Gedenkkonzert für Herbert Joos Ein Abend der Musik und der Anekdoten

Von Bernd Haasis 

Mit Herz und Witz: Das Konzert für den verstorbenen Trompeter Herbert Joos am Sonntag im Theaterhaus war erfüllt von dessen Geist.

Begnadeter Trompeter: Herbert Joos Foto: dpa/Bernd Weissbrod
Begnadeter Trompeter: Herbert Joos Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Stuttgart - Posthum die Bilanz eines Lebens zu ziehen, gehört zu den schwierigsten Aufgaben – weil’s am Ende „keine Kleinigkeit ist, ob die Zeit vertane Zeit ist, die man mit sich zugebracht“, wie es Konstantin Wecker formulierte. Beim verstorbenen Jazz-Trompeter Herbert Joos sind sich alle einig am Sonntag im Theaterhaus: Er hat ein erfülltes Künstlerleben geführt und hinterlässt der Nachwelt Musik, Gemälde und ein gutes Gefühl. Joos’ langjähriger Mitstreiter Partner Patrick Bebelaar hat das fast dreistündige Gedenkkonzert organisiert, er moderiert einfühlsam mit Herz und Witz. Im Zentrum steht, wofür Joos gelebt hat: die Musik.

Der Bassist Joe Fonda charakterisiert den begnadeten Trompeter und Flügelhornisten in einem Satz: „Herbert war ein wahrer Romantiker“, sagt Fonda per Videobotschaft, „das wichtigste war für ihn die Liebe.“ Davon liegt viel in der Luft. Der Schlagzeuger Günter „Baby“ Sommer eröffnet mit einem seiner klangfarbigen Soli, der Klavierprofessor Paul Schwarz und seine längst zu Meistern gereiften Stuttgarter Ex-Studenten Gee Hye Lee und Bebelaar spielen leidenschaftlich auf, der Gitarrist Frank Kuruc, die Holzbläser Frank Kroll und Wolfgang Puschnig – und der Trompeter Thomas Siffling, wie Joos in Karlsruhe geboren. Er wagt sich vor in die Leerstelle auf der Bühne und füllt sie mit dunkel strahlendem Ton.

Bis in himmlische Sphären

Natürlich ist es ein Abend der Anekdoten. Wer für Joos der beste Musiker war? „Immer der, der auch Trompete spielt, aber schlechter als ich“, habe er auf diese Frage geantwortet, sagt der Jazz-Kritiker Thomas Staiber in seiner Rede. In Videobotschaften erzählen der Pianist Joachim Kühn im Winterwind von Ibiza von einer durchzechten Nacht in Jerusalem und der Jazz-Bassist Eberhard Weber, wie nach einem Auftritt ein Kritiker schrieb, er habe bei solcher Musik noch nie so viele Frauen gesehen. Till Brönner, ein Popstar unter den Jazz-Trompetern sagt: „Ich verbeuge mich“ – Joos sei „Vorbild und Vorreiter“ für seine Generation gewesen.

Das Eintrittsgeld von 20 Euro soll das Begräbnis finanzieren, und der Saal T1 des Theaterhauses ist mit 777 Zuschauern nahezu ausverkauft – das Ziel dürfte also erreicht worden sein. Joos war keiner, der musikalische Kompromisse machte, er hat den kreativen Reichtum stets dem materiellen vorgezogen. Die Musiker spielen seine Stücke, „Adagio“, „Lovesong“ „Heavy Chicken“, und zeigen, wie ungeheuer spannend Avantgarde-Jazz sein kann. Der Applaus war laut genug, um bis in himmlische Sphären vorzudringen.




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