Gazakrieg Ball liegt bei Netanjahu
Wenn Israels Premier den Vorschlag zur Waffenruhe zurückzieht, könnte er das vor niemandem rechtfertigen, kommentiert Israel-Korrespondentin Mareike Enghusen.
Wenn Israels Premier den Vorschlag zur Waffenruhe zurückzieht, könnte er das vor niemandem rechtfertigen, kommentiert Israel-Korrespondentin Mareike Enghusen.
Bei dem Kompromissvorschlag für eine Waffenruhe im Gazakrieg handelt es sich um einen israelischen Vorschlag – das haben die USA und Israel bestätigt. Nun haben die Terroristen schon in der Vergangenheit ihre Zustimmung zu Kompromissvorschlägen angedeutet, nur um anschließend neue Forderungen zu stellen. Sollten sie es dieses Mal aber ernst meinen, läge der Ball bei Netanjahu. Er müsste dann den Bruch mit seinen rechtsradikalen Koalitionspartnern riskieren, die bei dem Deal nicht mitziehen wollen.
Netanjahu lässt sich meist von innenpolitischen Erwägungen leiten. Träte er jedoch von Israels eigenem Vorschlag zurück, könnte er das kaum mehr rechtfertigen: nicht vor den verzweifelten Angehörigen der Geiseln, nicht vor der US-Regierung, Israels wichtigstem Partner, nicht vor der internationalen Gemeinschaft, nicht vor der Weltöffentlichkeit, die sich ohnehin schon zu großen Teilen von Israel abgewandt hat. Mit seiner Offenbarung, der Kompromissvorschlag komme von den Israelis, wollte Biden Netanjahu wohl unter Zugzwang bringen. Den Menschen auf beiden Seiten des Konflikts ist zu wünschen, dass der Trick funktioniert.