Gedenkstätte im Hotel Silber Bürger kritisieren Beschluss zum Hotel Silber

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Die geplante Gedenkstätte im Hotel Silber soll um ein Stockwerk und damit um ein Viertel der Fläche reduziert werden. Die Gedenkstätte soll nun noch Keller, Erdgeschoss und erstes Obergeschoss umfassen. Bürger kritisieren den Beschluss.

Im rot gekennzeichneten Bereich soll Foto: Achim Zweygarth 13 Bilder
Im rot gekennzeichneten Bereich soll Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - In einem offenen Brief hat die Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber an Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Stuttgarts OB Fritz Kuhn (beide Grüne) appelliert, ihre Entscheidung zum Hotel Silber nochmals zu überdenken. Wie berichtet, soll die geplante Gedenkstätte in der Dorotheenstraße 10 um ein Stockwerk und damit um ein Viertel der Fläche reduziert werden. Die Gedenkstätte soll nun noch Keller, Erdgeschoss und erstes Obergeschoss umfassen.

Dieser Beschluss hatte keine inhaltliche, sondern finanzielle Gründe. Denn die bisher geschätzten Betriebskosten von 800 000 Euro und zusätzlich 200 000 Euro Miete pro Jahr waren Land und Stadt zu hoch. Jetzt sollen 500 000 Euro und eine Miete von höchstens 150 000 Euro ausreichen. Die Mittel wurden so um ein Drittel gekürzt.

Die Initiative kritisiert dies in ihrem Brief aus drei Gründen. Erstens seien das erste und zweite Stockwerk für die Dauerausstellung vorgesehen gewesen – wenn deren Fläche nun um die Hälfte verringert werde, könne die Geschichte des Hotel Silbers auf 300 Quadratmetern nicht mehr angemessen dargestellt werden. Die Besonderheit des Gebäudes ist, dass die Polizei dort schon in der Weimarer Republik und später in der Bundesrepublik wieder ihren Sitz hatte – dieses Kontinuum sollte beleuchtet werden, natürlich neben den Opfergruppen, die unter der Verfolgung durch die Gestapo zu leiden hatten.

Gedenkstätte soll mit etwa 900 Quadratmetern auskommen

Zweitens sei gerade der zweite Stock ein authentischer Ort: Dort haben die Chefs der Gestapo ihre Büros gehabt. Der dritte Kritikpunkt zielt auf das Verfahren: Ein Jahr lange habe man die Bürger am Runden Tisch mitreden lassen – und jetzt sei doch alles von oben herab entschieden worden. „Von der ganzen Vorgehensweise her geht das überhaupt nicht“, sagt Elke Banabak vom Vereinsvorstand. Das zuständige Finanzministerium äußerte sich zu diesem Punkt der – aus Sicht der Initiative fehlgeschlagenen – Bürgerbeteiligung gestern nicht mehr.

Elke Banabak empfindet es jedenfalls als sehr schade, dass der Verein und das Haus der Geschichte, unter dessen Leitung die Gedenkstätte künftig stehen soll, gar nicht um eigene Sparvorschläge gebeten wurden. Eher als am Raumprogramm hätte man an den Öffnungszeiten etwas verändern können, so die Ansicht von Elke Banabak. Auch Thomas Schnabel, der Leiter des Hauses der Geschichte, hat relativ unverhohlen die Entscheidung kritisiert. Paula Lutum-Lenger, die Ausstellungsleiterin des Museums, sagte jetzt: „Wir kämpfen um das gemeinsam mit der Initiative erarbeitete Konzept, weil es sinnvoll und gut ist.“

Die künftige Gedenkstätte soll nach dem Willen von Stadt und Land nun mit etwa 900 Quadratmetern und einem Jahresetat von etwa 650 000 Euro auskommen. Im vergleichbaren Elde-Haus in Köln, das ebenfalls in der ehemaligen Gestapozentrale untergebracht ist, stehen 2900 Quadratmeter und ein Etat von 1,8 Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Doch ist die Einrichtung über 30 Jahre hinweg langsam auf diese Größe angewachsen. Während in Köln die Stadt alleiniger Träger ist, war es in Stuttgart vornehmlich die Stadt, die Bedenken wegen der hohen Kosten hatte.

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