Gauthier Dance feiert „Für Tanz zu begeistern, liegt in meiner DNA“

Eric Gauthier (sitzend) bei Proben für das von ihm choreografierte Solo „ABC“ mit dem Tänzer Luca Pannacci Foto: Gauthier Dance/Jeanette Bak

Im Januar 2008 präsentierte Gauthier Dance die erste Premiere. Seither tanzt die Kompanie um Eric Gauthier im Theaterhaus von Erfolg zu Erfolg und will nun feiern.

Stadtleben/Stadtkultur/Fildern : Andrea Kachelrieß (ak)

Eric Gauthier ist während unseres Gesprächs auf dem Weg nach Berlin. Bei den Filmfestspielen wird er die Aufzeichnung der Gauthier-Dance-Produktion „The Seven Sins“ vorstellen, anschließend choreografiert er ein neues Tanzstück für die Ballerina Ivana Salenko und ihren Mann Marian Walter. Nach der Rückkehr wird gefeiert, vom 1. März an steht das 15-Jahr-Jubiläum von Gauthier Dance im Kalender.

 

Herr Gauthier, Sie waren vor einiger Zeit bei einer Papstaudienz. Was hat Sie und Gauthier Dance da hingeführt?

Ein Priester aus Stuttgart mit einer guten Verbindung in den Vatikan und eine offizielle Einladung haben uns dahingebracht. Ich bin katholisch; vom Papst gesegnet zu werden war schon ein toller Moment in meinem Leben. Aber eigentlich waren wir in Rom, um mit „The Seven Sins“ die 17. Ausgabe des Tanzfestivals Equilibro zu eröffnen.

Eric Gauthier Foto: GD

Eine der sieben Sünden hat Marco Goecke choreografiert. Hat Sie seine Hundekot-Attacke sehr belastet? Er ist ja schließlich Artist in Residence von Gauthier Dance.

Ja, klar, wir alle waren sehr bestürzt darüber, was passiert ist. Der öffentliche Aufschrei war auch entsprechend. Persönlich habe ich ebenfalls einige kritische Mails bekommen. Goeckes künstlerisch so starke Stücke bleiben jedoch bei uns im Repertoire, genau wie in Hannover und beim Nederlands Dans Theater. Allerdings haben wir uns entschieden, seinen Kurzfilm nicht im Jubiläumsprogramm zu zeigen. „15 Years Alive“ ist nicht der richtige Anlass, auch in Hinblick auf die Kompanie selbst. Es ist unsere Geburtstagsparty, bei der wir die Leistungen der Tänzerinnen und Tänzer feiern wollen.

15 Jahre Gauthier Dance – auf was sind Sie im Rückblick besonders stolz?

Ehrlich gesagt: dass die Kompanie überhaupt diese 15 Jahre überlebt hat - deswegen heißt der Abend zum Jubiläum auch „15 Years Alive“. Und zwar haben wir in einer Einrichtung überlebt, die kein Staatstheater ist. Wir müssen eine Produktion mindestens 25 Mal aufführen, im Theaterhaus und bei Gastspielen, damit sie ihre Kosten wieder einspielt. Nur so können wir ein Stück finanzieren.

Es sind bestimmt auch Dinge passiert, mit denen Sie nicht gerechnet haben und die für Freude sorgen?

Zum Glück passiert so etwas ständig, zum Beispiel die Auszeichnung „Glanzlicht des Jahres“ bei der jüngsten Umfrage der Zeitschrift „Tanz“. Wir haben nur 16 Tänzer, agieren aber auf Augenhöhe mit renommierten Kompanien, die seit Jahren die Szene prägen. Ich hätte mir auch nie träumen lassen, dass ich einmal bei Choreografen wie Ohad Naharin oder Sharon Eyal anrufen kann – und sie mir zusagen. Am „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ mitgewirkt zu haben oder den Integrationspreis des Landes zu erhalten: das sind tolle Momente. Das würde ich auch gern von der Realisierung einer Juniorkompanie sagen, für die mir noch die stabile Finanzierung fehlt.

In 15 Jahren haben Sie sicherlich auch gelernt, gelassener zu reagieren…

Ja, ich kann nur positiv bleiben und mir sagen: das wird. Mit Enttäuschungen umzugehen ist auch etwas, das ich gelernt habe – sei es mit negativer Kritik oder dem Erweiterungsbau fürs Theaterhaus, der auf sich warten lässt. Ich hatte Angebote von größeren Häusern, aber ich bin glücklich mit meiner Situation hier. Ich konnte im Theaterhaus viel umsetzen, alle glauben an mich. In einem größeren Theater entscheiden andere.

Jetzt steht das Feiern im Vordergrund?

Ja, der März ist der Höhepunkt unserer Jubiläumssaison; wir tanzen insgesamt 18 Vorstellungen. In „15 Years Alive“ gibt es einen Mix an Stücken, die wichtige Spuren im Repertoire hinterlassen haben, dazu eine Uraufführung von Dunja Jocic, die zeigt, welche Vision ich mit einer Juniorkompanie habe. Außerdem tanzen wir „Kamuyot“ in der Sporthalle für die ganze Familie. Durch die „Moves for Future“-Projekte in den Schulen gibt es ein wachsendes Interesse an solchen Stücken.

Viel Aufmerksamkeit bekommen auch Ihre „Dance Around The World“-TV-Dokumentationen. Sind Sie ein Tanz-Missionar?

Unbedingt, Menschen zu helfen oder sie für den Tanz zu begeistern, liegt in der DNA von Gauthier Dance. Die Dreharbeiten, immer zwei Wochen am Stück, sind hart. Die nächsten führen im April in meine Heimatstadt Montreal. Aber sie lohnen sich: Ich will Berührungsängste abbauen und die Menschen vielleicht auch einmal ins Theater locken.

Info

Termin
„15 Years Alive“ hat am 1. März im Theaterhaus Premiere, die Vorstellungen bis 5. März sowie vom 8. bis 12. März sind ausverkauft. Es gibt noch Tickets für die Vorstellungen vom 10. bis 14. Mai.

Ausstellung
Kostüme aus den verschiedenen Produktionen von Gauthier Dance wie „Poppea//Poppea“ zeigt eine Kostümschau im Theaterhaus. Sie wird am 27. Februar um 18.30 Uhr im Foyer im Theaterhaus eröffnet und ist bis Ende März zu sehen.

Künstler
Der Franko-Kanadier Eric Gauthier kam 1996 zum Stuttgarter Ballett. 2007 übernahm er die Leitung der neu am Theaterhaus gegründeten Kompanie Gauthier Dance. Mit Gauthier Dance Mobil und Moves for Future will er zudem ein Publikum jenseits der Bühne ansprechen.

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