Geflügelpest im Rems-Murr-Kreis Was schützt gegen die Vogelgrippe?

Veterinärhygienekontrolleurin Julia Schilling (links) und Amtstierärztin Eva-Maria Löken geben Erik Pfizenmaier Tipps, wie er den Hühner-Auslauf optimal absichern kann. Foto: Edgar Layher

Seit Ende 2022 breitet sich die Geflügelpest wieder in Deutschland aus. Mitarbeiterinnen des Veterinäramtes Rems-Murr-Kreis besuchen aktuell auch kleinere Geflügelhaltungen im Kreis, um die Tierhalter über Schutzmaßnahmen zu informieren.

Rems-Murr: Chris Lederer (cl)

Günther und Harry sind die beiden Hähne im Korb, besser gesagt im Stall von Erik Pfizenmaier. Der 15-Jährige hält die beiden Gockel samt 46 Legehennen in einem Holzverschlag mit Fenstern samt großzügigem Auslauf auf dem elterlichen Bauernhof am Ortsrand von Strümpfelbach. Die Leidenschaft fürs Federvieh hat der Bub von seinem Opa geerbt. Nicht nur Erik, auch der Rest der Familie und Freunde freuen sich über die zehn bis 30 Eier, die täglich von den glücklichen Hühnern gelegt werden.

 

Doch das Glück im Stall ist getrübt in diesen Tagen. Die Geflügelpest breitet sich aus im Land. Infizierte Möwen hat man in benachbarten Landkreisen gefunden: in Stuttgart, in Ludwigsburg und in Heilbronn. Damit das Virus im Rems-Murr-Kreis möglichst nicht von Wildvögeln auf Haus- und Nutzvögel übertragen wird, gelten seit Januar auch im Kreis strenge Auflagen für Halter von Hühnern, Truthühnern, Perlhühnern, Rebhühnern, Fasanen, Laufvögeln, Wachteln, Enten und Gänsen.

Kontakt mit Wildvögeln absolut vermeiden

Dass bei Pfizenmaiers alle Maßnahmen eingehalten werden, davon überzeugten sich jüngst Mitarbeiterinnen des Veterinäramts und gaben wertvolle Tipps. Am Mittwochmorgen waren zudem Vertreter der Presse eingeladen, um die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren. „Es ist extrem wichtig, dass das Virus nicht von Wildvögeln in die Geflügelhaltungen eingetragen wird“, erklärte Amtstierärztin Eva-Maria Löken vom Landratsamt Rems-Murr. Die größte Gefahr zur Ansteckung gehe vom direkten oder indirekten Kontakt mit infizierten Tieren aus. „Um das zu vermeiden, müssen der Stall und der Kaltscharrbereich so abgedichtet werden, dass keine Wildvögel reinkommen.“ Damit auch der kleinste Spatz keine Chance hat, empfehlen die Fachleute einen Volierendraht mit einer Maschenweite von maximal 25 Millimetern. Wobei Spatzen und andere Singvögel nicht das wesentliche Problem darstellen. Meist wird das Virus von wild lebenden Wasservögeln übertragen, die das Virus über große Entfernungen verschleppen können.

Hier müssen auch Erik und sein Vater Stefan noch nachbessern – im gezimmerten Minimalauslauf ihrer Hühner ist an manchen Ecken buchstäblich zu viel Luft nach oben. Draht und Holz liegen allerdings schon bereit. „Solange der Auslauf noch offen ist, sollten die Tiere nur im Stall gehalten und nur dort gefüttert und getränkt werden“, empfiehlt Veterinärhygienekontrolleurin Julia Schilling vom Landratsamt. Und bitte nur mit Leitungs- und nicht mit Regen- oder sonstigem Oberflächenwasser.

Ersatzstiefel stehen parat, Kleidung ebenso

Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Trennung zwischen der Straßenkleidung und der Stallkleidung. „Dass das Virus nicht mit den Schuhen oder durch die Kleidung eingetragen wird, hat oberste Priorität bei den Biosicherheitsmaßnahmen“, ergänzt Eva-Maria Löken. Auch die setzt Erik um: „Darauf achten wir schon“, sagt der Hobbyhühnerhalter. Ein Paar Gummistiefel, die er ausschließlich bei den Hühnern anzieht, stehen am Eingang parat. „Und die Hände wasche ich mir immer im Haus – bevor ich den Stall betrete und danach.“ Und auch die geforderte Mäusefalle habe er schon aufgestellt.

Die wirtschaftlichen Verluste, die durch ein Auftreten der Grippe in einem Tierbestand entstehen, seien mitunter enorm, berichtet die Amtstierärztin. Wenn das Virus in Haltungen nachgewiesen werde, müssten ganze Bestände getötet und kilometerweite Schutz- und Überwachungszonen eingerichtet werden, in denen bestimmte „scharfe Maßnahmen“ gelten; etwa Verbote, Tiere zu schlachten oder tierische Produkte in den Verkehr zu bringen, auch der Umgang mit Dung und Mist sei eingeschränkt.

Grüner Durchfall, blauer Kamm

Typische Symptome an den erkrankten Tieren seien Ödeme, also Wassereinlagerungen und Schwellungen am Kopf. Auch die blaue Verfärbung von Kamm und Kehllappen sowie den Füßen könnten Anzeichen sein. Achten sollten Halter ebenso auf mögliche Atemnot, Apathie und tropfende Nasen sowie grünlichem Durchfall bei ihren Tieren.

Die Geflügelpest ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. „Ein Verdacht muss sofort dem zuständigen örtlichen Veterinäramt mitgeteilt werden“, erklärt die Amtstierärztin. „Wenn wir nicht erreichbar sind, kann man es auch der Polizei melden.“ Zur Überprüfung des Verdachtes auf Geflügelpest entnehmen die Veterinärbehörden Proben. Diese werden zur Untersuchung in spezielle amtliche Labore gebracht.

Vogelgrippe auch für Menschen gefährlich

Auch für den Menschen könne das Vogelgrippevirus unter Umständen gefährlich werden, sagt Eva-Maria Löken. Seit 2003 seien laut WHO weltweit mehr als 2600 Erkrankungen und 1100 Todesfälle mit der „Aviären Influenza“ nachgewiesen. Die mit Abstand meisten Fälle werden im asiatisch-pazifischen Raum registriert, in Deutschland sei bislang noch kein derartiger Fall bekannt.

Übrigens muss jedes einzelne Huhn im eigenen Garten beim zuständigen Veterinäramt gemeldet werden. Das gilt für alle Geflügelarten und schon ab einem Tier. Wobei man Hühner artgerecht ohnehin nur in Gruppen von fünf bis zehn halten sollte, plus einem Hahn, empfiehlt die Amtstierärztin. Ein Gockel sorge in einer Hühnerschar für mehr Ruhe – meistens jedenfalls.

Vogelgrippe

Anordnung
Seit 21. Januar gilt eine landesweite Anordnung von Biosicherheitsmaßnahmen auch für kleinere Geflügelhaltungen. Jeder Halter von Hühnern, Puten, Perlhühnern, Rebhühnern, Fasanen, Laufvögeln, Wachteln, Enten und Gänsen muss einen Katalog von bestimmten Maßnahmen zur Verhinderung der Einschleppung des Virus in seine Haltung einhalten. 

Geflügelpest
Die Geflügelpest oder Aviäre Influenza wird auch „Vogelgrippe“ genannt und ist eine Infektionskrankheit der Vögel, die durch Grippeviren hervorgerufen wird. Häufig sind Wildvögel infiziert, die Infektion kann aber auch auf Haus- und Nutzgeflügel übertragen werden.

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