Gefährliche Strahlung in Deutschland Deutsche beurteilen Strahlungsrisiken falsch

Von /dpa 

Beim Telefonieren mit dem Handy, beim Röntgen, unter Stromleitungen und in der Sonne – Menschen sind ständig Strahlung ausgesetzt. Viele machen sich deswegen Sorgen, doch es gibt Wissenslücken. Vor allem von Radon aus dem Erdreich droht eine tödliche Gefahr.

Eine Radonbelastung von 49 Becquerel pro Kubikmeter misst ein Radonmessgerät in einem Keller in Sachsen. Rund fünf Prozent aller Todesfälle durch Lungenkrebs in Deutschland können dem Bundesamt für Strahlenschutz zufolge Radon zugeschrieben werden. Foto: dpa/Hendrik Schmidt
Eine Radonbelastung von 49 Becquerel pro Kubikmeter misst ein Radonmessgerät in einem Keller in Sachsen. Rund fünf Prozent aller Todesfälle durch Lungenkrebs in Deutschland können dem Bundesamt für Strahlenschutz zufolge Radon zugeschrieben werden. Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Berlin - Handy, Kernkraft oder Radon: Viele Deutsche wissen nicht, was die wichtigsten Quellen für Strahlung im Alltag sind und was für sie gefährlich sein könnte. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) an diesem Mittwoch in Berlin veröffentlicht.

Fast drei von vier Befragten (73,9 Prozent) gaben demnach an, dass sie das Thema radioaktive Strahlung durch Kernkraftwerke „sehr“ oder „eher“ beunruhige. Mehr als jeder zweite (51,4 Prozent) macht sich Sorgen um Strahlung von Mobilfunk-Masten, fast ebensoviele (51 Prozent) über Handys und Tablets.

Rund 1900 Tote jährlich durch Radon

Dagegen machen sich nur knapp 23 Prozent Sorgen über Radon in der Umwelt – obwohl es die größte Quelle für die durchschnittliche jährliche Strahlenbelastung ist und nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Radon entsteht im Erdreich und kann von dort in Innenräume gelangen. Es ist nicht zu sehen, zu riechen oder zu schmecken. Ein Schwellenwert, unterhalb dem das Gas mit Sicherheit ungefährlich ist, sei nicht bekannt, so das BfS.

Das Gesundheitsrisiko durch das radioaktive Gas Radon etwa in Wohnungen ist aus Sicht des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) in Deutschland nicht ausreichend bekannt. „Radon ist ein ernstzunehmendes Risiko für die Gesundheit, denn nach dem Rauchen ist Radon die zweithäufigste Ursache von Lungenkrebs“, sagt BfS-Präsidentin Inge Paulini.

Experten schätzen,dass jedes Jahr rund 1900 Menschen in Deutschland an den Folgen zu hoher Radonkonzentrationen im Haus sterben. In Baden-Württemberg sollen es laut Studien jährlich 170 Menschen sein.

Das bedeutet: Rund fünf Prozent aller Todesfälle durch Lungenkrebs in Deutschland können dem BfS zufolge Radon zugeschrieben werden – ein Schwellenwert, unterhalb dessen das Gas mit Sicherheit ungefährlich ist, sei nicht bekannt. Viele Menschen wüssten das gar nicht.

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Gefahr durch Kernkraft wird überschätzt

„Die Studie zeigt, dass die Risiken der Kernkraft in der Bevölkerung überschätzt und die Gefahr von beispielsweise Radon unterschätzt werden“, erklärt Inge Paulini. Bei der Digitalisierung klaffe eine Lücke: „Einerseits gibt es den selbstverständlichen Umgang mit neuen Technologien und andererseits eine gefühlte Bedrohung durch die damit einhergehende Strahlenbelastung.“ Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten (56,9 Prozent) wisse, dass sie als durchschnittliche Nutzer Handystrahlung stärker ausgesetzt seien als der von Sendemasten.

Jeder zweite (49,2 Prozent) glaubt, dass Handy-Strahlung das Erbgut schädigen kann – „fälschlicherweise“, wie das Bundesamt betont. Fast ebenso viele (48,7 Prozent) fühlen sich durch staatliche Einrichtungen vor Mobilfunk-Anlagen „überhaupt nicht“ und „eher nicht“ gut geschützt.

„Überall von Strahlung umgeben“

Generell gaben mehr als 35 Prozent an, es mache ihnen Sorgen, dass sie „überall von Strahlung umgeben“ seien, fast jeder Dritte glaubt, die Strahlenbelastung sei zu hoch. Knapp 70 Prozent sind der Ansicht, die Strahlenbelastung in Deutschland sei in den letzten Jahren stark oder etwas angestiegen.

UV-Strahlung durch Sonnenlicht empfinden 56 Prozent der Deutschen der Umfrage zufolge als beunruhigendes Thema, über die Strahlung von Hochspannungsleitungen zeigten sich 38,5 Prozent beunruhigt.

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Radon-Konzentration variiert von Grundstück zu Grundstück

Man sieht es nicht, man riecht es nicht und man kann es auch nicht schmecken. Dennoch kommt Radon in allen Gebäuden, in der Außenluft und im Boden vor. Von dort dringt das radioaktive Edelgas in Keller und Untergeschosse ein und breitet sich in anderen Räumen aus.

Dabei sei es oft einfach, sich zu schützen. „Dafür muss man wissen, ob die eigene Wohnung von erhöhten Radon-Werten betroffen ist. Dies lässt sich mit Messungen leicht feststellen“, betont die BfS-Präsidentin.

Die Konzentration hängt von der Bodenbeschaffenheit ab. Diese variiert von Grundstück zu Grundstück. Ein Bodengutachten gibt Auskunft. Radon entsteht im Erdreich und kann von dort in Innenräume gelangen. Es ist nicht zu sehen, zu riechen oder zu schmecken.

Schwarzwald ist Radon-Gebiet

Das Strahlenschutz-Amt lässt im Auftrag des Bundesumweltministeriums in zufällig ausgewählten Haushalten Radon-Messgeräte aufstellen. Bis Ende 2020 müssen die Bundesländer Gebiete ausweisen, in denen in vielen Gebäuden der Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter überschritten wird, sogenannte „Radonvorsorgegebiete“. Dort soll dann etwa an Arbeitsplätzen im Erd- oder Kellergeschoss das Messen Pflicht sein.

Typische Radon-Gebiete sind Schwarzwald und Erzgebirge, die Sächsische Schweiz, der Bayerische Wald bis hin zu den Alpen, aber auch Teile Thüringens. Die Behörde geht davon aus, dass in diesen Regionen bis zu 20 Prozent der Gebäude den Referenzwert reißen werden. Eigentümern werden dann „Maßnahmen zum radonsicheren Bauen empfohlen“, sagt der Sprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS, Jan-Henrik Lauer.

Wie man sich vor Radon schützen kann

Frische Luft ist das günstigste Mittel zur Abhilfe. Gründlich durchlüften, raten die Experten. Das geht einfach mittels geöffneter Fenster oder mit einer Lüftungsanlage. Diese kostet um die 1000 Euro. Ein unbeheizter Keller kann ebenfalls helfen. Er verhindert, dass warme Luft und mit ihr Radon hoch in die Wohnräume zieht.