Geballtes Kulturangebot in Böblingen und Sindelfingen Mit Volldampf durch die Lange Museumsnacht

Im Atelierhaus Sindelfingen gibt es für Eisenbahnfans bei der Museumsnacht einiges zu bestaunen. Foto: Kreiszeitung Böblinger Bote/Thomas Bischof

Am Samstag findet wieder die Lange Nacht der Museen in Böblingen und Sindelfingen statt. Zwischen viel Vertrautem gibt es neue Ansätze und eine Portion Protest.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Die Lange Nacht der Museen ist eine bunte Leistungsschau der Böblinger und Sindelfinger Kulturszene. Was beide Städte in Sachen Kultur gemeinsam zu leisten im Stande sind, wird nie so deutlich wie in dieser einen Nacht im November, in der städtisches, privates und ehrenamtliches Engagement ein vielschichtiges und vielfältiges Gesamtbild ergibt.

 

18 Räume stehen bei dieser 22. Auflage am kommenden Samstag, 16. November, für das Publikum offen – und in jedem dieser Räume warten Kulturerlebnisse für alle Sinne. Böblingens Kulturamtsleiter Sven Reisch spricht von einem „Hochfest der interkommunalen Zusammenarbeit“, schließlich zeigen er und sein Sindelfinger Amtskollege Markus Nau hier, dass die beiden Städte zumindest auf kultureller Ebene durchaus an einem Strang ziehen können.

Erstmals ist das katholische Dekanatshaus mit dabei

Zwischen etablierten und beliebten Angeboten finden sich wieder einige Neueröffnungen – zum Beispiel im Deutschen Fleischermuseum und in der Galerie der Stadt – sowie neue Teilnehmende wie das Böblinger Dekanatshaus 12, das sich mit einer Ausstellung über Alttestamentarische Frauenbilder und Livemusik von Kieran’s Garden beteiligt.

Einen neuen Ansatz zu vermeintlich Altbekanntem verfolgt der Künstler Marinus van Aalst mit seinen „Erinnerungsräumen“. Die Dauerausstellung im Keller der Aussegnungshalle auf dem Alten Friedhof in Böblingen setzt sich seit 2011 eindringlich und einfühlsam mit den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf Böblingen auseinander.

In diesem Jahr erweitert das Duo Deuce mit Judith Goldbach (Kontrabass) und Andreas Francke (Saxofon, Klarinette) das Besuchserlebnis jeweils um 18.30, 19.30 und 20.30 Uhr um eine musikalische Dimension. „Sie wollen den Raum auf sich wirken lassen und dazu improvisieren“, sagt van Aalst.

Eine weitere Neuerung bei der Museumsnacht ist ein von Monika Heber-Knobloch organisiertes interkulturelles Konzertprojekt. Die Tanzpädagogin präsentiert gemeinsam mit einem international besetzten Ensemble um 20 Uhr Lyrik, Textbeiträge und Tanz in der Martinskirche. Unter dem Motto „gemeinsam singen, gemeinsam feiern, gemeinsam bewegen“ gewähren neun Menschen aus acht Ländern (darunter Syrien und die Ukraine) persönliche Einblicke in Schicksale und Gefühlswelten.

Unter dem Motto „Ein Galerist plaudert aus dem Nähkästchen“ erzählt am Böblinger Marktplatz Marko Schacher Kunstgeschichten und zeigt Höhepunkte aus fünf Jahren Galerieprogramm. Musikalische Klangwelten und Videokunst erwartet die Gäste im Blauen Haus in Böblingen und das Böblinger Stadtforum widmet sich an gleich drei Orten dem Thema „Klimawandel“ – und zwar in der Zehntscheuer, der Unteren Gasse und im Neuen Rathaus.

Kinder und wohl vor allem kindgebliebene Männer mit einer Vorliebe für Dampfloks und Eisenbahnromantik sollten einen Besuch im Atelierhaus in der Sindelfinger Stiftstraße einplanen. Die Künstlerin Sabina Hunger arbeitet hier mit den Dampfbahnfreunden Sindelfingen zusammen und zeigt in der Ausstellung „Eisenbahn en miniature“ betriebsfähige Kleinlokomotiven und Aquarelle des auf Eisenbahnmotive spezialisierten Nürnberger Künstlers Peter Bomhard.

Leiterin Lea Wegner zeigt im Bauernkriegsmuseum die Ausstellung „Der Aufstand in Person.“ /Stefanie Schlecht

Nicht weit entfernt, in der Galerie im Oberlichtsaal neben der Stadtbibliothek, präsentiert Sabina Hungers Ehepartner Felix Sommer eine neue Ausstellung im Zeichen des Kafka-Jahres. „Verwandlung“ nennt die Künstlerin Sarah Lehnert ihre bildliche Auseinandersetzung mit der Gedankenwelt des Autors. Lehnert wird selbst durch die Ausstellung führen, die Malerin und Sängerin Nicole Bianchet wird Chansons vortragen.

Im Vorfeld zum 500-Jahr-Gedenken an den Bauernkrieg spielt dieser Protest auch bei der Museumsnacht eine wichtige Rolle, darunter beim Kunstverein Böblingen und in der Böblinger Zehntscheuer mit Deutschem Bauernkriegsmuseum und Städtischer Galerie. Die Sonderausstellung „Der Aufstand in Person“ bildet dabei den Auftakt zu einer Vielzahl an Projekten, die Lea Wegner, die Leiterin des Bauernkriegsmuseums, in Zusammenarbeit mit Böblingens Kulturschaffenden für 2025 Jahr plant.

Für Kinder ist einiges geboten

In der Städtischen Galerie ist man ebenfalls auf Widerstand gepolt: „. . . noch mehr Protest!“ heißt die dortige Ausstellung über Kampfgeist in der Kunst. „Mein Outfit wird entsprechend sein“, kündigt Corinna Steimel augenzwinkernd an. Die Galerieleiterin kleidete sich zuletzt bei der Museumsnacht passend zur Epoche der Dauerausstellung gerne mal im Charlestonkleid. Diesmal dürfe man wohl eher etwas „Punkiges“ erwarten.

Wie gewohnt, bietet die Museumsnacht auch einiges für Kinder – darunter in der Zehntscheuer die Kunstdruck-Aktion „Printing Democracy“ (für die man eigene Stempel mitbringen darf) und eine Bastelwerkstatt, in der Meisenknödel und Futterhäuschen für Vögel in der Winterzeit hergestellt werden. Im Stadtmuseum in der Nachbarstadt macht weiterhin die Ausstellung über Ritter Rost und seinen Sindelfinger Erfinder Jörg Hilbert Kinder froh und im Schauwerk werden farbenfrohe Windlichter und Neon-Buttons gebastelt.

Zwei Städte, eine Nacht, 18 Räume

Programm
 Die 22. Lange Nacht der Museen in Böblingen und Sindelfingen findet von 18 bis 24 Uhr statt. Der Flyer mit allen Programmpunkten liegt in den teilnehmenden Einrichtungen aus ist oder steht über die jeweilige Homepage der beiden Städte als Download zur Verfügung. Der Eintritt zu Museen und Veranstaltungen ist frei, für Speisen und Getränke fallen Gebühren an.

Verbindung
 Ein kostenloser Shuttlebus pendelt im Halbstundentakt zwischen Böblingen und Sindelfingen. 

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