Gaunerei in Ludwigsburg Hip-Hop, Funk und Drinks – und richtig gutes Essen

Machen gemeinsame Sache in der Gaunerei: Geschäftsleiter Nils Vrabac, Inhaber Luca Sprotte und Koch Jörg Berghoff (von links). Foto: Simon Granville

In der Gaunerei in Ludwigsburg vereinen die Macher die lockere Atmosphäre einer Bar und feine Küche. Die Musik spielt für den Chef eine zentrale Rolle.

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

Was die Gaunerei ist? Selbst Luca Sprotte kann das nicht mit einem Satz erklären. Eine richtig gute Bar, in der man auch außergewöhnlich gut speisen kann? Oder ein gutes Restaurant, in dem man richtig gut abhängen kann? Der 32-Jährige überlässt das einfach dem Gast: „Kommt drauf an, nach was einem ist.“

 

Sicher ist der Quereinsteiger aber bei einer Sache: eine solche Kombi gab es bisher in Ludwigsburg nicht. „Für manche ist das Essen ja schon ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Sprotte über die Konkurrenz. Doch darauf allein wollte er sich nicht verlassen. Für ihn ist das auch eine Lehre aus Corona.

Streit mit den Vormietern geht vor Gericht

Die Atmosphäre, die Musik, die Drinks, das Essen – für Sprotte gehört das alles zusammen. Und zur Gaunerei gehören er und sein Betriebsleiter Nils Vrabac (27). Beide sind tätowiert auf beinahe jedem Stückchen Haut, beide reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Weil beide zudem alles machen – vom Bedienen bis zum Toilettenputzen – ist für Gäste schwer ausmachen, wer der Chef ist. Es geht locker zu in der Gaunerei, das ist den Machern ein Anliegen.

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„Ein gutes Produkt kann man nachmachen, ein Gefühl nicht“, sagt Sprotte. Das Konzept für die Gaunerei ist während des ersten Lockdowns gewachsen. Eigentlich hatte er schon Ende 2017 starten wollen. Erst machten ihm die Vormieter des Hauses in der Asperger Straße, das seit 1889 ein Wirtshaus ist, einen Strich durch die Rechnung. Der Streit mit den Betreibern des Steakhouse „Montero“ ging sogar vor Gericht. Als der gebürtige Bietigheimer im Februar vor zwei Jahren endlich die Schlüssel bekam, kam bald darauf Corona.

DJ 5ter Ton war auch schon da

Keine Bank wollte ihm in der Folge einen Kredit bewilligen, Sprotte verdingte sich in einem Impfzentrum – und er schwang mit seinem Vater den Hammer in seinem Lokal. Aus rustikal wurde schlicht und elegant, an einfachen Holztischen stehen bequeme Stühle mit Stoffbezug, über der Bar im Industrie-Schick prangt „Gaunerei“ in Neonschrift. Im Februar war Eröffnung. Und die Gaunerei kommt an. Sagt zumindest Sprotte. Vor dem Restaurant/Bar-Betrieb hatte er bereits Erfahrung im Stuttgarter Nachtleben in verschiedenen Clubs gesammelt. Partys gab es auch schon in der Gaunerei, DJ 5ter Ton (Massive Töne) hat schon die Plattenteller gedreht. Weitere Events dieser Art sind nicht ausgeschlossen.

„Von der Küche habe ich“, sagt Sprotte, „aber gar keinen Plan“. Wie auch – als gelernter Industriemechaniker?

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Einen richtig guten Koch zu finden, war für Sprotte gar nicht so einfach. Er hatte einige an der Hand, arbeitete dann mit einem Caterer zusammen. Einer aus diesem Team, Jörg Berghoff, blieb. Der 39-Jährige hat in einem Heilbronner Hotel gelernt und später überall auf der Welt Erfahrungen gesammelt – in der Eventgastronomie, auf Kreuzfahrtschiffen und in der Sterne-Gastronomie wie dem Adler in Asperg. Die Küche in der Gaunerei spiegelt das wider. „Sehr international“, sagt Berghoff, „aber mit regionalen Produkten.“ Ansonsten ist in seiner Küche alles erlaubt, was Spaß mache. „Wir sind zwar kein Gourmetrestaurant, manchmal gehen wir aber auch in dieser Richtung.“

Barfood und Tagesempfehlungen

Außer einer kleinen Auswahl an Barfood gibt es keine feste Karte, das Team setzt auf Tagesempfehlungen. Dass die bezahlbar sind, ist Sprotte wichtig. 27 Euro für ein Hauptgericht muss man aber teils berappen. Lieber weniger, dafür gut, das setzt sich bei der Cocktailkarte fort. Wie Wein und Bier sind einige der Spirituosen aus der Region. Zu den Drinks wummert aus der Anlage Funk, Soul und Rap – allerdings nur Musik, die vor 2000 erschienen ist und die Sprotte und Vrabac auch selbst hören. Ein älteres Publikum schreckt das bislang nicht ab. „Die sitzen grinsend vor ihren Tellern, wenn was aus den 80ern läuft“, sagt Vrabac.

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