Gastveranstaltung in Stuttgart Protest gegen Waffentechnikmesse flammt wieder auf

Von Josef Schunder 

Mitte Mai wird auf den Fildern die ITEC stattfinden. Bei ihr werben Aussteller für Technik, mit der man das Töten von Menschen simuliert. Nach der Aktion Ohne Rüstung leben ruft das einen weiteren Kritiker auf den Plan.

Im Oktober 2017 wird vor dem Messe-Verwaltungsgebäude gegen die absehbare Rüstungsmesse protestiert, während drinnen der Aufsichtsrat tagt. Foto: Ines Rudel
Im Oktober 2017 wird vor dem Messe-Verwaltungsgebäude gegen die absehbare Rüstungsmesse protestiert, während drinnen der Aufsichtsrat tagt. Foto: Ines Rudel

Stuttgart - Messe-Geschäftsführer Ulrich Kromer ist in die Offensive gegangen. Man wolle gar nicht verschweigen, dass man in diesem Jahr auch die Messe ITEC im Terminkalender habe, sagte er bei der Bilanzpressekonferenz, in der er einen Ausblick in das eben angebrochene Jahr gab. Gemeint ist die Veranstaltung, die Kritiker als Militär- und Waffenmesse bezeichnen und die schon im vergangenen Jahr in der Debatte war.

Noch am Tag der Pressekonferenz, vergangenen Donnerstag, flammte die Debatte wieder auf. Dafür sorgte der Landesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds. „Wir halten es für falsch, dass die Messe Stuttgart die umstrittene Militär- und Waffentechnikmesse ausrichten wird“, erklärte Martin Kunzmann. Grund: Auf der ITEC werde von den Ausstellern für Computerprogramme zur Simulation von Krieg, für Raketenabwehr und für Drohnentechnik geworben. In Köln, wo sie 2014 bereits einmal stattgefunden hatte, habe der Gemeinderat der Wiederholung dieser Gastmesse für 2018 eine Absage erteilt. Stuttgarts Messegesellschaft samt Land und Stadt sollte sich ebenfalls dagegen wenden – wenn nicht für 2018, dann zumindest mit Blick auf die Folgejahre.

Die Rüstungsmesse ist ein Termin für Militärs und Sicherheitsgewerbe

Bereits im Juli 2017 hatte die Aktion Ohne Rüstung an die Messegesellschaft und deren Aufsichtsrat appelliert, mit dem ITEC-Veranstalter nicht ins Geschäft zu kommen. In einem Schreiben an den Aufsichtsratschef Michael Föll warf sie die Frage auf, ob eine Messe, auf der das Töten von Menschen simuliert werde, nicht im ­Widerspruch zu den Intentionen von Stadt und Land stehe, mit ihren Finanzbeteiligungen nicht an Rüstung verdienen zu wollen. Föll antwortete, Institutionen wie die Landespolizei, der Staatsschutz und das Innenministerium, bei denen man sich üblicherweise Rat hole, hätten keine Einwände gegen den Vertragsabschluss gehabt. Im Oktober kam es vor dem Messe-Verwaltungsgebäude zu einer Demonstration. Der Vertrag wurde aber geschlossen. Der ITEC-Veranstalter wirbt im Internet für die Messe vom 15. bis 17. Mai. Da treffen sich dann wieder Vertreter von Militär, Regierungen, Sicherheitsgewerbe, Rüstungsunternehmen und Wissenschaften.

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