Geflüchtete im Leonberger Ex-Seniorenheim Eine selbsterfüllende Prophezeiung?

Das ehemalige Seniorenheim am Parksee in Leonberg wird zur Unterkunft für Geflüchtete. Foto: /Simon Granville

Geflüchtete im Heim: Wer Schlimmes erwartet, bekommt es auch, meint unser Autor Marius Venturini. Allerdings sei die Situation sehr wohl alles andere als einfach.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Hat ein Journalist schon viele Male über ein Thema berichtet, könnte er es sich leicht machen und einfach bei sich selbst abschreiben. Denn das, was in unserer Kolumne Blickwinkel am 16. September stand, hat weiterhin Gültigkeit. Das Thema war damals die geplante Unterbringung von Geflüchteten im alten Seniorenheim in der Leonberger Ostertagstraße. Der Inhalt in Kürze: Bitte keine Weltuntergangsszenarien.

 

Das Ergebnis wird vom Handeln der Betroffenen beeinflusst

Denn im Moment deutet vieles auf eine sogenannte „self-fulfilling prophecy“ hin – also eine Vorhersage, die sich aufgrund der Erwartungen der Beteiligten und ihrer darauf gründenden Handlungen am Ende bewahrheitet. Wer das Schlimmste erwartet, bekommt es auch. Und was hilft es letztlich, „Recht gehabt“ zu haben?

Fakt ist: Der Landkreis hat keine Wahl. Er bekommt geflüchtete Menschen zugewiesen, die er irgendwo unterbringen muss. Man könnte jetzt das ganz große Politik-Fass aufmachen und die ganze Debatte rund um die Geflüchteten auf der europäischen, auf der weltweiten Bühne führen und betrachten.

Geschehen spielt vor der eigenen Haustür – zwangsläufig

Sicher ist das notwendig. Aber solange sich dabei keine realistischen und nicht zuletzt humanen Ansätze und Lösungen abzeichnen, spielt das Geschehen nun mal vor der eigenen Haustür – und damit auch in der Leonberger Ostertagstraße.

Ohne verharmlosen zu wollen: Dass das schwierig werden kann, werden wird, ist nicht von der Hand zu weisen. Gemeinderat und Stadtverwaltung haben sich nicht ohne Grund gegen den Standort ausgesprochen. Genau wie die Bewohner des Betreuten Wohnens im angrenzenden Gebäude. Stadträte wie Nachbarn fürchten um den sozialen Frieden. Jetzt ist es am Landkreis, möglichst transparent zu kommunizieren – und umsichtig zu handeln. Nur so kann ermöglicht werden, dass die vorhandenen Befürchtungen am Ende tatsächlich nicht eintreten.

Unterbringung im Hotel hätte Aufschrei zur Folge

Am Rande: Was wäre denn, wenn der Kreis sich für eine Unterbringung im Hotel Plaza Inn entschieden hätte? Und damit ein Vielfaches dafür ausgeben müsste als mit der nun angestrebten Lösung? Der Aufschrei wäre mindestens genau so groß. Und man sieht die (mindestens) polemischen Internet-Kommentare schon vor dem geistigen Auge. Allein: Sie werden auch jetzt kommen.

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