Gasversorgung im Kreis Ludwigsburg Pipeline treibt Keil zwischen die Kommunen

Eine Erdgasleitung soll das Netz zwischen Pforzheim und Heilbronn sicherer machen. Die im Landkreis betroffenen Kommunen unterstützen das Projekt eigentlich, gäbe es da nicht ein typisches Problem.

So könnte die Neckarenztalleitung von innen aussehen. Foto: dpa
So könnte die Neckarenztalleitung von innen aussehen. Foto: dpa

Kreis Ludwigsburg - Neckarenztalleitung – ein langes Wort für eine im Grunde einfache Sache: Die Terranets BW, eine Tochter der EnBW und Betreiber der Erdgashochdruckleitungen in Baden-Württemberg, will eine neue Pipeline zwischen Pforzheim und Heilbronn verlegen. Eine knapp 40 Kilometer lange Hochdruckleitung mit 500 Millimeter Durchmesser und 80 bar Betriebsdruck, verlegt in 1,20 Meter Tiefe. Eine im Grunde „kleinere Ausbaumaßnahme“ in Anbetracht von einem Leitungsnetz, das über 2000 Kilometer lang ist, heißt es bei der EnBW-Tochter.

Doch wie so oft steckt der Teufel im Detail: Alle nach intensiver Prüfung noch möglichen Trassen verlaufen durch den Kreis Ludwigsburg. Betroffen sind die Kommunen Eberdingen, Vaihingen/Enz, Oberriexingen, Markgröningen, Sachsenheim und Bietigheim-Bissingen und Löchgau. Aber: Nicht jede Trasse verläuft durch jede Kommune. Und so geben die Kommunen derzeit Stellungnahmen ab, in denen sie alle besonders intensiv auf ihre Wasserschutzgebiete und Landschaftsschutzgebiete hinweisen, mit der Bitte, die Trasse doch lieber beim Nachbarn zu verlegen. Sankt Florian in Reinform, könnten böse Zungen jetzt behaupten. Oder neutraler ausgedrückt: Da besteht noch viel Diskussionsbedarf.

Für eine größere Ansicht klicken Sie auf die Grafik.

Ringschluss in Sachen Erdgasversorgung

Doch zurück zum Projekt. Laut Terranets stellt die Neckarenztalleitung einen Ringschluss zwischen der Kraichgauleitung bei Heilbronn und der Schwabenleitung bei Pforzheim her. Die Versorgungssicherheit sei damit „noch besser gewährleistet“, wie eine Sprecherin des Unternehmens sagt. Denn nun könne man den Kreis aus beiden Richtungen versorgen und sei flexibler in der Steuerung des Gasflusses.

Die Gasnachfrage in Süddeutschland steige nämlich kontinuierlich an. Im Jahr 2015 transportierte Terranets nach eigenen Angaben 80 Terawattstunden Erdgas – was in etwa der doppelten Leistung der Wärmeabstrahlung der Erde entspricht. Baden-Württemberg sei eben ein Wachstumsgebiet und Erdgas ein beliebtes Heizmedium bei Haus-Neuanschlüssen. Keineswegs sei es aber so, dass der Landkreis Ludwigsburg aufgrund einer bislang fehlenden Terranets-Leitung unterversorgt sei. Bislang laufe die Versorgung über andere Netzbetreiber. Das soll sich mit der Neckarenztalleitung für den Kreis Ludwigsburg und den Enzkreis ändern.

Der Baubeginn ist erst für 2020 geplant

Das Verfahren für die Leitung steht noch am Anfang: eine Inbetriebnahme ist erst für 2021 geplant, der Baubeginn 2020. Zurzeit läuft das Raumordnungsverfahren, währenddessen das Regierungspräsidium Stuttgart prüft, welche der möglichen Trassen überhaupt raumverträglich ist. Ende Juni will das RP entscheiden, in welchem Umfang die drei verbliebenen Möglichkeiten untersucht werden – und damit bereits eine Art Vorentscheidung treffen. Eine endgültige, grundstücksscharfe Festlegung des Korridors, der bislang noch je 600 Meter breit ist, erfolgt dann im Jahr 2019 im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens.

Die Kommunen versuchen sich aber bereits jetzt aus der Schusslinie zu bringen: So hat Markgröningen per Gemeinderatsbeschluss Bedenken gegen die Trassenvariante drei angemeldet, weil der Korridor durch eine Wasserschutzzone führt. Oberriexingen wiederum favorisiert genau diesen Verlauf, weil die anderen beiden Trassen durch Landschafts- und Wasserschutzgebiete verlaufen. In beiden Fällen liegen die besonders schützenswerten Gebiete natürlich auf der eigenen Gemarkung.

Auch Bietigheim-Bissingen meldet Bedenken an

Schützenhilfe bekommt Oberriexingen von Vaihingen/Enz, das ebenfalls für die dritte Variante plädiert. Bietigheim-Bissingen hat in seiner Stellungnahme ans RP ebenfalls Unbehagen signalisiert, obwohl am nördlichen Ende der Leitung gar keine Alternative mehr besteht: Im Mettertal und im Altenbachtal gebe es Landschaftsschutzgebiete, Naturdenkmäler und geschützte Biotope, sagt die Stadtsprecherin Anette Hochmuth. Am Ende bringt es Oberriexingens Bürgermeister Werner Somlai auf den Punkt: „Jeder will das Gas, aber keiner eine Leitung.“




Veranstaltungen

Unsere Empfehlung für Sie