Gefahr durch Omikron-Variante Die nächste Corona-Welle rollt an

Lange galt in Großbritannien fast nirgends Maskenpflicht. Omikron hat das geändert. Foto: AFP/TOLGA AKMEN

Deutschland muss sich für massiv steigende Corona-Zahlen wappnen – und zwar schnell. Die Krise wird schneller kommen als viele wahr haben wollen, schreibt Andreas Geldner.

Stadtentwicklung & Infrastruktur: Andreas Geldner (age)

Stuttgart - Erinnern Sie sich noch an Ischgl Anfang 2020? Lockerer Après-Ski in Tirol während sich in Italien in Bergamo wegen Corona bereits die Särge türmten? Wer in den vergangenen Tagen die Puzzlestücke an Informationen rund um die stark mutierte Corona-Variante Omikron zusammengefügt hat, der fühlt sich wie jemand, der oben auf dem Hang die Lawine sieht, während unten im Tal die Menschen noch entspannt ihren Glühwein trinken. Die Hinweise darauf, dass sich ein heftiger Corona-Sturm zusammenbraut, verdichten sich. Doch der neue Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat lieber von den aktuell sinkenden Fallzahlen getweetet. Doch das ist nur eine Momentaufnahme.

 

Die Fakten sprechen eine klare Sprache

Dies ist kein Alarmismus, sondern fußt auf Fakten. Erstens: Die aktuellen Daten aus Skandinavien und Großbritannien sprechen eine klare Sprache. Alle zwei bis vier Tage verdoppeln sich dort die Omikron-Fälle. Die Variante breitet sich in Europa schneller aus als wir das in der Pandemie je erlebt haben. Dänemark und Norwegen, die in den vergangenen Monaten die Pandemie eher locker angingen, haben die Coronaregeln deutlich verschärft. Großbritannien und Israel gehen in den Krisenmodus – Deutschland scheint noch im Tiefschlaf. Doch eins sollten wir gelernt haben: Das Virus kennt keine Grenzen. Dass die bei uns gemeldeten Zahlen zur neuen Variante noch niedrig sind, hat auch damit zu tun, dass wir bei solchen Analysen hinterherhinken. Schon um Weihnachten herum dürfte Omikron auch bei uns dominieren. Und dieses Tempo wird höher sein als alles, was wir bisher mit Corona erlebt haben.

Impfen allein hilft nicht

Zweitens: Auch wenn laut erster Studien dreifach gegen Corona-Geimpfte immerhin eine gewisse Wirksamkeit des Impfstoffes gegen Ansteckungen behalten, ist die Reduktion durch Omikron groß genug, dass durch rasches Boostern eine neue Corona-Welle nicht gestoppt werden kann. Impfen bleibt als Schutz gegen einen schweren Verlauf uneingeschränkt sinnvoll, aber es kann den Trend kaum verlangsamen. Umso fragwürdiger ist es, dass ausgerechnet jetzt die Testerfordernisse für dreifach Geimpfte aufgehoben werden. Der nun festgestellte Mangel an Impfstoff im Frühjahr wirft zwar ein Schlaglicht auf die deutsche Planungsfähigkeit, dürfte aber in den kommenden Wochen gar nicht unser größtes Problem sein.

Auf geringere Gefährlichkeit kann man nicht setzen

Aber soll nicht angeblich die neue Virusvariante weniger gefährlich sein? Darauf darf sich keiner verlassen. Die Daten sind widersprüchlich, für Kinder scheint das Virus sogar gefährlicher. So oder so hilft das nichts. Auch wenn Omikron, was optimistisch ist, nur halb so gefährlich wäre wie Delta, aber in selben Zeit doppelt so viele Menschen infiziert, dann ist der Zeitgewinn für die Krankenhäuser Null. Und mit jedem Tag wird die Schere größer. Jetzt hilft nur Schnelligkeit – an der es die deutsche Politik bisher mangeln ließ. Wo bisherige Corona-Varianten noch Wochen Zeit ließen, sind es jetzt nur Tage. Entscheidungen müssten deshalb vor Weihnachten fallen. Unsere Krankenhäuser sind wegen Delta schon am Anschlag.

Drastische Maßnahmen müssen vorbereitet werden

Das einzige Stoppschild, das bei explodierenden Fallzahlen rasch funktioniert, ist ein Not-Lockdown für Geimpfte wie Ungeimpfte – so unpopulär das ist. Falls die Entwicklung es nötig macht, sollte das zumindest als Plan B vorbereitet sein. Denn zwischen den Jahren ist die Politik kaum handlungsfähig. Und genau dann, wenn die neue Welle wohl zuschlägt, werden die feiertagsbedingt sinkenden Testzahlen die Lage verschleiern. Deutsche Wissenschaftler haben am Mittwoch Alarm geschlagen. Am Freitag sollte der neue Corona-Expertenrat bei seiner Sitzung der Regierung Beine machen.

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