Gefahrenschwerpunkt B 464 Bilanz: Fünf tödliche und viele schwere Unfälle

Der LKW-Fahrer dachte, dass er der linken Spur folgen müsse. Er wechselte aber auf die Gegenfahrbahn und verursachte den Unfall. Foto: SDMG

Nachdem es 2019 zu tödlichen Unfällen auf der Nord-Süd-Verbindung durch den Kreis Böblingen gekommen war, wurde die Straße „entschärft“ – doch nicht alle Ideen wurden umgesetzt.

Böblingen: Carola Stadtmüller (cas)

„Die B 464 wird zur Todesstrecke“, hat diese Zeitung vor fast genau sechs Jahren getitelt. Mitte Dezember des Jahres 2019 war es auf der damals neuen Strecke zwischen Böblingen und Renningen zum fünften tödlichen Unfall binnen eines Jahres gekommen. Am vergangenen Montagfrüh passierte erneut ein schwerer Unfall auf der B 464, der böse Erinnerungen an diese Serie weckt.

 

Damals war ein 36-jähriger BMW-Fahrer gestorben. Der Mann hatte bei Magstadt-Nord riskant zu überholen versucht – prallte mit dem Gegenverkehr zusammen und kollidierte zudem mit einem Tanklaster. Eine 52-jährige Autofahrerin erlitt schwere Verletzungen. Erst wenige Tage davor hatte es ein paar Kilometer weiter einen dramatischen Unfall mit drei Todesopfern und einer lebensgefährlich Verletzten gegeben. Das Amtsgericht Böblingen verurteilte den Mann gut eineinhalb Jahre später wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu der Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung.

Am Montag war nun war ein 43-jähriger LKW-Fahrer von Renningen kommend auf Höhe eines Fahrbahnteilers bei Magstadt wohl der irrigen Meinung, dass er der linken Spur folgen müsse. In der Folge wechselte er auf die Gegenfahrbahn – eine Autofahrerin konnte noch ausweichen, ein Fordfahrer krachte frontal auf den LKW. Es wurde niemand schwer verletzt.

Der Fahrer dieses Wagens konnte nicht mehr ausweichen. Foto: SDMG

Diese Serie damals hatte Folgen. Einen Tag vor Heiligabend schrieb Böblingens Landrat, Roland Bernhard, an den damaligen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Er informierte den Minister über die schweren Unfälle und gab an, einen Maßnahmenkatalog für mehr Sicherheit auf dieser wichtigen Nord-Süd-Ader zu erarbeiten. Mit am runden Tisch saßen unter anderem: das Polizeirevier Ludwigsburg, Sindelfingens Baubürgermeisterin Corinna Clemens, das Regierungspräsidium Stuttgart und der Bundestagsabgeordnete Marc Biadacz (CDU).

Ende März wurde dies beschlossen: Fortan galt Tempo 90 auf der Strecke zwischen Böblingen und Renningen, die Polizei plante mehr Geschwindigkeitsüberwachungen, in der Folge wurde ein teilstationäres Überwachungsgerät angeschafft. Auf demselben Teilstück wurde eine doppelt durchgezogene Linie markiert – also ein Überholverbot eingerichtet. Und diese Doppellinie wurde zudem profiliert – es wird also laut, wenn man darüberfährt. Parallel dazu wurden auf dem gesamten Abschnitt der B 464 mehrere Nothalte-Buchten errichtet, um havarierte Fahrzeuge zügig beiseite schaffen zu können. Große Warnschilder ergänzen den Maßnahmenkatalog.

Seitdem gab es laut dem Polizeirevier Ludwigsburg keinen tödlichen Unfall mehr auf der Strecke. Im Jahr 2022 verzeichnete das Polizeipräsidium Ludwigsburg insgesamt 17 Unfälle (drei mit leichtverletzten Personen und 14 mit Sachschaden) auf der genannten Strecke. 2023 waren es 21 (zwei mit Schwerverletzten, vier mit leichtverletzten Personen und 15 mit Sachschaden) und im vergangenen Jahr wurden 14 Unfälle (einer mit einer schwer verletzten Person, zwei mit leichtverletzten Personen und elf mit Sachschaden) registriert. Dieses Jahr gab es bislang keine Unfälle mit schwer verletzten Personen.

Die Maßnahmen waren also durchaus wirksam, wenn man die schlimmste Folge eines Unfalls zugrunde legt. Allerdings: Es kracht immer wieder sehr heftig. Roland Bernhard hätte dem Bundesverkehrsminister schon damals gern noch mehr abgetrotzt: „Ich bitte Sie deshalb, sehr geehrter Herr Minister, Mittel für etwaige bauliche Veränderungen zur Verfügung zu stellen. So etwa, um Vorsorge zu treffen vor Fahrzeugen, die in den Gegenverkehr geraten.“ Also Beton in der Mitte, teuer und nur mittels großer baulicher Maßnahmen zu verwirklichen, aber wirksam.

Die B 464 war nach dem Unfall über Stunden gesparrt. Foto: SDMG

Denn – und das zeigt womöglich der aktuelle Unfall: Wer ortsfremd ist, läuft nach wie vor Gefahr, Fahrbahnteiler als zweite Spur zu sehen und stattdessen auf die Gegenfahrbahn zu geraten, wie der Landrat es schon vor sechs Jahren formuliert hatte. Überholmanöver bleiben gefährlich. Zumal die Strecke als Ersatzautobahn zwischen den großen Achsen A 81 und A 8 gilt, sie zieht viel Überlandverkehr an. Trotzdem meint eine Sprecherin des Ludwigsburger Reviers, es gebe „kein erhöhtes Risiko, auf die Gegenfahrbahn zu geraten“. Die durchgehende, doppelte Fahrstreifenbegrenzung sei optisch, akustisch und haptisch wahrnehmbar.

Unfallursache diesmal eindeutig

Für die Polizei hat aber der aktuelle Unfall vor allem eine Ursache: „Es ist davon auszugehen, dass die Alkoholisierung des Fahrers ein wesentlicher Faktor war, warum es zu diesem Unfall gekommen ist“, sagt die Sprecherin. Gegen den Unfallverursacher wird wegen der Trunkenheit nun weiter ermittelt.

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