Gauthier Dance „Mega Israel“ - Ein intensives Erlebnis

Von red 

Rund um die Festtage präsentiert Gauthier Dance ein Programm, das den zeitgenössischen Tanz von seiner dynamischsten Seite zeigt – mit einer ausgeprägten persönlichen Handschrift. Der Titel: „Mega Israel“.

30 radikale Minuten mit „Killer Pig“.  Foto: Regina Brocke
30 radikale Minuten mit „Killer Pig“. Foto: Regina Brocke

Der rote Faden: Alle Choreografen sind gebürtige Israelis, arbeiten aber heute mit und für führende Companys auf der ganzen Welt. Und alle drei Produktionen markierten für ihre Schöpfer bedeutende Stationen in ihrer künstlerischen Karriere.

Hofesh Shechter, der bei „Colours 2017“ auch mit einer Deutschland-Premiere seiner eigenen Londoner Company vertreten war, erkundet mit „Uprising“ die extrem physische, virile Seite des Tanzes. Sieben Männer, barfuß und lässig in T-Shirts und Hosen gekleidet, voller Unsicherheit und latenter bis hin zu unverstellter Aggressivität. Die Sehnsucht nach Gemeinschaft liegt im Clinch mit brutalem Dominanzstreben.

Den Takt gibt die Musik vor: peitschende, elektronisch verzerrte Rock-Sounds, komponiert vom Profi-Schlagzeuger Shechter selbst. Ein starkes Statement und eine neue Farbe, durch die Shechter den Tanz unverkennbar bereichert.

Rätselhafte Amazonen in perfekt synchronen Formationen

Auch Gai Behar und Sharon Eyal, lange Jahre Tänzerin und später Hauschoreografin für Ohad Naharins Batsheva Company, lieferten mit „Killer Pig“ ihre internationale Visitenkarte ab. Für die Tanz-Company des Theaterhauses haben Eyal und Behar eine neue Fassung kreiert – besetzt mit sechs Tänzerinnen, wie bei der Uraufführung, und kondensiert auf 30 radikale Minuten. Die herbe Ästhetik und präzisen Bewegungen von „Killer Pig“ bilden das ideale Gegenstück zu Shechters „Uprising“: rätselhafte Amazonen in perfekt synchronen Formationen und verzweifelten Ausbrüchen, die jedes Klischee vom weiblichen Tanz sarkastisch pulverisieren.

Kaleidoskop mit Kultstatus

Der dritte Beitrag im Bunde ist „Minus 16“ von Ohad Naharin, der mit seiner Batsheva Dance Company als Großmeister des Tanzes aus Israel gilt. Mit „Minus 16“ schuf Naharin einen echten Meilenstein, schon bald nach der Premiere im Jahr 1999 hatte das Stück Kultstatus erlangt.

Wie in einem Kaleidoskop vereint es unterschiedlichste Episoden, Musiken und Stimmungen, die Naharin jeweils neu arrangiert und variiert – vom entfesselten Stuhlkreis mit kraftvollen, orientalisch angehauchten Gesängen bis zum entrückten Pas de deux zu Antonio Vivaldis „Stabat Mater“. Eine denkbar intensive Gruppenerfahrung für Tänzer und Publikum, die bis heute nichts von ihrer Anziehungskraft verloren hat.

Gauthier Dance – „Mega Israel“: 21. Dezember, 20 Uhr, sechs weitere Termine bis 31. Dezember, Theaterhaus, Tickets 07 11 / 4 02 07 20