Franco Nero ist und bleibt in unseren Köpfen der Westernheld Django. Am Mittwoch wird der Mann mit dem Sarg siebzig Jahre alt.
Stuttgart - Im Jahr 1966 stapft Franco Nero durch schweren Matsch in die Kinogeschichte. Man sieht ihn zunächst nur von hinten, er ist dunkel gewandet, trägt Stiefel, eine Nordstaaten-Kavalleriehose, einen langen Mantel, einen breitkrempigen Hut und auf den Schultern einen Sattel, dem irgendwie und irgendwo das Pferd abhanden gekommen ist. Vor allem aber zieht dieser große, kräftige Mann unbeirrt und stoisch einen Sarg hinter sich her!
Zwei Jahre vorher hatte Sergio Leone die Geburt des Italowestern eingeläutet und in seinem Film "Für eine Handvoll Dollar" den Amerikaner Clint Eastwood als namenlosen Fremden zum Ruhm reiten lassen. Der Leone-Konkurrent Sergio Corbucci aber, der in diesem Genre nun den Italiener Franco Nero groß herausbringt, gibt seinem Helden schon im feurig roten Titel einen Namen, der nicht nur weit über seinen Film, sondern auch weit über das Kino hinaushallen wird: "Django"!
Was verbirgt sich in dem Sarg?
So wortkarg, stoppelbärtig und charismatisch wie Eastwood hockt Franco Nero als Django jetzt in einem Saloon, hat den Sarg am Tisch abgestellt, löffelt seinen Eintopf, trinkt sein Bier, legt sich Karten. Alles mit einer aufreizenden Ruhe, die er auch beibehält, als ein rassistischer Ex-Südstaaten-Colonel und ein paar seiner Männer auftauchen und ihn einkreisen. Nur ein paar Mal blitzen unter der Krempe von Djangos Hut zwei wasserhelle Augen auf wie Stand-by-Lichtlein. Und dann wechselt der Aggregatszustand des Helden plötzlich in den Power-Modus, Schüsse fallen, innerhalb von Sekunden liegen vier, fünf Angreifer am Boden. Den Colonel lässt Django davonkommen, der darf kurz darauf erneut gegen ihn antreten, diesmal mit vierzig seiner Ku-Klux-Klan-Kapuzenträger, und als die sich im Morast der Main Street dem wartenden Django nähern, sieht der sich endlich bemüßigt, das Geheimnis seines Sarges zu lüften: Deckel auf, Maschinengewehr raus!
Wenn man "Django" jetzt wieder sieht, wird man Zeuge eines Mysterienspiels, ja, einer Passionsgeschichte, in welcher der Held nicht nur eine geschundene Frau namens Maria rettet, sondern auch als krude Mischung aus gemartertem Christus und Tod zum Finale bittet - natürlich auf einem Friedhof. "Django" und überhaupt der Italo-Western erzählt in jenen aufgewühlten Jahren von einsam-autarken Männern, die sich einen amoralischen Anstrich zugelegt haben, gleichzeitig aber gibt sich das Genre politisch revolutionär. In rascher Folge schießt sich Franco Nero durch "Django - Sein Gesangbuch war der Colt" (1966) und "Django, der Rächer" (1967). Sein Gesicht wird zur Ikone des Aufruhrs, sein Rollenname zur Poplegende.