Baustellen kosten Zeit und Nerven. Doch manchmal bewirken sie auch etwas Gutes. An der Stelle, an der die Murrer Straße in die unfallträchtige L 1100 einmündet, wurden jetzt vorübergehend Ampeln aufgebaut, die das Einfahren in beide Richtungen regeln. Anders als die berüchtigte Kauflandkreuzung wenige hundert Meter weiter Richtung Großbottwar ist diese Einmündung zwar kein Unfallschwerpunkt, aber trotzdem kracht es hier immer wieder – oft, weil die Vorfahrt missachtet wird.
Aus Richtung Murr und Steinheim kommend, haben Autofahrer das Problem, dass die von Großbottwar her heranrauschenden Autos wegen einer leichten Kurve relativ spät zu sehen sind. Und weil sich nur wenige an die Tempobegrenzung halten, führt das nicht selten zum Zusammenstoß. Auch wer von der L 1100 links Richtung Steinheim oder Murr abbiegen will, unterschätzt manchmal das Tempo der entgegenkommenden Fahrzeuge. Und schließlich, so Andreas Fritz, Sprecher des Landratsamts, kommt es auch zu Auffahrunfällen, weil oft nicht klar sei, ob der abbiegende Vordermann fahre oder sicherheitshalber warte.
Schon sechs Unfälle allein in diesem Jahr
Wenn es schon im Normalbetrieb immer wieder zu Zusammenstößen kommt, wäre das Risiko bei stärkerem Verkehrsaufkommen noch höher. Und derzeit sind dort deutlich mehr Fahrzeuge unterwegs: Weil ein Abschnitt der B 328 – dem Autobahnzubringer zwischen Großbottwar und Aspach – zwischen Großbottwar und der Hardtwaldkreuzung bei Kleinaspach gesperrt ist, werden die Fahrzeuge über Steinheim umgeleitet. Dazu zählt auch der im Anfahren besonders träge Schwerlastverkehr.
Deshalb habe die Verkehrsbehörde des Landkreises das Regierungspräsidium gebeten, am Knoten L 1126/L 1100 die Ampel für die Dauer der Umleitung einzurichten. „Da der Umleitungsverkehr hier verstärkt in Fahrtrichtung Heilbronn abbiegen muss, wurde zur Vermeidung von Unfällen die Signalisierung durch das RP Stuttgart eingerichtet. Hintergrund war, dass dieser Knoten seit mehreren Jahren unfallauffällig ist“, erklärt Fritz.
Auch fürs vergangene Jahr kristallisiere sich heraus, dass es auffallend häufig Unfälle an dieser Einmündung gegeben habe – Auffahrunfälle beim Stoppschild, Abbiege- und Vorfahrtsunfälle. Auch in diesem Jahr ereigneten sich laut Polizeipräsidium bereits sechs Unfälle: vier Auffahrunfälle, ein Abbiegeunfall und ein ungewöhnlicher Fall, bei dem sich ein Anhänger löste. „Die Unfallkommission wird sich daher neben der Kauflandkreuzung auch mit diesem Knoten befassen“, sagt der Sprecher. Unfallkommissionen haben bundesweit die Aufgabe, Unfallhäufungen zu erkennen, sie zu bewerten und bauliche oder verkehrsregelnde Maßnahmen zur Beseitigung zu beschließen. Polizei, Straßenverkehrs- und Straßenbaubehörden arbeiten dabei zusammen.
An der besagten Kauflandkreuzung wurde nach einem schweren Unfall 2019 ein Stoppschild aufgestellt, die Haltemarkierung auf der Fahrbahn wurde verstärkt. Ansonsten ist wenig passiert, um Kollisionen zu vermeiden. 2023 sind dort so viele schwere Unfälle passiert, dass diese Kreuzung inzwischen offiziell als Unfallschwerpunkt gilt.
Landratsamt-Sprecher Andreas Fritz teilt auf Nachfrage weiter mit, dass das weitere Vorgehen an beiden Kreuzungen die Unfallkommission entscheiden wird, die in der zweiten Jahreshälfte tagen wird. Auch was die dauerhafte Installation der jetzigen Ampel angeht. „Es werden alle Maßnahmen in Betracht gezogen, die geeignet sind, einen Unfallschwerpunkt zu entschärfen.“ Dazu zähle theoretisch auch eine Ampel.
Bei der jetzigen handele es sich allerdings nicht um einen Testlauf, da die Verkehrsströme aufgrund der Umleitung nicht vergleichbar sind. Eine Tendenz äußert Fritz nicht: „Um der Entscheidung der Kommission nicht vorzugreifen, können wir derzeit keine Angaben zu Maßnahmen machen.“