Geburtstag Astronom aus Leidenschaft

Hans-Ulrich Keller, der frühere Leiter des Planetariums in Stuttgart, wird am Sonntag 70 Jahre alt. Foto: dpa
Hans-Ulrich Keller, der frühere Leiter des Planetariums in Stuttgart, wird am Sonntag 70 Jahre alt. Foto: dpa

Auch im Ruhestand setzt sich Hans-Ulrich Keller, der frühere Leiter des Planetariums in Stuttgart, für sein Fach ein. Er vermittelt Begeisterung für die Himmelsbeobachtung und kämpft gegen die Lichtverschmutzung. Am Sonntag wird er 70 Jahre alt.

Wissenschaft: Rainer Klüting (klü)
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Stuttgart - Vor fünf Jahren hat Hans-Ulrich Keller die Leitung des Stuttgarter Planetariums an Uwe Lemmer übergeben. Doch wenn man den Pensionär wenige Tage vor seinem siebzigsten Geburtstag am Sonntag sucht, dann findet man ihn am besten im Planetarium. Von Ruhestand keine Spur: meist sechs Tage in der Woche, manchmal auch sieben, sei er dort, erzählt er. Eine Art freier Mitarbeiter sei er und betreue die Bibliothek. Das darf man aber nicht so verstehen, dass aus Stuttgarts bekanntem Astronomen und Honorarprofessor an der Universität Stuttgart ein braver Bibliothekar geworden sei. Dazu ist Keller viel zu umtriebig. Unter anderem betreut er weiterhin die mit dem Planetarium eng verbundene Sternwarte Welzheim, und gerade erst seit wenigen Tagen hat er die neueste Ausgabe seines Jahrbuchs „Kosmos Himmelsjahr 2014“ in den Händen, das er seit 1981 herausgibt und das der Internet-Buchhändler Amazon als „Bestseller Nr. 1 in Astronomie“ führt.

Bei seiner Verabschiedung vor fünf Jahren freute Keller sich, dass er in Zukunft mehr Zeit für seine Forschungsarbeiten haben werde. Die Zeit nimmt er sich. Im Juni war er zwei Wochen am Gamsberg-Observatorium in Namibia, „um den Südhimmel zu beobachten“. Das Stichwort genügt, und die Begeisterung für den Sternenhimmel, die er seit 1977 Millionen von Besuchern des Planetariums vermittelt hat, bricht aus ihm hervor. Dort, in der trockenen Luft Namibias, könne man besonders schön das Zodiakallicht beobachten, eine schwache Leuchterscheinung, die entsteht, weil das Licht der Sonne an einer Gas- und Staubwolke reflektiert wird, welche die Sonne umgibt. In unseren Breiten sieht man es schlecht, weil der Himmel zu hell ist – durch Staub, durch viele Lichtquellen. Für einen begeisterten Himmelsbeobachter wie Keller ist das ein Trauerspiel. „Die meisten Menschen unter dreißig haben noch nie die Milchstraße gesehen.“

Schade, dass so viele die Milchstraße noch nie gesehen haben

Vor zehn Jahren hatte er deswegen internationalen Besuch im Planetarium. Auf dem „International Dark Sky Symposium“ war das Thema die Lichtverschmutzung, das Schwinden des „dunklen Himmels“. Ein wenig habe sich seitdem getan, sagt Keller optimistisch. Das Thema sei „stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit“ gelangt, und mancherorts, wie auch in seinem Wohnort Ostfildern, seien sogar geänderte Straßenlaternen aufgestellt worden, deren Licht nach unten leuchtet, auf die Straße, und nicht nach oben, in den Himmel. Insgesamt allerdings habe die nächtliche Beleuchtung eher zugenommen. Gerade engagiert er sich auch in einer „lokal begrenzten Aktion“ in den Tauern in Österreich. Auch dort führt der Tourismus zu mehr Licht in der Nacht. Die Bevölkerung sei gespalten, erzählt Keller. Naheliegend, dass er und seine Kollegen sich für die nächtliche Dunkelheit einsetzen.

Auch im Oktober wird Keller wieder auf Beobachtungstour sein. Vorher aber, Ende September, feiert er in Tübingen 150 Jahre Astronomische Gesellschaft, in deren Vorstand er 20 Jahre war. In der Keplergesellschaft in Weil der Stadt falle „das übliche Geschäft“ an, sagt er, und seit ein paar Jahren ist er außerdem Kuratoriumsvorsitzender der Ellen-und-Max-Woitschach-Stiftung für ideologiefreie Wissenschaft, für die ebenfalls der Astronom Johannes Kepler eine Rolle spielt, weil der am Anfang des 17. Jahrhunderts der Erste war, der mit der jahrhundertealten religiös motivierten Voreingenommenheit aufräumte, die Bahnen der Planeten um die Sonne müssten Kreise sein. Aktuelles Thema der Stiftung, sagt Keller, seien Voreingenommenheiten in der Debatte über den Klimawandel.

Gerade fünf Jahre ist es auch her, dass Keller sich erwartungsvoll auf ein neues Planetarium in Stuttgart freute. Der damalige Oberbürgermeister Schuster hatte es in Bad Cannstatt geplant. Die Pläne sind inzwischen aufgegeben, aber Keller wird immer noch häufig gefragt, ob denn das alte Planetarium schon abgerissen sei – obwohl ein Abriss des denkmalgeschützten Gebäudes nie vorgesehen war. „Es wird dort stehen bleiben“, sagt er nüchtern. Und als Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung des Planetariums Stuttgart und der Sternwarte Welzheim macht er sich Gedanken darüber, dass die Technik des künstlichen Sternenhimmels erneuert werden muss und dass die vielen Zehntausend Besucher, die von außerhalb zum Planetarium strömen, keine Parkplätze finden.

Geburtstag? Ja, den hat er auch noch. Was er da tun wird? „Ich mag über ungelegte Eier nicht reden.“ Und außerdem hat er Personenkult noch nie leiden können. Belassen wir es also dabei, ganz schlicht dem langjährigen Astronomie-Autor der Stuttgarter Zeitung alles Gute zum runden Geburtstag zu wünschen.

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