Anja Langenbucher, die Direktorin des Europabüros der Gates Stiftung, setzt auf die Kooperation von staatlicher und privater Entwickungshilfe. Mit der Impfallianz Gavi etwa habe man Millionen von Kindern gerettet.
29.05.2015 - 08:57 Uhr
Frau Langenbucher, Melinda Gates kommt zum Kirchentag nach Stuttgart. Welche Erwartungen knüpft sie daran?
Melinda Gates sorgt sich insbesondere um eine Stärkung der Frauenrechte weltweit – mit welchem Hintergrund?
Die Stiftung hat verschiedene Ziele in ihrem Programm. Eins ist die Förderung von Frauen und Mädchen. Studien belegen, dass eine Stärkung der Frauen bessere Ergebnisse in der Entwicklung bringt. Das zeigt sich bei Themen wie Gesundheit für Mütter, Neugeborene und Kinder, aber auch in der Landwirtschaft, bei der Wasserversorgung, in Hygienefragen sowie bei den Mikrokrediten für die Ärmsten. Melinda Gates persönlich hat den Kampf gegen die ungleiche Behandlung des weiblichen Geschlechts und die großen Potenziale von Frauen und Mädchen in den Mittelpunkt gerückt.
Kanzlerin Merkel will auf dem G-7-Gipfel auch über Tropenkrankheiten sprechen. Ist das der Durchbruch für Ihr Thema?
Wir finden es toll, dass die deutsche Präsidentschaft von G 7 und die Kanzlerin persönlich die globale Gesundheit ins Blickfeld nehmen. Das ist ein starkes Signal von Deutschland. Eine führende Wirtschaftsnation will die Verantwortung auch für globale Gesundheit übernehmen. Die Kanzlerin hat bereits bei der WHO in Genf klare Empfehlungen für die Stärkung von Gesundheitssystemen gegeben. Sie hat Lehren aus der Ebola-Krise gezogen und die Notwendigkeit der Erforschung von Medikamenten gegen armutsbedingte Krankheiten betont. Das sind auch Themen, die Bill Gates stark beschäftigen. Die Entwicklung neuer Diagnosemethoden, Impfstoffe und Medikamente ist unser Anliegen.
Staatliche Entwicklungshilfe geht oft ins Leere – was kann die Gates-Stiftung besser?
Ich weiß nicht, ob wir es besser machen. Wir sind anders, fokussieren uns auf spezielle Bereiche, wo wir glauben, eine hohe Wirkung erzielen zu können. Wir haben eine tolle finanzielle Ausstattung. Auch wenn es nur ein Bruchteil dessen ist, was notwendig wäre. Wir gehen Risiken ein und testen Innovationen, was andere in dem Maße vielleicht nicht können. Wenn man in neue Impfstoffe investiert, ist der Erfolg nicht garantiert, und die Privatindustrie oder andere Institutionen scheuen das Risiko. Wir sind bei der Erforschung von vernachlässigten, armutsbedingten Krankheiten einer der größten Geldgeber weltweit.