Gefährliche Straße im Kreis Böblingen Behörden sehen B 464 entschärft

Blumen am Straßenrand nach dem dreifach tödlichen Unfall am 29. November 2019 auf der B 464 Foto: Archiv/Siegfried Dannecker

Die Serie an tödlichen Unfällen auf der B 464 zwischen 2019 und 2020 rüttelte die Bevölkerung und die Verkehrsbehörden auf: Die Straße sollte sicherer werden. Das sei geglückt, sagen die Behörden.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Es waren traurige Schlagzeilen, die die Bundesstraße 464 im Winter 2019/2020 im Kreis Böblingen schrieb. In nur fünf Wochen wurden auf der Strecke zwischen Sindelfingen und Renningen vier Menschen getötet, vier weitere schwer verletzt. Die Unfallserie rüttelte neben der Bevölkerung auch die Behörden auf. Der Landkreis Böblingen gründete daraufhin eine Projektgruppe mit Vertretern von Regierungspräsidium, Landkreis, der Städte Böblingen und Sindelfingen sowie der Polizei. Jetzt zog man Bilanz – und sieht die Sicherheit auf der unfallträchtigen B 464 deutlich verbessert.

 

Als Sofortmaßnahme wurden damals zunächst ausgedehnte Überholverbote in beiden Fahrtrichtungen sowie ein Tempolimit auf 90 Stundenkilometer eingerichtet. Außerdem warnt seitdem eine doppelte Trennlinie mit Querrillen laut hörbar beim verbotenen Ausscheren. Auch mit Hilfe psychologischen Mitteln sollte die Raserei eine Ende finden: Große Warntafeln des Deutschen Sicherheitsrates aus der Kampagne „Runter vom Gas“ wurden aufgestellt und sollen die Autofahrer sensibilisieren.

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Zwischen Maichingen und Renningen gibt es nach langen Verzögerungen seit August 2021 außerdem zusätzliche Fahrstreifen, um Lastwagen überholen zu können, sowie neue Nothaltebuchten. Zum Einsatz kommt zudem ein Enforcement-Trailer, um Schnellfahrer zur Kasse zu bitten. Dieser Blitzer ist auf einem Anhänger montiert und steht getarnt am Straßenrand. So kann ihn die Behörde an wechselnden Orten aufstellen und tagelang ohne menschliches Zutun seinen Dienst verrichten lassen.

All diese Bausteine sollen die B 464 sicherer gemacht haben, resümiert jetzt Landrat Roland Bernhard, der nach der Unfallserie zügige Maßnahmen gefordert hatte. „Jetzt kann man nur sagen: toi, toi, toi – seit 2020 keine Unfalltoten mehr“, meinte er am Montag im Verkehrsausschuss. Außerdem sei die Gesamtzahl der Unfälle deutlich rückläufig, wenngleich der Verkehr 2020 und 2021 durch Corona und Baustellen beeinträchtigt war, räumt die Kreisbehörde ein. Die Projektgruppe werde daher eingestellt, Bernhard sieht ihre Schuldigkeit getan.

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SPD-Kreisrat Hans-Josef Straub regte an, das Tempo für Lastwagen auf den Überholstrecken auf 70 abzusenken, damit Autofahrer diese ungefährdet mit 90 überholen können. Verkehrsdezernent Thomas Wagner sah dafür allerdings kaum Chancen: „Lastwagen dürfen eigentlich höchstens 80 Stundenkilometer fahren, wenn sie doch schneller sind, ist es deren Entscheidung.“

Rotlicht- und Tempoblitzer bei Holzgerlingen

Weiter südlich auf der B 464 auf Höhe Holzgerlingen an der Abzweigung der Erlachstraße sieht Wagner allerdings durchaus noch Handlungsbedarf. An der dortigen Ampelkreuzung scheint es des Öfteren Autofahrer zu geben, die noch bei Dunkelgelb auf den beiden Geradeausspuren über die Kreuzung kommen wollen. „Diese Einmündung ist seit Jahren ein Unfallschwerpunkt“, so der Verkehrsdezernent. Bisher habe man mit mobilen Messungen versucht, dem Herr zu werden. Wagner: „Das gelingt aber nur teilweise. Zum Teil haben wir ganz erhebliche Temposünden festgestellt.“ Die Kreuzung wird täglich von rund 22 000 Fahrzeugen befahren.

Der Landkreis schafft deshalb eine stationäre Blitzersäule an, die sowohl Rotlichtverstöße, als auch Temposünder ablichten kann. All das sogar, ohne die Straße mit Sensoren unter dem Asphalt ausrüsten zu müssen. Dieser kombinierte Blitzer der Firma Vtronic ist bis dato der erste seiner Art im Kreis Böblingen und soll knapp eine Viertelmillion Euro kosten. Der Ausschuss genehmigte diese Investition einstimmig.

Schwere Unfälle auf der B 464 im Winter 2019/2020

Am 29. November 2019
kracht ein 57-Jähriger mit einem entgegenkommenden Autotransporter zusammen. Drei Menschen sterben, eine weitere Person wird schwer verletzt.

Am 9. Dezember 2019
rast ein 36-jähriger BMW-Fahrer beim Überholen in einen entgegenkommenden VW. Der Fahrer des BMW stirbt noch an der Unfallstelle.

Am 3. Januar 2020
kommt eine Citroën-Fahrerin in den Gegenverkehr und verursacht einen Unfall mit zwei Schwerverletzten.

Seitdem
gibt es zwar keinen tödlichen Unfall mehr, doch schwere Unfälle wie am vergangenen Wochenende mit mehreren Verletzten ereignen sich nach wie vor häufig.

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