Gefahr für Bienen und andere Insekten Asiatische Hornisse im Anflug auf die Region Stuttgart
Die aus Südostasien stammenden Art gefährdet Bienenvölker, Insekten, Weinberge und Obstplantagen. Wer solche Hornissen sieht, soll seine Beobachtung melden.
Die aus Südostasien stammenden Art gefährdet Bienenvölker, Insekten, Weinberge und Obstplantagen. Wer solche Hornissen sieht, soll seine Beobachtung melden.
„Das kann für uns Imker auch hier in Stuttgart ein riesiges Problem werden.“ Helmut Horn ist Präsident des Landesverbands Württembergischer Imker. Noch will Horn keine Horrorszenarien an die Wand malen, aber: „Wir müssen wachsam sein, und selbst dann wird es nicht gelingen, das Problem vollständig aus der Welt zu schaffen.“ Denn eines ist sicher: Die asiatische Hornisse ist im Anflug auf die Region Stuttgart, und sie wird nicht nur die Imker vor große Probleme stellen.
Der wohl unmittelbar bevorstehenden Ankunft größerer Populationen der ursprünglich aus Südostasien stammenden Wespenart eilen wahre Horrormeldungen aus Spanien und Frankreich voraus. Von total zerstörten Obstplantagen und Weinbergen erzählen Experten und von geradezu ausgelöschten Bienenvölkern.
„Der Nahrungsbedarf der asiatischen Hornisse ist im August und September besonders groß“, erzählt der Vizepräsident der württembergischen Imker, Helmut Fesseler: „Gerade in dieser Zeit werden die Bienenvölker dezimiert – mit verheerenden Folgen für die kommenden Jahre.“
In einem Jahr, so erzählt Horn, benötigen asiatische Hornissen für ein Nest, in dem bis zu 2000 Hornissen leben können, rund 10 bis 12 Kilogramm Eiweiß, sprich Fleisch. Die Lieblingsnahrung der Hornissen sind Bienen. Die rückkehrenden Honigbienen werden dabei vor dem Bienenstock in der Luft von den Hornissen abgefangen. Wenn man bedenke, dass eine Biene 100 Milligramm wiege, werden für ein Nest der asiatischen Hornisse rund 100 000 bis 120 000 Bienen benötigt. Zum Vergleich: Die bisher in Deutschland beheimateten Hornissen brauchen pro Nest nur ein Kilogramm pro Jahr.
Aber die asiatische Hornisse frisst nicht nur Bienen, sondern auch andere Insekten. Darauf weist Carolin Rein hin, die sich bei der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim intensiv um das Thema kümmert. Noch sei es zu früh für abschließende Erkenntnisse, so Rein, aber: „Natürlich können die Hornissen auch die Biodiversität gefährden.“ Da sich Hornissen gerne mit Birnen und Äpfeln stärkten, komme für die Plantagenbesitzer ein Ertragsverlust und für die Erntehelfer eine erhöhte Gefahr, gestochen zu werden, hinzu. Reins Aufgabe ist es, im Auftrag des Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums die Maßnahmen gegen die Ausbreitung der asiatischen Hornisse zu koordinieren.
Im Rahmen eines auf zwei Jahre angelegten Projekts werden dort zentral für Baden-Württemberg die eingehenden Meldungen überprüft, Vorbereitungen zum Fang von Königinnen und zur Nestentfernung getroffen sowie Forschung und Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Begleitet werden die Arbeiten von einem „Runden Tisch Asiatische Hornisse“ unter der Leitung des Umweltministeriums, an dem Behörden aus den Bereichen Naturschutz und Imkerei, Fachexperten und Vertreter der Imkerverbände regelmäßig zusammenkommen und Strategien zum Umgang mit der Art weiterentwickeln. Zudem findet ein stetiger Austausch mit anderen betroffenen Bundesländern sowie den Bundesbehörden statt. Als besonders effektiv gilt das frühe Aufspüren von Königinnen und Gründungsnestern und deren Beseitigung im Frühjahr. Deshalb sollen Bürgerinnen und Bürger bei Sichtungen der Hornisse oder ihrer Nester diese umgehend über eine Meldeplattform zu melden.
Noch sind die asiatischen Hornissen nicht in großer Zahl in der Region Stuttgart aufgetaucht. Aber sie rücken deutlich näher. Hatten Experten 2022 in ganz Baden-Württemberg nur 40 Nester entdeckt, so waren es im vergangenen Jahr schon mehr als 550 – vor allem in einem Gebiet vom Bodensee über Süd- und Nordbaden bis hinauf ins Taubertal. Und die Dunkelziffer soll hoch sein.
Auch in und rund um Stuttgart waren 2023 die ersten asiatischen Hornissen gefunden worden, unter anderem in Stuttgart-Vaihingen und -Rohracker, in Sindelfingen, Ehningen, Rutesheim, Heimerdingen und Ludwigsburg. In den drei letztgenannten Kommunen wurde auch Hornissen-Nester entdeckt und zerstört. Im laufenden Jahr sind schon mehrere Einzeltiere und Nester, unter anderem ein neues in Großbettlingen (Kreis Esslingen), aufgetaucht: „Wenn jetzt das Wetter noch etwas wärmer wird, werden die Zahlen bestimmt auch rund um Stuttgart schnell in die Höhe klettern“, ist sich Helmut Horn sicher.
Meldung
Wer asiatische Hornissen oder Nester entdeckt, kann und soll diese online über die Internetseite https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft/asiatische-hornisse-melden oder über die kostenlose „Meine Umwelt-App“ melden.
Lebenszyklus
In einem Jahr baut die asiatische Hornisse zwei Nester. Im Frühjahr an geschützter Stelle etwa in Gartenhütten das so genannte Primär- oder Gründungsnest. Dort schlüpfen im Mai/Juni die ersten Arbeiterinnen. Meist hängen die bis zu handballgroßen Nester frei von der Decke. Im Sommer folgt oft in Bäumen in einer Höhe von mehr als 10 Metern das Sekundärnest. Es ist bis zu 50 mal 80 Zentimeter groß und beherbergt bis zu 2000 Tiere. hol