Gefährliche Kunstwerke im Rems-Murr-Kreis Entschärfende Kreiseldiplomatie

Das Kunstwerk vom Dmitrov-Kreisel ist in Sichtweite versetzt worden. Foto: Gottfried Stoppel
Das Kunstwerk vom Dmitrov-Kreisel ist in Sichtweite versetzt worden. Foto: Gottfried Stoppel

Der Landkreis hat ein Kunstwerk vom Dmitrow-Rondell zwischen Rudersberg und Allmersbach entfernt und ein paar Meter versetzt wieder aufgestellt. Noch sechs weitere Kreisverkehre müssen wegen Sicherheitsbedenken umgestaltet werden.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)
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Allmersbach/Rudersberg - Mehrere Jahre lang wurde um den Verbleib des von zwei rettichförmigen Schwertern getragenen Apfels gerungen. Jetzt hat das Straßenbauamt des Landratsamts die risikoträchtige Skulptur des Künstlers Bär Schöller vom Dmitrow-Kreisverkehr entfernt. Dem Kunstwerk, das der damalige Landrat Horst Lässing an der landläufig Rettichkreuzung genannten Landesstraßenverbindung zwischen Allmersbach und Rudersberg im Jahr 2002 zu Ehren des russischen Partnerlandkreises hatte errichten lassen, war rund zehn Jahre später – als Lässing längst im Ruhestand war – von seiner Behörde ein „hohes Gefährdungspotenzial“ attestiert worden. Das Landratsamt wiederum war von dem Ministerium für Verkehr und Infrastruktur per Erlass vom 15. November 2011 und ergänzenden Hinweisen vom 5. Februar 2013 in die Pflicht genommen worden, Verkehrsteilnehmer vor starren Hindernissen in Kreisverkehren zu schützen.

17 gefährliche Kreisverkehre

Kreisweit standen insgesamt 17 meist kunstvolle Verzierungen nach einer Bestandsaufnahme der Kreisbehörde plötzlich unter Veränderungsdruck. Doch die Handlungsempfehlungen, welche das Landratsamt im Frühjahr 2014 an einige Gemeinden verschickte, kamen bei manchen Kommunalverantwortlichen nicht gut an. Der Kernener Bürgermeister Stefan Altenberger, dem im Telegrammstil dargelegt wurde „Bäume und Weinpresse entfernen. Absorbierende Aufschüttung herstellen“ entgegnete: „Wenn die Bäume in der Kreismitte den Verkehr gefährden, dann müsste jeder, aber auch jeder Baum in der Nähe einer Straße gefällt werden.“ Da hatte es auch nichts genützt, dass der mittlerweise verantwortliche Landrat Johannes Fuchs den emotionalen Sprengstoff frühzeitig erkannt und versichert hatte, statt Tabula rasa zu machen, behutsam nach verträglichen Lösungen suchen zu wollen.

Eine solche will der nunmehr dritte beteiligte Landrat in Sachen Rettichkreuzung wiederum zwei Jahre später jetzt gefunden haben. Man habe, wie Richard Sigel selbst schreibt, die „günstige Möglichkeit, das Kunstwerk ohne oder nur mit geringfügigen Auswirkungen auf die Kreisverkehre zu versetzen“, genutzt. Als die Landesstraße wegen Holzfällarbeiten Anfang April ohnehin gesperrt war, charterte die Behörde einen Autokran und wuchtete das siebzehn Tonnen schwere und acht Meter hohe Kunstwerk auf ein landeseigenes Grundstück in unmittelbarer Sichtweite. Die Mittelinsel wurde sogleich von der Backnanger Straßenmeisterei aufgeschüttet, auf dass nun Gras über die nicht mehr vorhandene gefährliche Kreiselkunst wachsen kann.

„Wir sind froh, eine tragbare Lösung gefunden und umgesetzt zu haben“, lässt sich der Landrat in einer gut drei Wochen nach der Maßnahme versandten Mitteilung diplomatisch zitieren, gleichzeitig aber auch durchblicken, selbst nur ein Bürokratiegetriebener zu sein. „Bei all den dringenden Problemen, vor denen die Kreisverwaltung derzeit steht, kann ich mir vorstellen, dass unsere Bürger wenig Verständnis für diese Maßnahme haben.“

Sechs Kreisel müssen noch entschärft werden

Vollständig erfüllt ist die Kreisverkehrsentschärfungsmission freilich noch nicht. Insgesamt sechs Rondelle harren noch ihrer Umgestaltung. Das hat eine Landratsamtssprecherin auf Nachfrage eingeräumt. Jeweils zwei der Kreisverkehrsplätze, auf denen noch etwas getan werden soll, stehen auf Welzheimer und Weissacher Markung. Auch in Kernen im Remstal sei man in zwei Fällen einer Lösung nah. Dort würden zurzeit Mauern und Bäume entfernt und Kies zur Aufpralldämpfung aufgebracht. Außerdem werde das Risiko mit einer verbesserten Beleuchtung entschärft, berichtet die Amtssprecherin. Bis Ende Juni soll alles gerichtet sein. Ob die Bäume auf ein landeseigenes Grundstück in unmittelbarer Sichtweite versetzt werden, ist aber momentan noch nicht bekannt.




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