Gebäudeensemble in Bad Cannstatt Ruf nach Erhalt stadtteilprägender Häuser

Von Uli Nagel 

Das Gebäude Daimlerstraße 100 steht seit Jahren leer. Statt des vorgesehenen Abrisses wird die Sanierung durch die Stadt gefordert – auch für die Gebäude Veielbrunnenweg 23 und 25.

Das Gebäude Daimlerstraße 100: heruntergekommen, aber markant und stadtteilprägend. Der Bezirksbeirat spricht sich gegen den Abriss aus. Foto: Uli Nagel
Das Gebäude Daimlerstraße 100: heruntergekommen, aber markant und stadtteilprägend. Der Bezirksbeirat spricht sich gegen den Abriss aus. Foto: Uli Nagel

Bad Cannstatt - Stadtteilprägende Gebäude zu erhalten ist ein Ziel, das insbesondere für ein Sanierungsgebiet gilt. Genau so ein Gebäude steht nach Meinung der Cannstatter CDU im Veielbrunnengebiet in der Daimlerstraße 100. Mit seiner hässlichen, gelblichen Farbe und den zugenagelten Türen wirkt es allerdings ziemlich heruntergekommen. Zumal an der Fassade der Putz bröckelt und die Fenster in einem erbarmungswürdigen Zustand sind. Das Haus befindet sich in städtischen Besitz, steht seit Jahren leer und soll abgerissen werden. Eigentlich.

In einem Antrag fordert die CDU-Bezirksbeiratsfraktion die Stadt auf, das Haus zu sanieren und zu vermieten. Bekanntermaßen ist in der Landeshauptstadt vor allem Wohnraum zu moderaten Preisen knapp. Der Bezirksbeirat stimmte dem Anliegen zu und erweiterte die Forderung: Falls möglich sollen auch die beiden direkt angebauten Gebäude Veielbrunnenweg 23 und 25 vor dem Abriss bewahrt werden. „Das Thema liegt uns seit Jahren am Herzen“, sagt Peter Mielert (Grüne). „Für uns handelt es sich um Zweckentfremdung von Wohnraum durch die Stadt. Die bewusste Vernachlässigung zum Zwecke des späteren Abrisses widerspreche dem Ziel des Sanierungsgebietes, ortsbildprägende Gebäude zu erhalten.

Moderniesierung wäre sehr teuer

Abriss oder Sanierung? Das Thema gärt schon lange. Genaugenommen seit Juli 2011. Damals stellte das Stadtplanungsamt dem Bezirksbeirat neue Wegebeziehungen im Veielbrunnengebiet vor. Unabhängig davon wollte die Stadt das Wohnquartier optisch aufwerten. In diesem Zusammenhang wurden drei Gebäude, die entlang der neuen Wegebeziehung stehen, unter die Lupe genommen: die Daimlerstraße 100 sowie der Veielbrunnenweg 23 und 25. Alle wurden laut Stadtplanungsamt Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut und 2007 von der Stadt erworben – damals, um Platz zu schaffen für das einst geplante Mobilitäts- und Erlebniszentrum. Die Stadt wollte die drei Gebäude abreißen lassen, denn ein Gutachten hatte damals ergeben, dass eine umfassende Modernisierung der drei Häuser mit zusammen gut 2,2 Millionen Euro zu teuer wäre.

Diese Beurteilung kam beim Cannstatter Bezirksbeirat überhaupt nicht an. Roland Schmid (CDU) hatte damals auch auf den Technikausschuss verwiesen, der einem Abriss der drei Gebäude nicht zugestimmt hatte. Unterstützt wurde er von Peter Mielert (Grüne), der ebenfalls massiv für den Erhalt des Ensembles stimmte.

CDU, Grüne und Architektenkammer für Erhalt

Vier Jahre später starteten die Grünen den nächsten Rettungsversuch. Die Gemeinderatsfraktion hatte eine Anfrage zum Gebäude an der Daimlerstraße 100 gestellt. Die Stadträte fordern darin, das städtische Wohngebäudeensemble Daimlerstraße 100/Veielbrunnenweg 23/25 zu erhalten. „Es bildet eine markante Betonung der Ecksituation Daimlerstraße und Veielbrunnenweg und hat einen straßenbildprägenden Charakter“, hieß es in der Begründung. Die Häuser liegen zudem in einem Sanierungsgebiet, dessen Neuordnungskonzept ausdrücklich den Erhalt solcher „prägenden Ensembles“ fordere. Im Technikausschuss sei daher einstimmig entschieden worden, die Gebäude Daimlerstraße 100 und Veielbrunnenweg 23/25 zunächst nicht abzubrechen, sondern eine Ausschreibung zum Erwerb durch einen privaten Investor durchzuführen. Laut der Grünen sei dieser Beschluss niemals umgesetzt worden.

Im Januar 2016 meldete sich schließlich die Architektenkammer zu Wort: „Bauhistorische Ankerpunkte sind für die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt zunehmend wichtig. Auch der wohnbaupolitische Aspekt einer vergleichsweise schnell umsetzbaren Sanierung im mittleren bis unteren Preis- und Größensegment erscheint angesichts des zunehmenden Mangels an preiswertem Wohnraum die richtige Lösung.“

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