Alter Bahnhof in Vaihingen/Enz Stilecht speisen in alten Bahnwaggons

Benjamin Geier steckt viel Herzblut und Geld in sein Bahnhofs-Projekt. Foto: Avanti/Ralf Poller

Der frühere Stadtbahnhof in Vaihingen an der Enz wird zum Erlebnisrestaurant umgestaltet. Noch laufen die Bauarbeiten, doch im Frühjahr 2024 soll die Eröffnung gefeiert werden.

Man kann es jetzt nur noch erahnen, aber früher muss hier, am Vaihinger Stadtbahnhof eine Menge Trubel geherrscht haben. Passagiere stiegen ein und aus, hasteten zu den Zügen, Ware wurde umgeschlagen. Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, wird es von Frühjahr an an selber Stelle wieder ähnlich quirlig wie anno dazumal zugehen. Noch im ersten Quartal 2024 soll das Restaurant eröffnen, zu dem Investor Benjamin Geier das Gebäude gerade umgestalten lässt.

 

Gleise runden das Gesamtbild ab

Der Clou wird dann sein, dass man dort in einem ganz speziellen Ambiente etwas essen oder sich ein Glas Wein schmecken lassen kann. Geier lässt die zuletzt brach liegenden Räumlichkeiten zu einer Themengaststätte herausputzen. Die Besucher sollen spüren und wissen, dass sie nicht irgendwo, sondern in einem früheren Bahnhof eingekehrt sind. Dazu trägt unter anderem bei, dass Relikte der früheren Nutzung zwischen Tischen und Stühlen hervorblitzen werden. Eine Waage werde beispielsweise ins übrige Interieur integriert, das alte Gebälk bleibe erhalten, erklärt Geier. Das kleine Häuschen auf dem Gelände, das Pendler einst aufsuchen konnten, wenn es pressierte, wird modernisiert und auch in Zukunft wieder als Toilette dienen. 60 bis 70 Meter Gleise liegen ebenfalls noch vor dem Gebäude, runden das Gesamtbild ab.

Wirklich spektakulär ist zudem, dass sich diese Themenlinie so stringent fortsetzt, dass die Gäste sogar in Eisenbahnwaggons den Abend ausklingen lassen oder den Mittag genießen können. „Die Waggons stammen aus Königsborn bei Magdeburg und sind per Schwertransport hierher gebracht worden“, sagt Projektleiterin Anika Mühleisen. In zwei der drei Wagen wurden früher Güter befördert. Man wird dort in einigen Monaten wie auf einer Terrasse sitzen können. Das dritte Exemplar war ein klassischer Reisewagen. Er wird eingehaust, klimatisiert und mit stilechtem Mobiliar bestückt, könne als Separee genutzt und für besondere Events extra gebucht werden, erläutert Benjamin Geier. Auf Tuchfühlung zu den Waggons soll noch ein Biergarten entstehen.

Jetzt braucht es noch einen Pächter

Das gestalterische Konzept ist also fix. Fehlt nur noch jemand, der all das mit Leben füllt, sprich: ein Pächter. „Wir sind dazu schon in Gesprächen, freuen uns aber über weitere Bewerbungen“, erklärt Geier. Bei der Küche zeigt er sich offen. „In einem Bahnhof kriegt man alles unter“, sagt der 35-Jährige mit einem Schmunzeln. „Am Ende muss es einfach passen. Ich denke, ein rein asiatisches Restaurant oder ein Sushi-Lokal würden vielleicht nicht ganz so gut passen“, fügt der Investor hinzu, der fast zwei Millionen Euro für das Projekt in die Hand nimmt.

So viel Geld würde der Vaihinger aber kaum in das Gebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert stecken, wenn er nicht genügend Potenzial erkennen würde. „Es gibt viele Vorteile“, betont Geier und deutet zunächst auf den Radweg, der direkt hinter dem Stadtbahnhof vorbeiführt und sogar verlängert werden soll. „Enzweihingen und Kleinglattbach werden jetzt angebunden“, sagt Geier. Dazu baut eine Immobilienfirma in unmittelbarer Nachbarschaft einen Wohn- und Geschäftskomplex. Wer dort ein und aus gehe, schaue vielleicht auch im Restaurant vorbei, hofft Geier. Ferner werde um die Ecke ein Seniorenbewegungsparcours samt Spielplatz realisiert, also ein weiterer möglicher Frequenzbringer. Das Interesse sei freilich schon jetzt gewaltig, oft werde man auf der Baustelle angesprochen, wie der Stand der Dinge sei. Auch auf Instagram verfolgen rund 1200 User, welche Fortschritte bei der Umgestaltung gemacht werden.

Vieles erledigt, aber einiges noch zu tun

Das Paket aus Dach, Fenster, Fassade ist weitestgehend fertig, die Waggons lackiert. Es wurde innen gedämmt, die Decken wegen des Schallschutzes abgehängt. Elektrik und Wasser sind schon verlegt. Aber es staubt auch noch an allen Ecken und Enden, für die Handwerker ist noch eine Menge zu erledigen – damit der Trubel zurückkehren kann.

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