Gedenkstätte Das halbe Hotel Silber wird Gedenkort

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Baden-Württemberg will das Hotel Silber zur großen Gedenkstätte machen. Dafür will das Land jährlich bis zu 1,5 Millionen Euro bereitzustellen – die Stadt Stuttgart soll aber die Hälfte zahlen.

Der linke Teil des Hotels Silber soll in ein NS-Dokumentationszentrum verwandelt werden. Foto: Achim Zweygarth
Der linke Teil des Hotels Silber soll in ein NS-Dokumentationszentrum verwandelt werden. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Erstmals hat das Land als Eigentümer des Hotels Silber erklärt, welchen Umfang die geplante Gedenkstätte haben soll: Finanzminister Nils Schmid will laut einer Antwort im Landtag 1000 Quadratmeter Nettogrundfläche für Ausstellung, Gedenkort und pädagogisches Angebot schaffen. Zum Vergleich: das Haus der Geschichte besitzt 2500 Quadratmeter – das Hotel Silber wird also alles andere als eine unbedeutende Museumsstätte in Stuttgart. Der historische Gebäudeteil (das ist die Hälfte hin zum Charlottenplatz) ist vorerst für das Projekt reserviert.

Für den Umbau will Nils Schmid bis zu einem „mittleren einstelligen Millionenbetrag“ investieren. Der Betrieb der Gedenkstätte ist dem Land dann jährlich bis zu 1,5 Millionen Euro wert (das Haus der Geschichte hat im Etat vier Millionen Euro). Erwartet wird aber, dass die Stadt Stuttgart die Hälfte der Kosten trägt. Genau hier fangen die Probleme an, wie auch am Montag beim ersten inhaltlichen Gespräch des Runden Tisches im Neuen Schloss klar wurde – dieser Runde Tisch mit allen beteiligten Gruppen soll ein Konzept für den „Erinnerungsort Hotel Silber“ erarbeiten. Die Mehrheit des Stuttgarter Gemeinderates aus Grüne, SPD und Linke/SÖS hat zwar eine finanzielle Beteiligung gegen den Widerstand des Oberbürgermeisters durchgesetzt – bei einem direkten Gespräch zwischen Wolfgang Schuster und dem Land Anfang Mai wurde aber deutlich, dass Schuster nur den „Lernort“ finanziell unterstützen will, nicht aber den „Gedenkort“. Staatssekretär Jürgen Walter und Ministerialdirektor Wolfgang Leidig, die sich beim Land des Hotels Silber angenommen haben, sehen noch Gesprächsbedarf. Auch SPD-Stadträtin Monika Wüst sagt: „Es ist noch nichts entschieden. Aber wie anders als 50 zu 50 soll man es machen?“

OB Schuster will nicht die Hälfte der Betriebskosten zahlen

Ein weiteres Problem macht die anvisierte Trägerschaft – das Land hält es für sinnvoll, das Hotel Silber an das Haus der Geschichte anzudocken, so wie beispielsweise auch die Stauffenberg-Erinnerungsstätte im Alten Schloss. Thomas Schnabel, der Leiter des Hauses der Geschichte, plädiert schon aus finanziellen Gründen dafür: „Es würde enorm teuer, wenn das Hotel Silber das gesamte Personal vom Chef bis zur Sekretärin nochmals anstellen müsste. Da sind dann selbst 1,5 Millionen Euro zu wenig.“ Der Verein Hotel Silber, in dem sich Bürger und Initiativen zusammengeschlossen haben, pocht dagegen auf eine eigenständige Trägerschaft, zum Beispiel eine Stiftung. „Wir sind nicht größenwahnsinnig und wollen das Hotel Silber nicht selbst betreiben“, sagt Harald Stingele, einer der Vereinssprecher: „Aber die Partnerschaft von Land, Stadt und Bürgern muss sich in der Trägerschaft abbilden.“ In einem aktuellen Papier des Vereins heißt es: „Bürgerbeteiligung sollte auf allen Ebenen verankert sein.“ Dissens besteht auch beim Thema Forschungsstelle. Der Verein fordert, dass das Hotel Silber mit Bücherei und Historikern ausgestattet wird, um Forschungsdefizite aufarbeiten zu können. Im Grundkonzept, das das Haus der Geschichte erarbeitet hat, taucht eine solche Stelle jedoch nicht auf. Schnabel betont aber, dass er nichts gegen Forschung im Hotel Silber habe: „Es stellt sich nur die Frage, ob sie sich finanzieren lässt.“ Zumindest in einem Punkt sind sich alle einig: die Stimmung am Runden Tisch sei gut, heißt es unisono. Alle seien offen, positiv gestimmt – und kompromissbereit.

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