Geflüchtete im Seniorenheim mitten in Leonberg Jetzt äußert sich der Hausbesitzer

Künftig Ort für Geflüchtete, aber wann? Das Seniorenzentrum am Parksee. Foto: Simon Granville

Der Landkreis will im ehemaligen Seniorenzentrum am Parksee geflüchtete Menschen vorübergehend unterbringen. Warum es hakt, darüber gab es bisher kaum Auskünfte. Auch die Besitzerin Carestone GmbH bleibt vage.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Warum sind noch immer keine Geflüchteten ins ehemalige Seniorenzentrum am Leonberger Parksee eingezogen? Zuletzt hat die Stadtverwaltung der Besitzerin der Immobilie, der Carestone GmbH, einige Versäumnisse vorgeworfen, zwischen den Zeilen konnte man auch eine nicht immer reibungslose Kommunikation herauslesen. Nun reagiert das Unternehmen mit Sitz in Hannover auf eine Anfrage unserer Zeitung.

 

Veränderungen müssen Stadt und Carestone untereinander klären

Es geht um die Änderung der Nutzungsrechte sowie bauliche Veränderungen am Gebäude. Diese müssen Carestone und die Kommune untereinander klären. Die Unterbringung der Menschen im einstigen Altenheim obliegt dann jedoch dem Landkreis Böblingen. Dieser hatte im Herbst des vergangenen Jahres das Haus überhaupt erst ins Spiel gebracht. Ende November war die Unterbringung beschlossene Sache, wenn auch gegen Widerstände und Protestaktionen aus der Leonberger Bevölkerung und ein Votum seitens des Gemeinderats.

Die vom Kreis gesetzte lose Frist, Dezernent Dusan Minic sprach von „Anfang 2024“, ist längst gerissen. Aber warum? „Alle erforderlichen Unterlagen wurden unsererseits vollständig und fristgerecht eingereicht“, antwortet Carestone-Unternehmenssprecher Stefan Schlichting. Derzeit warte man auf die Genehmigung der Nutzungsänderung. „Dafür stehen wir in engem Austausch mit Stadtverwaltung, Landratsamt und allen weiteren Beteiligten.“

Anträge dauerten laut Stadt länger als notwendig

Dennoch hat es offenbar länger gedauert als notwendig. „Der Antrag zur Nutzungsänderung ging Anfang April bei der Stadt Leonberg ein. Er war unvollständig“, gab Stadt-Pressesprecher Sebastian Küster in der vergangenen Woche zu verstehen. Das sei dem Bauherren, also Carestone, nur wenig später mitgeteilt worden, ebenso seien die nötigen Unterlagen angefordert worden. Eine Reaktion sei ausgeblieben, vier Wochen später habe man nochmals eine Erinnerung geschickt. Wiederum drei Wochen später seien die restlichen Dokumente schließlich angekommen.

Woran hat es gehakt? Die Antwort auf diese Frage bleibt Carestone schuldig. Auskunft gibt es aber darüber, um was es konkret geht. „Die erforderlichen Maßnahmen betreffen vor allem Themen des präventiven Brandschutzes sowie die Ertüchtigung der technischen Anlagen und der Erweiterung der Versorgungsmöglichkeiten innerhalb des Hauses“, gibt Stefan Schlichting zu Protokoll. Informationen darüber, was das ganze kostet, behält Carestone hingegen für sich. „Ich möchte um Verständnis bitten, dass wir uns zu den Investitionsvolumina und Konditionen unserer bundesweiten Projekte nicht äußern“, so Schlichting.

24 Monate lang soll die Unterbringung der Geflüchteten vorerst dauern, der Landkreis mietet die Immobilie hierfür von Carestone. 200 Personen sollen dann im Haus am Parksee leben. Bis 2017 befand sich das Gebäude noch im Besitz des Landkreises selbst. Nachdem sich die Verwaltungsbehörde jedoch aus dem Betrieb von Pflegeheimen zurückzog, ging es an den Münchner Investor Primus Concept, der es schließlich an Carestone verkaufte. Als Trägerin des Heimbetriebs fungierte bis zum Auszug der 109 Bewohnerinnen und Bewohner Ende Februar 2023 die Samariterstiftung.

Unterbringung soll laut Landkreis zwei Jahre dauern

Was nach den angepeilten 24 Monaten mit dem Haus geschehen soll, dazu äußert sich Carestone ebenfalls. Schon ganz zu Beginn hatten die Beteiligten versichert, dass die Immobilie irgendwann wieder zu einem Seniorenheim werden solle. „Unabhängig von dieser temporären Nutzung halten wir weiterhin an den Plänen fest, die jeweiligen Quartiere zukunftsfähig und generationsübergreifend attraktiv zu gestalten“, so Schlichting. Was genau das heißen mag, darüber kann und wird wohl auch munter spekuliert werden.

Situation um Stuttgarter Haus Schönberg ähnlich

Eine ähnliche Konstellation gibt es derzeit auch rund um das ebenfalls leer stehende Stuttgarter Haus Schönberg. Auch dort gibt es, wie in Leonberg, erheblichen Widerstand gegen die temporäre Unterbringung von Geflüchteten in dem ehemaligen Seniorenheim. Bis Februar 2026 sollen dort 370 Menschen leben, danach soll das Gebäude umgebaut werden – unter anderem soll es dann auch eine Kita beherbergen. Eigentümer sind die Fellbacher Audere Equity GmbH sowie Carestone.

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