Gebürtiger Honduraner in Ludwigsburg Vom Tellerwäscher zum Kaffeeröster
Zwei Ludwigsburger Unternehmerinnen machen gemeinsame Sache mit einem passionierten Kaffeebauern und -röster. Der Weg von Jairo Romero ist ein ganz besonderer.
Zwei Ludwigsburger Unternehmerinnen machen gemeinsame Sache mit einem passionierten Kaffeebauern und -röster. Der Weg von Jairo Romero ist ein ganz besonderer.
Wenn man Jairo Hernandez Romero auf seinen Kaffee anspricht, dann funkeln seine Augen. Bei ihm ist Kaffee viel mehr als das Aufbrühen eines Heißgetränks. Es ist eine Prozedur, die Zeit braucht und bei der es auf allerlei Feinheiten ankommt. Ein bisschen Stolz schwingt mit, wenn er einem als letzten Schritt das schwarze Gold in eine Tasse gießt. Zurecht. Denn für ihn gilt dasselbe wie für seine Bohnen: es war ein langer Weg bis hierher.
Romeros Kaffee kommt aus Honduras nach Deutschland, der 31-Jährige veredelt die Bohne dann hier. Dass das, was er in seine Maschinen füllt, qualitativ hochwertig ist, da ist sich Romero sicher. Denn die Sträucher, von denen die Bohnen stammen, gehören seiner Familie, die die Bohnen von Hand erntet. Begonnen hat sie damit vor mehr als 30 Jahren. Zwar gibt es inzwischen selbst in Supermärkten Fairtrade-Kaffees zu kaufen und kleine, regionale Röstereien sind keine Seltenheit. „Einen Kaffeebauer, der selbst röstet und die Bohnen ohne Zwischenhändler nach Deutschland bringt, das gibt es aber eigentlich nicht“, sagt Deborah Schulze.
Die 37-Jährige hat gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Tabea Lerch (36) zumindest einen kleinen Anteil daran, dass Kaffee-Enthusiast Romero seinen Kaffee nicht mehr im stillen Kämmerlein – respektive seiner Küche in Ludwigsburg-Oßweil – röstet, sondern nun die Ludwigsburger in der Innenstadt damit beglückt. Die beiden Gründerinnen des Online-Stadtmagazins „Hallo Ludwigsburg“ sind umtriebig. Ein Wimmelbuch der Barockstadt haben sie auf den Markt gebracht, Postkarten auch. Ende des vergangenen Jahres hatten sie sich auf die Suche nach einem Büro gemacht. Fündig wurden sie in der Eberhardstraße. Aus der ursprünglichen Idee ist nun aber viel mehr geworden.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Ludwigsburg bekommt gleich zwei Wimmelbücher
Das Büro ist gleichzeitig ein Pop-up-Store, in dem Romero Kaffee röstet und die beiden Mütter, neben ihren eigenen, Produkte von regionalen Labels anbieten. „Wir wollten auch der Kreativszene in Ludwigsburg ein Angebot machen“, sagt Schulze. Die können sich für Workshops treffen, Lesungen oder kleine Konzerte gibt es auch. Und eben den „Kaffee Romero“, frisch aufgebrüht oder zum Mitnehmen als ganze Bohne.
Dass die Mini-Rösterei in den gerade einmal 35 Quadratmeter mit einzog, wurde – wer hätte es gedacht – beim Kaffeetrinken beschlossen. Allerdings nicht mit Jairo Romero selbst, sondern mit seiner Frau, die Lerch schon kannte. Esther Fries ist der Grund, warum der Honduraner in Deutschland gelandet ist. Er sei von seiner Frau importiert worden, sagt er. „Nun importiere ich Kaffee.“ Zu dem Geschäft gehöre sein Frau fest dazu, „sie ist das Rückgrat“.
Kennengelernt und verliebt haben sich die beiden auf einem Kreuzfahrtschiff, wo Romero als Tellerwäscher und im Housekeeping arbeitete, Fries war in einem der Shops angestellt. Angeheuert hatte er auf See, weil er seiner Familie mehr Selbstständigkeit bei der Kaffeeproduktion ermöglichen wollte und ihnen faire Preise zahlen wollte. Dafür braucht er Geld. Es zu verdienen, damit hat Romero früh in seinem Leben angefangen. Harte Arbeit ist er gewohnt. Mit gerade einmal fünf Jahren half er zum ersten Mal auf der Kaffee-Farm. Spaß gemacht habe das nicht immer. Aber es hat ihm gezeigt, was man mit harter Arbeit alles erreichen kann. „Viel“, sagt Romero. Er verkaufte Popcorn auf dem Schulhof, wollte später zur Polizei, musste die Ausbildung aber wegen einer Allergie abbrechen. Stattdessen schuftete er in einer Goldmine. Diese Tätigkeit verhalf ihm später, in Deutschland Fuß zu fassen und zu einem Job als Baggerfahrer.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Spezialitäten-Kaffee rund um Stuttgart
Romeros Geschichte ist eine von vielen Auf und Abs. Er weiß, was es heißt auf der Straße leben zu müssen. In den USA hatte der Vater einer Tochter sein Glück ebenfalls schon versucht und es immerhin vom Kellner bis zum Koch gebracht. Irgendwann wurde er aber ausgewiesen und musste zurück in die Heimat.
Begleitet hat ihn in all der Zeit seine Liebe zum Kaffee. Die sei ihm quasi in die Wiege gelegt worden. Statt Milch habe er schon als Baby Kaffee bekommen, sagt Romero und guckt ein bisschen spitzbübisch. So richtig weiß man nicht, ob er das ernst meint. Ernst meint er es aber mit dem Kaffee, über den er stundenlang reden kann. Darüber, wie Bohnen auf verschiedene Temperaturen reagieren, welche Röstung sich für welche Zubereitungsmethode eignet – Romero schwört auf Filterkaffee – und auf welche Geschmacksrichtung die Deutschen weniger stehen („Fruchtig geht nicht so gut“).
Lesen Sie aus unserem Angebot: Kaffeetest in Ludwigsburg – Wo gibt es den besten?
Romero scheint sein Glück mit den kleinen Bohnen nun in Deutschland gefunden. Davon profitiert auch die Familie in Honduras, der er endlich faire Preise für den Kaffee bezahlen kann. Für die Röstmaschinen musste Romero mehrere Zehntausend Euro hinblättern, bezahlt hat er alles aus eigener Tasche und mit dem Geld, das er sich über die Jahre zusammen gespart hat. Einen Kredit bekam er nicht. Deshalb steht für den Kaffeeröster von Ludwigsburg fest: das hier wird der letzte Job in seinem Leben sein.