Gault Millau-Präsentation in Ludwigsburg Wachgeküsst und ausgezeichnet

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Am Montag ist im Schlosshotel Monrepos die neue Deutschlandausgabe des Gourmetführers „Gault Millau“ vorgestellt worden – und mit ihr die Preisträger des Jahrgangs 2016. Da war nicht nur der Gastgeber zufrieden.

Zuletzt in Berlin, diesmal in Ludwigsburg: die Präsentation des „Gault Millau“ Foto:  
Zuletzt in Berlin, diesmal in Ludwigsburg: die Präsentation des „Gault Millau“ Foto:  

Ludwigsburg - Am Ende eines langen Abends: zufriedene Feinschmecker, glückliche Gewinner, strahlende Gastgeber. Allen voran der Hausherr von Schlosshotel Monrepos, wo am Montag die neue Deutschlandausgabe des Gourmetführers „Gault Millau“ vorgestellt worden ist – und mit ihr die Preisträger des Jahrgangs 2016. Als Vertreter der Hofkammer des Hauses Württemberg, die im Besitz des Schlosses samt Hotel ist, begrüßte und verabschiedete Michael Herzog von Württemberg, der zwischendurch als Winzer auch eine Weinveranstaltung zu betreuen hatte, die fünfzigköpfige Delegation. So viel Glanz hat das Haus lange nicht gesehen, waren doch unter den Gästen die besten Gastronomen des Landes. „Wachgeküsst“ sei das Schlosshotel, freute sich Seine Königliche Hoheit. Zu verdanken ist dies Renate und Heiner Finkbeiner, die seit Anfang 2014 die neuen Pächter in Ludwigsburg und nun vom „Gault Millau“ als „Hotelier des Jahres“ geehrt worden sind.

Schlosshotel Monrepos als Rahmen der Preisverleihung

Kaum zu glauben, dass die Finkbeiners, die man seit vielen Jahren von ihrer Traube Tonbach – und inzwischen auch als Verantwortliche für die Gastronomie des Montforthauses in Feldkirch und im Neuen Schloss Meersburg – kennt, diese Auszeichnung bisher noch nicht in ihrer Sammlung hatten. Umso stolzer ist Heiner Finkbeiner, dass das seit wenigen Monaten betriebsfertig restaurierte Schlosshotel Monrepos nun ein würdiger Rahmen für die Preisverleihung ist. Die dazugehörige Gutsschenke unter der neuen Leitung von Harald Derfuß hat 15 Punkte vom „Gault Millau“ verliehen bekommen. Mehr möchte man in dem Haus der gehobenen Mittelklasse vorerst gar nicht erwarten.

Verantwortlich für das Galamenü aber war Harald Wohlfahrts Team aus der Schwarzwaldstube der Traube Tonbach. Der Küchenchef selbst, der mit 19,5 Punkten nach wie vor zu den besten Deutschlands zählt, durfte diesen Abend aus der Gastperspektive genießen – wenige Tage nach seinem 60. Geburtstag und zwischen den Palazzo-Premieren von Mannheim und Stuttgart. Und so konnte Wohlfahrt nach den pochierten Gillardeau-Austern und vor der gegrillten Langustine, als die Chefredakteurin des „Gault Millau“, Patricia Bröhm, die Preisträger vorstellte, auch einem seiner ehemaligen Schüler applaudieren. Paul Stradner ist der „Aufsteiger des Jahres“. Er lässt das altehrwürdige Brenners Parkrestaurant in Baden-Baden „in kulinarischer Frische vibrieren“ – auf nun 18 Punkte.

Der wichtigste Preis geht nach Sachsen

Der wichtigste Preis aber geht nach Sachsen: Peter Maria Schnurr vom Restaurant Falco in Leipzig (19 Punkte) ist „Koch des Jahres“. Bröhm würdigt den gebürti­gen  Schwarzwälder, der es übrigens ohne Wohlfahrt zu etwas gebracht hat, standesgemäß – und wird vom Geehrten gleich korrigiert: nein, er habe damals in Berlin nicht gekündigt, „ich bin rausgeflogen“. Auch Kompromisslosigkeit und Charakterstärke können einen guten Koch ausmachen, wie Schnurr später beim Tischgespräch beweist. Vor seinem Neustart in der 27. Etage des Hotels The Westin war er Küchenchef im Berlin Capital Club. Aber das Members-only-Konzept sei ihm mit der Zeit aufgestoßen. Nach dem Zerwürfnis sagte er sich, „jetzt erst recht“ – und wurde 2006 als „Entdeckung des Jahres“ gefeiert. Am Ende sei die Auszeichnung zum „Koch des Jahres“ Bestätigung für „26 Jahre mit demselben Qualitätsanspruch“.

Ein hohes Niveau erreicht auch Ali Güngörmüs, und das an gleich zwei Adressen. Der erste in der Türkei geborene Koch mit – Achtung, Konkurrenz! – einem Michelin-Stern ist jetzt außer im Hamburger Le Canard Nouveau auch im Münchner Pageou (beide 16 Punkte) präsent. Der „Restaurateur des Jahres“ ist drei Tage hier, drei Tage dort, und jede Menge Fernsehtermine hat der sympathische Kerl ja auch noch.

In Ludwigsburg nicht geehrt, aber zur absoluten Spitzenklasse mit 19,5 Punkten (die 20 möglichen sind im deutschsprachigen Raum nie vergeben worden) zählt neben Harald Wohlfahrt, Joachim Wissler, Klaus Erfort und Helmut Thieltges nun auch Christian Jürgens in der Überfahrt in Rottach-Egern. Punktgewinn in Baden-Württemberg können Tristan Brandt (Opus V in Mannheim) und Mario Sauer (Le Gourmet in Heidelberg) verbuchen (beide von 16 auf 17). Unter den auf 16 Punkte Aufgestiegenen ist einer aus der Region Stuttgart: Joannis Malathounis, dessen Restaurant in Kernen einfach seinen Nachnamen trägt.

Man muss nicht immer mit den Testern einverstanden sein

Insgesamt aber muss man mit dem Urteil des hiesigen der 33 „Gault Millau“-Tester nicht immer einverstanden sein. Dass der Délice-Fan dem Neuen an Evangelos Pattas’ Seite, Andreas Hettinger mit seinen 33 Jahren, als eines der „jungen Talente 2016“ mit 16 Punkten lobt, sei gegönnt. Dass er aber die große Klasse von Philip Rümmele im Adler Asperg nicht erkennt und dem Nachfolger von Harald Derfuß nur 15 Punkte gibt, steht in keiner Relation. Aber Kritik an der Kritik ist der „Gault Millau“ gewohnt, der nicht nur geschätzt und gefürchtet, sondern wegen hämischer Formulierungen auch angefeindet wird. Für viele lautet die entscheidende Frage ohnehin: Stern oder nicht Stern? Am Freitag erscheint der neue „Guide Michelin“.

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