Gebäude am Hauptbahnhof Versatel-Hochhaus weicht neuem Büroturm

Von Hildegund Oßwald 

Nach mehr als drei Jahren Leerstand des Versatel-Gebäudes gegenüber des Hauptbahnhofs wird jetzt sogar ohne Vorvermietung der Büroräume gebaut.

Das Versatel-Gebäude soll noch in diesem Jahr abgerissen werden. Foto: Achim Zweygarth
Das Versatel-Gebäude soll noch in diesem Jahr abgerissen werden. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Die Tage des alten Versatel-Hochhauses gegenüber dem Hauptbahnhof sind gezählt. Nach mehr als drei Jahren Leerstand will die Carlyle-Group jetzt Ende Oktober mit dem Abriss beginnen.

Bis zum Frühjahr 2014 soll an der städtebaulich prominenten Stelle ein neues Bürozentrum entstehen - elf Stockwerke und an der obersten Stelle 40 Meter hoch und insgesamt 18.000 Quadratmeter groß, davon rund 13.500 Quadratmeter Büros für etwa 600 Beschäftigte und 1500 Quadratmeter für Läden, Gastronomie oder auch Konferenzräume im Erdgeschoss - je nach Bedarf der Mietinteressenten, die es bis jetzt noch gar nicht gibt.

"Wir bauen spekulativ, weil wir einen Bedarf in Stuttgart sehen. Der Markt für hochwertige Büros ist leer gefegt, und die Kunden wollen vorher schon etwas sehen", sagt Hartmut A. Glück vom Investor Carlyle. Bisher hatte man einen Baubeginn an eine Vorvermietung von 30 Prozent geknüpft, jetzt legt man in wirtschaftlich unruhigen Zeiten auch ohne Vorverträge los.

Ein wichtiges Stück Stadtreparatur

"Wir werden an der Stelle immer die Spitzenmiete bekommen", sagt Glück, ohne sich auf die aktuellen 18,50 Euro je Quadratmeter festlegen zu wollen. Als Zielgruppen hat er Unternehmensberater, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater oder Verbände im Visier. Ein Umzug des Landtages an diese Stelle, wie von Oberbürgermeister Schuster vorgeschlagen, ist kein Thema mehr.

Der im Jahr 2008 mit 35 Millionen Euro veranschlagte Neubau - aktuelle Zahlen werden noch nicht genannt - ist eines der bedeutendsten Büroprojekte in der Innenstadt. Es gilt als ein wichtiges Stück Stadtreparatur, weil das alte Versatel-Gebäude inzwischen von vielen eher als Schandfleck empfunden wird.

Das neue Bürozentrum entsteht nach den Plänen des Frankfurter Büros KSP Jürgen Engel Architekten (ehedem KSP Engel und Zimmermann), das vor drei Jahren den Planungswettbewerb gewonnen hat. Auch den Gewerbeteil der derzeit auf dem Areal hinter dem Hauptbahnhof entstehenden Pariser Höfe trägt die Handschrift von KSP Jürgen Engel Architekten.

Keine Bauprobleme in Zusammenhang mit Stuttgart 21

Der Versatel-Nachfolgekomplex, der den Namen Citygate erhalten soll, besteht aus zwei Gebäudeteilen, die durch ein gemeinsames Foyer verbunden sind. Die klassische Lochfassade wird laut Glück mit hellem Naturstein verkleidet werden. Die ursprünglich mit 200 Stellplätzen geplante Tiefgarage wird auf rund 150Plätze reduziert. Man müsse die vorhandene Baugrube nutzen und könne wegen Wasser führenden Schichten am Standort nicht tiefer gehen, so Hartmut A. Glück.

Bauprobleme in Zusammenhang mit dem Bahnprojekt Stuttgart 21 sieht er nicht: "Unser Projekt ist mit allen Nachbarn abgestimmt, auch mit der Bahn." Mit der Baugenehmigung rechnet das Unternehmen bis zum Frühjahr, der Abriss des alten Versatel-Hauses ist bereits bewilligt.

Der Neubau ist in Stuttgart das erste große Projekt der weltweit tätigen Carlyle Group mit Sitz in den USA. Das Unternehmen, das große Fonds für institutionelle Anleger auflegt, verwaltet nach eigenen Angaben Vermögensanlagen und Beteiligungen in einem Gesamtvolumen von rund 150 Milliarden US-Dollar.

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