Gefälschte Nacktbilder Stuttgarter Influencerin sagt Deepfakes den Kampf an
Die Stuttgarter Influencerin Jasmin Gnu wehrt sich in einem Video gegen gefälschte Nacktbilder auf Internetplattformen wie Reddit. Sie ist kein Einzelfall.
Die Stuttgarter Influencerin Jasmin Gnu wehrt sich in einem Video gegen gefälschte Nacktbilder auf Internetplattformen wie Reddit. Sie ist kein Einzelfall.
Bilder und Videos bearbeiten geht heute so einfach: Den Kopf einer Person mit dem Smartphone ausschneiden, per App auf einen anderen Körper setzen – und das Ergebnis sieht täuschend echt aus. Wo sich Freunde untereinander vielleicht einen Spaß erlauben, missbrauchen andere diese technischen Möglichkeiten, um ihre sexuellen Fantasien mit prominenten Personen auszuleben und Frauen zu erniedrigen. So kursieren im Netz gefälschte Nacktbilder oder Fakepornos von Politikerinnen, Schauspielerinnen oder Influencerinnen, sogenannte Deepfakes, erzeugt durch Künstliche Intelligenz.
Auch die bekannte Stuttgarter Influencerin Jasmin Gnu ist Opfer solcher Bilder geworden – und hat nun ein Video veröffentlicht, in dem sie mit anderen Influencern den Verbreitern dieser Bilder den Kampf ansagt. Es geht vor allem um Beiträge, die auf der Internetplattform Reddit kursieren. Mit dabei ist auch die ebenfalls aus Stuttgart stammende Influencerin Alicia Joe. „Seit Jahren schleppe ich dieses Thema mit mir rum – und es triggert mich einfach immer wieder aufs Neue“, sagt Jasmin Gnu und kritisiert vor allem diejenigen, die das Thema kleinreden, die argumentieren, sie müsse als Person des öffentlichen Lebens damit klarkommen.
„Nein, muss ich nicht“, ruft Jasmin Gnu ihnen entgegen: „Viele Frauen inklusive mir haben sich gezielt dazu entschieden, sich öffentlich nicht auszuziehen. Wir wollen diese Intimität für uns behalten. Doch selbst das wird öffentlich nicht akzeptiert.“ Auch die Beratungsstelle Hate Aid, die Opfer von digitaler Gewalt unterstützt und unter anderem vom Bundesjustizministerium gefördert wird, spürt einen Anstieg der Fälle von Deepfakes. „Es macht nicht den Großteil unserer Beratungen aus, aber in den vergangenen Monaten ist das Thema auch bei uns angekommen“, berichtet Josephine Ballon, Leiterin Recht bei Hate Aid.
Sorgen bereitet der Beratungsstelle vor allem, dass Bilder heutzutage so einfach zu fälschen seien: Während man früher entsprechende Kenntnisse gebraucht habe, könne heute jeder die passenden Apps dafür herunterladen. Die Anbieter sollten gesetzlich zu Sicherheitsvorkehrungen verpflichtet werden, fordert Hate Aid. „Einige tun das bereits, da kann man dann keine Nacktbilder bearbeiten“, berichtet Ballon. Es gebe ganze Deepfakes-Internetseiten, die gefälschte Nacktbilder von allen möglichen Politikern Deutschlands zeigten. „Das ist wahnsinnig gefährlich“, sagt Ballon: „Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, haben Angst, dass manipulierte Bilder von ihnen auftauchen.“
Und diese verbreiten sich dann rasend schnell im Netz und tauchen immer wieder auf. Doch weil das Thema für die Betroffenen sehr schambehaftet sei, käme es bei vielen Fällen nicht zur Anzeige. „Aber es lohnt sich immer, sich zu wehren“, sagt Ballon.
Daniel Kötz, ein Rechtsanwalt für Medienstrafrecht, macht den Opfern jedoch wenig Hoffnung, dass eine Anzeige Erfolg haben könnte: „Das ist natürlich eine Persönlichkeitsrechtsverletzung, aber Strafanzeigen bei Beleidigungen auf Plattformen wie Reddit verlaufen im Sande.“ Denn meldet sich die Polizei bei den Anbietern, berufen die sich meist auf die Datenschutz-Grundverordnung, die Daten der Täter könnten daher nicht rausgegeben werden. Ballon jedoch plädiert dafür, immer zu versuchen, die Täter ausfindig zu machen. „Sonst kommen sie damit davon.“ Schätzungsweise ein Drittel der Fälle könne geklärt werden.
Ein Problem sei, dass die Verfahren leicht eingestellt werden könnten, klagt Ballon. „Es gibt einen gesetzlichen Rahmen, aber der entspricht nicht mehr der heutigen Zeit.“ Kötz sieht die Forderung nach strengeren Gesetzen kritisch: „Es ist geschmacklos, wie manche Leute ihre Fantasien über die jungen Frauen öffentlich austauschen, aber deshalb sollten wir nicht die Gesetze verschärfen – auf Kosten der Meinungsfreiheit und mit zweifelhaftem Nutzen.“
Wer sich wie die Influencerinnen so in der Öffentlichkeit präsentiere, müsse damit rechnen und es hinnehmen, dass sich dazu auch jeder äußert, argumentiert Kötz. Ballon sieht das anders: „Gefälschte Nacktbilder greifen sehr stark in die Intimsphäre ein, das muss man auch als öffentliche Person nicht hinnehmen.“