Das älteste Pfarrhaus Württembergs in Markgröningen ist dringend sanierungsbedürftig. Foto: Julian Meier
Seit neun Jahren ist das älteste Pfarrhaus Württembergs nicht mehr bewohnt, weil eine dringend notwendige Sanierung aussteht. Nach vielen Verzögerungen kommt nun Bewegung in die Sache.
Seit 2018 ist Frank Dettinger bereits evangelischer Pfarrer in Markgröningen. Seitdem wartet er mit seiner Familie schon darauf, in seine Dienstwohnung einziehen zu können. Doch weil sich die Sanierung des ältesten Pfarrhauses in Württemberg immer wieder verzögert hat, wohnt er bis heute in einer Interimswohnung. Seine Enttäuschung darüber kann Dettinger nicht verhehlen: „Es hat sich schon Ernüchterung breitgemacht im Laufe der Jahre.“
Bis Dettinger tatsächlich in das Pfarrhaus am Kirchplatz 9 einziehen kann, werden wohl noch Jahre vergehen. Immerhin ist jetzt aber Bewegung in die Sache gekommen: Nach jahrelangen Verzögerungen wurde vor kurzem ein Architekturbüro beauftragt, um eine Machbarkeitsstudie zu erstellen. Im nächsten Jahr soll dann mit der Sanierung begonnen werden.
Pfarrhaus mit 775-jähriger Geschichte
Die Geschichte des denkmalgeschützten Gebäudes reicht bis in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück. Damals hatte Graf Hartmann I. von Grüningen vom Kaiser Markgröningen als Reichslehen erhalten. Er wollte die Stadt zu einem neuen Herrschaftszentrum ausbauen und ließ deshalb 1255 die Bartholomäuskirche anstelle der alten Pfarrkirche errichten und südlich davon ein Steinhaus – ein Teil des heutigen Pfarrhauses.
Der zweite Gebäudeteil wurde 1465/66 gebaut, als Markgröningen Sitz des Landkapitels wurde, eine Vorgängereinrichtung der heutigen Dekanate. Damals wurde Wohnraum für einen zweiten Pfarrer benötigt. Nach der Einführung der Reformation wurden die beiden Gebäudeteile 1543/44 schließlich vereinigt und das Portal erneuert.
Zur Vorstellung des Sanierungs-Fahrplans ist auch der Grünen-Landtagsabgeordnete Markus Rösler (Mitte) gekommen, für den das Projekt „ein persönliches Anliegen“ ist. Foto: Julian Meier
Das Pfarrhaus ist damit eines der ältesten Wohngebäude im Regierungsbezirk Stuttgart – also in ganz Nordwürttemberg. Doch seit dem Auszug von Dettingers Vorgänger im Jahr 2017 steht die Wohnung leer. „Wenn es nach uns geht, sollte das Pfarrhaus für sein neuntes Jahrhundert als Wohngebäude ertüchtigt werden“, sagt Petra Schad, die 25 Jahre lang als Stadtarchivarin tätig war und nun Teil des Sonder-Bauausschusses ist.
Schon seit 1998 wird über eine Kernsanierung diskutiert. Dass die dringend notwendig ist, wird schon von außen sichtbar. Die Löcher in der Fachwerkfassade sind noch das geringste Problem. Zwischendrin wollte das Land als Eigentümer das Gebäude ablösen, also an die Kirchengemeinde übergeben und eine Ablösesumme bezahlen. Doch das war keine Option, wie der Vorsitzende des Kirchengemeinderates Armin Bäßler erklärt: „Die jahrzehntelang unterlassene Sanierung durch das Land führt zu erheblichen Mehrkosten.“
Kirchengemeinde übernimmt Bauherrschaft
2018 gab das Land die Zusage, das Pfarrhaus für eine Wohnung zu sanieren; es war die Rede von einem Sanierungsbeginn im Jahr 2020. Durch die Corona-Pandemie kam es zu weiteren Verzögerungen, zwischenzeitlich sprang auch noch der Architekt ab. Im Frühjahr 2024 starteten dann neue Verhandlungen.
Der Kompromiss, der nun gefunden wurde, besagt, dass das Pfarrhaus dauerhaft in Landesbesitz bleiben und aus Landesmitteln saniert werden soll. Dafür wurde der Sanierungsplan abgespeckt. Die Bauherrschaft hat nicht wie sonst üblich das Land, sondern die Kirchengemeinde, die sich in einem Sonder-Bauausschuss konstituiert hat. Dieser Sonderfall kam deswegen zustande, weil im zuständigen Amt für Vermögen und Bau Personalmangel herrscht – man die Sanierung aber nicht noch weiter hinauszögern wollte.
Persönliches Anliegen des Landtagsabgeordneten
Als eine seiner ersten Tätigkeiten suchte der Sonder-Bauausschuss nach einem geeigneten Architekten und wurde dabei in Vaihingen an der Enz fündig. Das Büro „Markus Pfeil Architekten“ soll nun bis Ende des Jahres eine Machbarkeitsstudie vorlegen; anhand der Ergebnisse soll dann ein genauer Kosten- und Zeitrahmen festgelegt werden. Die tatsächliche Gebäudesanierung soll im kommenden Jahr beginnen.
Dass die Sanierung in dieser Form endlich zustande kommt, hat Markgröningen auch dem Grünen-Wahlkreisabgeordneten Markus Rösler zu verdanken, für den die Sanierung des historischen Gebäudes ein „ganz großes persönliches Anliegen“ ist. „Ich begleite das Projekt jetzt seit über zehn Jahren“, sagt er. Mit der zuständigen Finanzstaatssekretärin Gisela Splett sei er seitdem in ständigem Austausch. „Es gibt wenige Gebäude in Baden-Württemberg, die die Finanzstaatssekretärin von den Akten her so gut kennt wie das Pfarrhaus in Markgröningen.“
Auch wenn Rösler nach der Landtagswahl im März als Abgeordneter ausscheiden wird, will er sich trotzdem weiter um das Projekt kümmern. Schließlich sei die ausgebliebene Sanierung ein nicht tragbarer Missstand gewesen. „Ich freue mich wirklich riesig, dass das Projekt jetzt umgesetzt werden und Herr Dettinger dann hoffentlich irgendwann einziehen kann“, sagt Rösler. Es kann sich nur noch um Jahre handeln.