, dass sie ihre Idee so schnell aufgegeben hat, passend zu dem auffälligen Holzbau in Schwarzwälder Tracht zu bedienen. Schließlich sind die Hostessen im Pavillon des Landes von Riani ausgestattet – mit Kleidern, die bis übers Knie gehen und auch mal Dekolleté zeigen. Das Schorndorfer Modelabel ist offizieller Sponsor des Baden-Württemberg-Hauses und zeigt dort auch seine Frühjahrskollektion 2022 in regelmäßigen Shows.
Die Besucherzahlen auf der Expo sind unter den Erwartungen. Offiziell rechnen die Veranstalter mit bis zu 25 Millionen Besuchen bis zum Expo-Abschluss Ende März, „vermutlich werden es aber nur acht oder neun Millionen“, schätzt Sandra Arbogast. Dementsprechend ist es auch im Baden-Württemberg-Pavillon ruhig. „Unter den Besuchern sind viele Deutsche“, hat Sandra Arbogast festgestellt, das liege auch an den drei Kreuzfahrtschiffen Aida, Mein Schiff und MSC, die in diesen Tagen in Dubai angelegt haben. „Sie kommen auch zu uns und freuen sich über Rostbraten oder Rahmschnitzel und ein gutes Sößle“, erzählt die Inhaberin der Weinstube Traube in Grunbach.
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192 Nationen sind auf der Expo vertreten, darunter Deutschland mit dem Campus Germany, in dem unter anderem Neuerungen zu den Themen Mobilität und Nachhaltigkeit präsentiert werden. Dass Baden-Württemberg als einzige Region mit einem eigenen Haus dabei ist, müsse oft erklärt werden, berichtet Sandra Arbogast von Gesprächen. „Und wenn wir das tun, kommt dann meist die Frage, warum hier Mercedes, Porsche, Stihl und Kärcher fehlen.“ Das seien eben die Firmen, mit denen Baden-Württemberg identifiziert werde, und die würden vermisst. Immerhin sei jetzt nachgerüstet worden, wenn auch nicht ganz freiwillig: Weil die Klimatechnik aus dem Land, die vor dem Pavillon mit einem Kaltluftsee mehrmals am Tag feinen Nebel produzieren soll, nicht so richtig funktioniere, stehe auf dem Platz jetzt eine Mercedes S-Klasse.
Fellbacher Wein ist noch immer nicht am Ziel
Bestätigt haben sich indes die hohen bürokratischen Hürden. Weil alles, was eingeführt wird, „halal“ sein muss, also aus islamischer Sicht rein oder erlaubt, gibt es aufwendige Prüfungen. Das hat – in Verbindung mit Knappheit bei der Seefracht – dazu geführt, dass neben anderem die Weine der Fellbacher Weingärtner dort bisher nicht angekommen sind. „Noch nicht“, betont Sandra Arbogast und hofft, dass Riesling und Trollinger so rechtzeitig eintreffen, dass sie sie vor ihrem Rückflug am 23. Dezember noch ausschenken kann. Keine Probleme gibt es bei Brezeln: Die werden von einem deutschstämmigen Bäcker mit Mehl der Schapfenmühle Ulm vor Ort in Dubai gebacken.