Autobauer aus Stuttgart Daimler bekämpft Fälscher

Auch sicherheitsrelevante Produkte wie Bremsscheiben und Räder werden laut Daimler zunehmend gefälscht und über Onlinekanäle vertrieben. Foto: dpa/Silas Stein
Auch sicherheitsrelevante Produkte wie Bremsscheiben und Räder werden laut Daimler zunehmend gefälscht und über Onlinekanäle vertrieben. Foto: dpa/Silas Stein

Der Onlinehandel mit gefälschten Ersatzteilen hat laut dem Autobauer wegen der Coronapandemie stark zugenommen. Wie Daimler sich gegen die Flut an minderwertigen Produkten wehrt, und wie Kunden die gefährliche Ware erkennen können.

Wirtschaft: Andreas Schröder (sö)
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Stuttgart - Der Stuttgarter Autobauer Daimler wehrt sich massiv gegen die zunehmende Zahl an gefälschten Ersatzteilen. „Produktfälschungen sind nicht nur illegal, sie gefährden auch die Sicherheit und Gesundheit von Autofahrern und anderen Verkehrsteilnehmern“, teilte Daimler mit. Das Unternehmen bietet den Fälschern zunehmend Paroli.

Bremsscheiben und Räder im Fokus

Daimler habe „den Produktfälschern den Kampf angesagt und seine Aktivitäten weiter gesteigert“, erläuterte Florian Adt, Leiter Legal Product Intellectual Property. Nach Angaben des Spezialisten für geistiges Eigentum und Patentrecht bei Daimler standen dabei vor allem sicherheitsrelevante Produkte wie gefälschte Bremsscheiben oder Räder im Fokus.

„2020 wurden mehr als 1,7 Millionen gefälschte Daimler-Produkte beschlagnahmt. Wir haben mehr als 550 Razzien initiiert und begleitet“, sagte Adt. Aufgrund der weltweiten Lockdowns mussten laut Adt zahlreiche Razzien aufgeschoben werden, viele zuständige Gerichte hätten vorübergehend ihre Arbeit eingestellt.

Höhere Margen als im Drogenhandel

Häufig gehen die Produktpiraten laut Daimler mit hoher krimineller Energie vor. Laut einer Studie des Wirtschaftsverbands Unifab würden oft höhere Margen als im Drogenhandel erzielt. „In vielen Fällen lassen organisierte Fälscher ihre Ware unter menschenunwürdigen Bedingungen ohne Rücksicht auf Umweltstandards, Arbeitsschutz oder Menschenrechte produzieren“, so Daimler. Produktfälschungen seien für Laien optisch oft kaum von Originalteilen zu unterscheiden, qualitativ aber meist minderwertig. Sie verfehlten zudem gesetzliche Mindestvorgaben. Gefälschte Teile stellten deshalb ein erhebliches Risiko für die Gesundheit und Sicherheit der Kunden dar, hieß es.

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138 000 gefälschte Produkte 2020

Wegen Corona habe 2020 der Online-Handel deutlich zugenommen. Das habe diesen Vertriebsweg auch für Fälscher noch interessanter gemacht. „Wir haben unsere Markenschutz-Strategie angepasst und die Maßnahmen gegen Fälschungen im Online-Handel ausgebaut. Insgesamt konnten wir 138 000 gefälschte Produkte von Online-Plattformen entfernen lassen. Das ist etwa dreimal so viel wie im Vergleichszeitraum vor der Pandemie“, sagte Adt.

„Aufspüren, Angreifen und Vorbeugen“

Der Bereich Intellectual Property Enforcement ist nach Angaben Daimlers global aufgestellt und eng vernetzt mit den Zoll- und Strafverfolgungsbehörden. Die Markenschutz-Strategie umfasse die drei Säulen „Aufspüren, Angreifen und Vorbeugen“. Die Markenschützer prüften weltweit verdächtige Angebote auf Online-Plattformen oder Messen und könnten so Fälscher identifizieren. „Typische Alarmsignale sind ein auffällig niedriger Preis, Auffälligkeiten in der Produktqualität oder der Verkauf über dubiose Online-Quellen“, erläuterte Adt. Ziel der weltweiten Razzien mit lokalen Behörden seien die großen Fälscher-Netzwerke und die Zerschlagung ihrer Produktions- und Vertriebsstrukturen. Weitere Maßnahmen sind strafrechtliche Verfahren oder Klagen auf Unterlassung, Auskunft und Schadensersatz. Auch bei der Prävention arbeiteten die Markenschützer eng mit Zoll und Polizei zusammen.

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