Platz für rund 50 Menschen bietet eine neue Unterkunft für Geflüchtete im Waiblinger Eisental. Die Stadt hat Anrainer vorab zu einer Besichtigung eingeladen.

Anfang Juli ist es so weit: Dann werden die ersten Bewohner die neue Anschlussunterkunft für Geflüchtete im Gewerbegebiet Eisental in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis)  beziehen. Bis zu 53 Menschen können dort wohnen. Die Zimmer sollen laut Mandy Winkler, die bei der Stadt Waiblingen die Flüchtlingsunterbringung koordiniert, „peu à peu“ belegt werden. Bereits jetzt ist klar, dass es sich ausschließlich um einzelne männliche Bewohner handeln wird. Ein Novum in Waiblingen, doch die Verwaltung sieht sich gut vorbereitet. Derzeit ist die Stadt Waiblingen für rund 700 Geflüchtete zuständig.

 

Die Frage, aus welchen Ländern die neu nach Waiblingen kommenden Menschen stammen, kann man bei der Stadtverwaltung derzeit nicht definitiv beantworten. Sicher ist aber, dass die künftigen Bewohner des Container-Komplexes in der Lise-Meitner-Straße aus der vorläufigen Unterbringung in einer Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises in die von der Stadt betriebene Unterkunft ziehen. Sie leben also schon einige Zeit in Deutschland, haben gewisse Sprachkenntnisse und zum Teil wohl auch einen Arbeitsplatz.

Der Eigentümer der Fläche im Eisental war auf die Stadt Waiblingen zugekommen und hatte ihr das unbebaute Grundstück angeboten. Die Anlage hat der Grundstücksbesitzer gleich mit errichtet – und an die Stadt weitergegeben. Die Stadt sei somit lediglich Mieterin, erklärte der Erste Bürgermeister Peter Schäfer bei einem Vorort-Termin, an dem Anrainer einen Blick in die Unterkunft werfen durften.

Kritik an Standortwahl: Anwohner fürchten Kriminalität im Eisental

Einige Nachbarn, die meisten Geschäftsleute, nutzten die Gelegenheit, um ihrem Ärger über die Wahl des Standorts Luft zu machen. Manche äußerten die Befürchtung, durch den Zuzug könnte die Kriminalität im Eisental zunehmen und die Zahl der Diebstähle, Sachbeschädigungen und anderen Delikte steigen. Eine Besucherin kritisierte, dass es kein Ausschreibungsverfahren für mögliche Standorte gegeben habe – sie selbst hätte nämlich ebenfalls Flächen in der Nähe zur Verfügung stellen können.

Peter Schäfer erklärte, dass es in Fällen, in denen die Stadt kein eigenes Grundstück zur Verfügung habe, keine Ausschreibung gebe und ergänzte, wer eine Fläche bereitstellen wolle, könne sich gerne bei der Stadt melden. Auf ihrer Internetseite hat die Kommune zu diesem Zweck eigens ein Kontaktformular hinterlegt.

Unterstützung durch Caritas und Ehrenamtliche

Die Geflüchteten werden in Containern untergebracht. Foto: Gottfried Stoppel

Jonas Manske soll dabei helfen, dass die Geflüchteten einen möglichst guten Start in Waiblingen haben. Er arbeitet als Integrationsmanager bei der Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz, welche sämtliche Unterkünfte der Stadt Waiblingen betreut. An zwei Tagen pro Woche wird er vor Ort sein und den Bewohnern als Anlaufstelle dienen und ihnen Unterstützung bieten. „Jede Unterkunft ist etwas anders, ich bin gespannt, wer kommt.“

Bei seiner Arbeit kann der hauptamtliche Integrationsmanager auf ehrenamtliche Hilfe zählen. Zum Beispiel von Barbara Schmitt, die sich seit drei Jahren im Verein „Fremde unter uns“ engagiert. Dessen Mitglieder bieten unter anderem dreimal pro Woche im Kulturhaus Schwanen kostenlosen Deutschunterricht an und begleiten Geflüchtete bei Behördengängen oder Vorstellungsgesprächen.

Ehrenamtliche Sprachhelfer unterstützen Geflüchtete

„Manchmal geht es auch nur darum, eine Stunde mit den Menschen zu sprechen und sich ihre Ängste und Sorgen anzuhören“, sagt Barbara Schmitt, die bis zum Beginn ihrer Rente bei einer Versicherung gearbeitet hat und als Sprachpatin zum Verein kam. Dieser könne durchaus die Unterstützung von weiteren Ehrenamtlichen brauchen, sagt sie.

In der Unterkunft im Eisental ist für ehrenamtliche Aktivitäten ein Zimmer reserviert, außerdem gibt es kleine Büros für die Heimleitung, den Hausmeister und den Sicherheitsdienst. Die Bewohner leben in Einzelzimmern, die Platz für das Nötigste bieten: ein Bettgestell, ein Schrank, ein kleiner Tisch und ein Stuhl. „Die meisten bringen einen Kühlschrank aus ihrer bisherigen Unterkunft mit“, erklärt Mandy Winkler.

Bewohner der Flüchtlingsunterkunft werden zugewiesen

Mehrere Bewohner teilen sich eine der Gemeinschaftsküchen, in denen jeweils zwei Herde, zwei Spülen und ein Arbeitstisch stehen. Auch die sanitären Anlagen – Toiletten mit Waschbecken und Duschen – werden gemeinschaftlich genutzt. Auf dem noch karg wirkenden Hof zwischen den beiden Gebäuderiegeln ist Platz für einen Fahrradständer und zwei Bank-Tisch-Kombinationen.

Die Stadt habe auf die Zahl der neuen Mitbürger keinerlei Einfluss, betont Peter Schäfer: „Sie werden uns zugewiesen, und wir müssen damit zurechtkommen.“ Wichtig sei, dass die Menschen einen guten Start haben, Deutsch lernen und Arbeit finden: „Man muss diesen Menschen eine Chance geben.“