Gedenkstätte Das Gedenken ist aus dem Gedächtnis gerutscht

Eigentlich hätte der Gerda-Taro-Platz schon diesen Sommer zur Gedenkstätte umgebaut werden sollen. Foto: Archivfoto: Michael Steinert
Eigentlich hätte der Gerda-Taro-Platz schon diesen Sommer zur Gedenkstätte umgebaut werden sollen. Foto: Archivfoto: Michael Steinert

Seit Jahren wird über eine Erinnerungsstätte für die Kriegsfotografin Gerda Taro diskutiert. Die Einweihung verschiebt sich erneut, wegen Arbeitsüberlastung im Amt.

Redaktion Böblingen: Marc Schieferecke (eck)

S-Mitte - Der 1. August wäre ein würdiger Gedächtnistermin für Gerda Taro gewesen, aber er sollte es nicht werden. Dazu arbeiteten die Ämter im Rathaus Stuttgarts zu langsam. An jenem Tag folgten im Jahr 1937 rund 100 000 Menschen dem Sarg Gerda Taros. Die Kapelle spielte Chopin. Sie wäre an diesem Tag 27 Jahre alt geworden. Die Kriegsfotografin, geboren an der Alexanderstraße als Gerta Pophyrille, erlebte ihn nicht, weil sie während ihrer Arbeit starb, im Spanischen Bürgerkrieg. Seinerzeit spekulierte vor allem die Linke heftig über eine mögliche Hinrichtung einer unliebsamen Dokumentarin. Die geschichtliche Wahrheit ist banaler. Taros Leben endete nicht durch Feindeshand. Sie wurde überfahren.

Ungeachtet dessen war sie die erste Frau, die sich mit einer Kamera an die Front wagte. Als solche wurde und wird sie immer wieder gewürdigt, zuletzt von der Historikerin Irme Schaber mit einer Biografie. Deren Erscheinen war gar dem Spiegel eine Würdigung wert. „Nun erfährt Gerda Taro Gerechtigkeit“, schrieb der Autor des Nachrichtenmagazins.

Bisher würdigt nur ein Straßenschild die Kriegsfotografin

Das gerechte Gedenken an die Fotografin ist in ihrer Heimatstadt schon seit Jahren ein Anliegen. Nur schleppt es sich mehr voran, als dass es vorankommt. Vor fünf Jahren wurde eine Wiese gegenüber des Bethesda-Krankenhauses – kurz oberhalb des Olgaecks – Gerda-Taro-Platz benannt. Mindestens ebenso lang ist im Gespräch, die Fotografin mit mehr zu würdigen als einem Straßenschild.

Am 1. August hätte ein echtes Gedenken durchaus eingeweiht werden können. Die Pläne für eine Erinnerungsstätte sind seit einem Jahr fertig. Die Verschönerung des Platzes samt Aufbau von Gedenk- und Informationstafeln war für diesen Sommer angekündigt. Allerdings „kommen wir oft in die Situation, dass etwas durchgeplant ist, aber nichts passiert“. So sagt es Klaus Volkmer, der für das Stadtplanungsamt die Erinnerungsstätte erdacht hat, aber eben nur auf dem Papier. Das Gartenamt hätte das Vorhaben verwirklichen müssen.

Dort ist das Gedenken aus dem Gedächtnis gerutscht, obwohl es dem Amtsleiter Volker Schirner „ein persönliches Anliegen ist“, wie er sagt. Er hat sogar eine Ausstellung mit Fotos des Taro-Lebensgefährten Robert Capa im Fellbacher Rathaus besucht, der ebenfalls Fotograf war. Ungeachtet dessen erinnerte ihn erst die Nachfrage dieser Zeitung daran, dass der Termin für den Baubeginn verstrichen ist.

Die Arbeiten sollen jetzt im Frühjahr 2014 beginnen

Arbeitsüberlastung im Amt sei der Grund, sagt Schirner. Die Urlaubszeit im Sommer ist für die städtischen Gartenarbeiter die Zeit der Spitzenbelastungen, vor allem, weil bevorzugt die Ferien zur Verschönerung der Grünanlagen an Schulen und Kindergärten genutzt werden. „Im Herbst wird der Gerda-Taro-Platz ausgeschrieben“, sagt Schirner, heißt: die Firma gesucht, die den Auftrag bekommen wird. Womit fest steht, dass die Arbeiten erst im Frühjahr 2014 beginnen können.

Die Verzögerung passt in eine Reihe von Pannen, die mit einem Zwist darüber begann, wer eine schlichte Gedächtnistafel bezahlen sollte. Sie endete mit Streit ums Geld. Zuletzt war der Preis fürs Gedenken auf rund 300 000 Euro gestiegen. Niemand im Bezirksbeirat Mitte, der diese Summe aus seinem Etat abzwacken soll, erinnerte sich daran, eine Ausgabe in dieser Größenordnung genehmigt zu haben. Ungeachtet dessen hatte das Stadtplanungsamt schon erste Aufträge vergeben, unter anderem an eben jene Taro-Biographin Irme Schaber.

Im finanziellen Sinn hat die Verzögerung immerhin einen Vorteil: Wegen der saisonal hohen Nachfrage verlangen die Gartenbau-Unternehmen einen deftigen Sommeraufschlag. Eine Auftragsvergabe im Winter, schätzt Schirner, könnte der Stadtkasse bis zu 20 000 Euro sparen.




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