Das Polizeirevier Sindelfingen ist seit bald 40 Jahren im ehemaligen Volksschulgebäude untergebracht. Foto: /Stefanie Schlecht
Dass das Polizeirevier Sindelfingen aus seinem angestammten Domizil weggeht, ist mittlerweile sicher. Doch wann und wohin, daran arbeiten gerade verschiedene Stellen. Und was passiert mit dem alten Gebäude, in dem erhöhte Werte des Gases Radon gefunden wurden?
Wer umziehen will, der schaut in die Kleinanzeigen, scrollt durch Internetportale oder fragt direkt beim bisherigen Vermieter an. Es dauert in der Regel etwas, aber meist lässt sich etwas finden, was den Vorstellungen entspricht. Aber wie geht ein Polizeirevier vor, wenn die alte Bleibe den Ansprüchen nicht mehr gerecht wird? Dass die PolizeiSindelfingen ihr Domizil in dem denkmalgeschützten Gebäude in der Gartenstraße 4 über kurz oder lang räumen soll, steht schon seit einiger Zeit fest. 2022 hatte der Pressesprecher des zuständigen Polizeipräsidiums Ludwigsburg die Gerüchte bestätigt. Zwei Jahre später werden die Pläne langsam konkreter. Wann kann der Umzug stattfinden?
Der Eingang des Polizeireviers. /Stefanie Schlecht
Die Verantwortung dafür liegt beim Amt für Vermögen und Bau (VBA) in Ludwigsburg. Es ist dafür zuständig, die Immobilien des Landes Baden-Württemberg zu betreuen – als Eigentümer, Bauherr und Betreiber. In dieser Funktion hat es das Polizeigebäude von der Stadt Sindelfingen angemietet – und schaut sich „schon länger“ nach alternativen Unterbringungen um. „Das Gebäude der Stadt Sindelfingen, welches das Polizeirevier derzeit beherbergt, ist aus vielen Gründen sanierungsbedürftig“, heißt es vom Abteilungsleiter für Immobilienmanagement, Raffael Sänger.
Nicht barrierefrei und marode
Konkreter wird Michaela Hornung, stellvertretende Sprecherin im baden-württembergischen Finanzministerium. Es gebe bauliche und technische Mängel, die nicht mit einer Sanierung im laufenden Betrieb beseitigt werden könnten. Das betrifft etwa die Sanitäranlagen. Barrierefrei ist das aktuelle Polizeirevier auch nicht. Wer mit Rollstuhl oder Kinderwagen ins Gebäude will, muss von hinten kommen. Aber: selbst wenn das Haus generalsaniert würde, aufgrund des Denkmalschutzes wäre es dann immer noch mittel- und langfristig ungeeignet für eine polizeiliche Unterbringung, betont Sänger.
Sicherheitsbedenken treiben die Nutzerinnen und Nutzer um. Ein modernes Polizeirevier, in dem die sicherheitstechnischen Anforderungen erfüllt würden, sei in dem denkmalgeschützten Haus nicht zu realisieren. Zu allem Überfluss seien im Polizeirevier auch erhöhte Werte des radioaktiven Gases Radon festgestellt worden. Es kann gesundheitsschädlich sein. „Deshalb betreibt die Stadt als Eigentümerin und Vermieterin zur Verbesserung der Raumluftqualität derzeit eine Be- und Entlüftungsanlage“, sagt Hornung.
Verhandlungen laufen
Heißt also, das bisherige Domizil muss aufgegeben werden. „Für die vorgesehene Neuunterbringung wurden von Vermögen und Bau ein Neubau und Mietlösungen geprüft“, so Hornung. Ein geeignetes Grundstück für einen Neubau habe man in Sindelfingen allerdings nicht finden können. Nach langer Suche habe man nun aber ein mögliches Mietobjekt gefunden, verkündete das Ministerium für Finanzen jetzt. Raffael Sänger vom VBA bestätigt: „Es wurde zwischenzeitlich ein Gebäude gesichtet, welches zur Unterbringung des Polizeireviers grundsätzlich geeignet sein und durch das Land angemietet werden könnte.“
Unterschrieben ist noch nichts, daher wollen die Beteiligten nicht konkreter werden, um welches Gebäude es sich handelt. Das könne die Vertragsverhandlungen gefährden. Jetzt muss geprüft werden, ob und mit wie viel Aufwand das Gebäude für die Unterbringung der Polizei mit ihren besonderen Anforderungen an Sicherheit fit gemacht werden kann. Auch das Energie- und Klimaschutzkonzept des Landes müsse umgesetzt werden können. „Dazu laufen aktuell Gespräche mit dem Eigentümer“, sagt die Sprecherin des Finanzministeriums. Einen genauen Zeitplan gebe es allerdings noch nicht.
Das Polizeirevier Sindelfingen hat es in sich
Die Belegschaft Beim Polizeirevier Sindelfingen sind rund 100 Mitarbeitende beschäftigt. Diese verrichten ihren Dienst zum einen im Streifendienst (24-Stunden-Wechselschichtdienst) und zum anderen im Ermittlungsdienst (Tagesdienst). Für ein Polizeirevier ist diese Aufteilung klassisch.
Die Geschichte Das Polizeirevier ist seit 1987 in der Gartenstraße untergebracht. Vorher war die Polizei in der heutigen Galerie am Marktplatz untergebracht.
Das Bestandsgebäude Die als Baudenkmal gelistete ehemalige Volksschule Gartenstraße wurde von 1904 bis 1905 erbaut. Sindelfingen war damals mit rund 4300 Einwohnern gerade mal so groß wie ein Dorf. Die Bauplanung lang in Händen von Otto Baumann, Böblinger Oberamtsbaumeister. Die Bauleitung hatte Georg Bürkle (1875-1962), ein in Sindelfingen umtriebiger Architekt. Seine Handschrift trugen rund 100 Häuser, von denen nur noch ein kleiner Teil übrig ist. Bürkle war auch Bauleiter der Schnödeneck-Siedlung von Paul Schmitthenner.